Schulz, B.: Die Ergebnisse der Polarexpedition mit dem U-Boot „Nautilus“, 149
verbindenden unterseeischen Rückens. Der Vorschlag, diese Schwelle nach
Fridtjof Nansen, der ihr Vorhandensein auf Grund der „Fram“-Beobachtungen
zuerst vermutete, Nansen-Schwelle oder Nansen-Rücken zu nennen, wird
sicher allgemeine Zustimmung finden. Nach den von „Nautilus“ ausgeführten
zahlreichen Lotungen wird die bisherige Auffassung, daß die Nansen-Schwelle
von Nordostspitzbergen wenigstens zunächst nach Nordwesten verläuft, bestätigt.
In dem jetzt untersuchten Teile liegen die Tiefen der Schwelle sämtlich unter-
halb 1000 m; der von der 600 m-Tiefenlinie umschlossene seichteste Teil der
Nansen-Schwelle biegt nach Norden und Nordosten um und trägt in seinem
nördlichsten Teil eine flache, bis 400 m Tiefe aufragende Bank. Östlich von
diesem Gebiet des Nansen-Rückens senkt sich der Boden schnell nach einer
Rinne, in der bis über 3500 m Tiefe festgestellt wurden; sie sei in Anlehnung
an Ahlmann als „Sofia-Rinne“ bezeichnet in Erinnerung daran, daß die „Sofia“
1868 hier zuerst ozeanische Tiefen nördlich von Spitzbergen nachgewiesen hat.
Östlich der Sofia-Tiefe befindet sich eine noch ausgeprägtere Talform, die nach
Ahlmann als „Quest-Rinne“ zu bezeichnen ist.
Da die ozeanographischen Tatsachen nach der Auffassung sowohl von
Nansen wie von Sverdrup eine Schwellentiefe des Nansen-Rückens zwischen
1100 und 1500 m erwarten lassen, muß man annehmen, daß die Schwelle sich
westlich des Gebietes, das von den „Nautilus“-Untersuchungen erfaßt werden
konnte, bis zu den vermuteten Tiefen senkt. Leider fehlen Lotungen aus dieser
Region völlig (s. Abb, 2).
Erwähnenswert ist weiterhin, daß sich der Meeresboden unmittelbar südlich
des Nansen-Rückens, auf etwa 1° O-Lg. und 80° N-Br. auf unter 3000 m senkt.
Wir haben hier die nördlichste der vier über 3000 m tiefen Senken vor uns,
welche für die Bodengestalt des Europäischen Nordmeeres charakteristisch sind.
Die südlichste ist das südöstlich von Jan Mayen innerhalb der Norwegischen
Mulde gelegene „Norwegische Tief“, als dessen größte Tiefe 3667 m erlotet sind,
Bislang ist es eine noch offene Frage, ob die Norwegische Mulde nicht durch
eine sich bis Jan Mayen fortsetzende Verlängerung des Helgeland-Rückens in
zwei Mulden zerlegt wird, in die südlich gelegene Norwegische Mulde und in
die Lofoten-Mulde!), Durch einen von Jan Mayen westöstlich zur Bären-Insel-
Senke verlaufenden, auf über 2500 m ansteigenden Querrücken ist das Norwegische
Tief von der Grönländischen Mulde getrennt, deren größte Tiefe im „Grönländischen
Tief“ 3600 m beträgt. Das dritte Tief ist die nach den „Belgica“-Lotungen bis
3400 m hinabreichende, westlich von Kings Bay und Cross Bay etwas nördlich
79 N-Br. gelegene Senke, für welche der Name „Spitzbergen Tief“ angebracht
erscheint. Diese Senke ist von der Grönland-Mulde durch einen anscheinend
ebenfalls über 2500 m ansteigenden Rücken getrennt. Die auf eine Lotung der
„Sofia“ unter der Leitung von A, E. Nordenskiöld zurückzuführende „Schwedi-
sche Tiefe“ in 78° 26’ N-Br., 2° 17’ W-Lg. mit 4720 oder 4846 m (je nachdem, ob
die Länge des schwedischen oder englischen Fadens zugrunde gelegt wird) ist
noch auf der neuesten Auflage der Monaco-Tiefenkarte angegeben. Sie ist aber,
wie Axel Hamberg*) des Näheren nachgewiesen hat, als nicht vorhanden an-
zusehen, übrigens von Helland-Hansen und Nansen bereits auf ihrer 1909
erschienenen Tiefenkarte des Europäischen Nordmeeres unberücksichtigt geblieben.
Als viertes Tief gesellt sich nun hierzu die bereits erwähnte, vom „Nautilus“
gefundene, deren größte bislang gefundene Tiefe 3170 m beträgt, für sie sei der
Name „Nautilus Tief“ vorgeschlagen. Soweit die bisher vorliegenden Lotungen
ein Urteil gestatten, ist die das Nautilus Tief vom Spitzbergen Tief trennende
Schwelle tiefer als 2500 m, ist also weniger flach als die südlicheren Schwellen
des Europäischen Nordmeeres,
2. Hydrographie, Die ozeanographischen Beobachtungen erfolgten von einer
Tauchkammer aus, die sich im vordersten Abschnitt des Bootes befand. Die
ı) Björn Helland-Hansen u. Fridtjof Nansen: The Norwegian Sea. Report on Norwegian
Fishery and Marine Investigation. Vol. IY. 1909, Nr. 2. Kristiania 1909, 5. 69, 74 u. Tafel 1. — 3) Axel
Hamberg, On older methods of deep-sea soundings and what is known as „The Swedish Deep‘. Geo-
grafiska. Annaler XI. Stockholm 1929, 147—155.