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Full text: 62, 1934

Schulz, B.: Die Ergebnisse der Polarexpedition mit dem U-Boot „Nautilus“, 149 
verbindenden unterseeischen Rückens. Der Vorschlag, diese Schwelle nach 
Fridtjof Nansen, der ihr Vorhandensein auf Grund der „Fram“-Beobachtungen 
zuerst vermutete, Nansen-Schwelle oder Nansen-Rücken zu nennen, wird 
sicher allgemeine Zustimmung finden. Nach den von „Nautilus“ ausgeführten 
zahlreichen Lotungen wird die bisherige Auffassung, daß die Nansen-Schwelle 
von Nordostspitzbergen wenigstens zunächst nach Nordwesten verläuft, bestätigt. 
In dem jetzt untersuchten Teile liegen die Tiefen der Schwelle sämtlich unter- 
halb 1000 m; der von der 600 m-Tiefenlinie umschlossene seichteste Teil der 
Nansen-Schwelle biegt nach Norden und Nordosten um und trägt in seinem 
nördlichsten Teil eine flache, bis 400 m Tiefe aufragende Bank. Östlich von 
diesem Gebiet des Nansen-Rückens senkt sich der Boden schnell nach einer 
Rinne, in der bis über 3500 m Tiefe festgestellt wurden; sie sei in Anlehnung 
an Ahlmann als „Sofia-Rinne“ bezeichnet in Erinnerung daran, daß die „Sofia“ 
1868 hier zuerst ozeanische Tiefen nördlich von Spitzbergen nachgewiesen hat. 
Östlich der Sofia-Tiefe befindet sich eine noch ausgeprägtere Talform, die nach 
Ahlmann als „Quest-Rinne“ zu bezeichnen ist. 
Da die ozeanographischen Tatsachen nach der Auffassung sowohl von 
Nansen wie von Sverdrup eine Schwellentiefe des Nansen-Rückens zwischen 
1100 und 1500 m erwarten lassen, muß man annehmen, daß die Schwelle sich 
westlich des Gebietes, das von den „Nautilus“-Untersuchungen erfaßt werden 
konnte, bis zu den vermuteten Tiefen senkt. Leider fehlen Lotungen aus dieser 
Region völlig (s. Abb, 2). 
Erwähnenswert ist weiterhin, daß sich der Meeresboden unmittelbar südlich 
des Nansen-Rückens, auf etwa 1° O-Lg. und 80° N-Br. auf unter 3000 m senkt. 
Wir haben hier die nördlichste der vier über 3000 m tiefen Senken vor uns, 
welche für die Bodengestalt des Europäischen Nordmeeres charakteristisch sind. 
Die südlichste ist das südöstlich von Jan Mayen innerhalb der Norwegischen 
Mulde gelegene „Norwegische Tief“, als dessen größte Tiefe 3667 m erlotet sind, 
Bislang ist es eine noch offene Frage, ob die Norwegische Mulde nicht durch 
eine sich bis Jan Mayen fortsetzende Verlängerung des Helgeland-Rückens in 
zwei Mulden zerlegt wird, in die südlich gelegene Norwegische Mulde und in 
die Lofoten-Mulde!), Durch einen von Jan Mayen westöstlich zur Bären-Insel- 
Senke verlaufenden, auf über 2500 m ansteigenden Querrücken ist das Norwegische 
Tief von der Grönländischen Mulde getrennt, deren größte Tiefe im „Grönländischen 
Tief“ 3600 m beträgt. Das dritte Tief ist die nach den „Belgica“-Lotungen bis 
3400 m hinabreichende, westlich von Kings Bay und Cross Bay etwas nördlich 
79 N-Br. gelegene Senke, für welche der Name „Spitzbergen Tief“ angebracht 
erscheint. Diese Senke ist von der Grönland-Mulde durch einen anscheinend 
ebenfalls über 2500 m ansteigenden Rücken getrennt. Die auf eine Lotung der 
„Sofia“ unter der Leitung von A, E. Nordenskiöld zurückzuführende „Schwedi- 
sche Tiefe“ in 78° 26’ N-Br., 2° 17’ W-Lg. mit 4720 oder 4846 m (je nachdem, ob 
die Länge des schwedischen oder englischen Fadens zugrunde gelegt wird) ist 
noch auf der neuesten Auflage der Monaco-Tiefenkarte angegeben. Sie ist aber, 
wie Axel Hamberg*) des Näheren nachgewiesen hat, als nicht vorhanden an- 
zusehen, übrigens von Helland-Hansen und Nansen bereits auf ihrer 1909 
erschienenen Tiefenkarte des Europäischen Nordmeeres unberücksichtigt geblieben. 
Als viertes Tief gesellt sich nun hierzu die bereits erwähnte, vom „Nautilus“ 
gefundene, deren größte bislang gefundene Tiefe 3170 m beträgt, für sie sei der 
Name „Nautilus Tief“ vorgeschlagen. Soweit die bisher vorliegenden Lotungen 
ein Urteil gestatten, ist die das Nautilus Tief vom Spitzbergen Tief trennende 
Schwelle tiefer als 2500 m, ist also weniger flach als die südlicheren Schwellen 
des Europäischen Nordmeeres, 
2. Hydrographie, Die ozeanographischen Beobachtungen erfolgten von einer 
Tauchkammer aus, die sich im vordersten Abschnitt des Bootes befand. Die 
ı) Björn Helland-Hansen u. Fridtjof Nansen: The Norwegian Sea. Report on Norwegian 
Fishery and Marine Investigation. Vol. IY. 1909, Nr. 2. Kristiania 1909, 5. 69, 74 u. Tafel 1. — 3) Axel 
Hamberg, On older methods of deep-sea soundings and what is known as „The Swedish Deep‘. Geo- 
grafiska. Annaler XI. Stockholm 1929, 147—155.
	        
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