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Ereignissen geprägt. Dazu gehörten der Wechsel in der Person des VN-Gene-
ralsekretärs. Außerdem wurde im Februar 1992 das VN-Sekretariat umorgani
siert. Dabei wurde das VN-Seerechtsbüro in die VN-Rechtsabteilung eingeglie
dert und die Verantwortung für das Seerecht ging von USG Nandan, der sich
sehr stark für den Dialog engagiert hatte, auf USG Dr. Fleischhauer, den Legal
Counsel der VN, über. Diese Wechsel führten naturgemäß zu zeitlichen Verzö
gerungen. Darüber hinaus gab es hinter den Kulissen ein heftiges Tauziehen um
die Ausrichtung des Dialogs. Dabei ging es um den bisherigen, von USG
Nandan geprägten Ansatz, eine Lösung auf dem SRÜ aufzubauen und die
Organe und Aufgaben der Meeresbodenbehörde den veränderten Umständen
anzupassen und Prinzipien für spätere Verhandlungen über die umstrittenen
Sachprobleme festzulegen. Eine von F propagierte Alternative sah vor, den Teil
XI des SRÜ einzufrieren, die VK mit der Wahrnehmung der Aufgaben der
Interimsperiode, der Aushandlung eines endgültigen Tiefseebergbauregimes
und, falls eine Einigung darüber nicht zustande kommen sollte, mit der Rege
lung der Exploration und Gewinnung durch Abschluß von Einzelverträgen zu
betrauen. Sie hätte eine stille Beerdigung des Teils XI bedeutet. Aus unter
schiedlichen Gründen wurden diese Vorstellungen von den meisten IL und EL
abgelehnt. Zunächst fiel die Entscheidung zugunsten der Beibehaltung des
bisherigen Ansatzes.
6. Im Juni und August 1992 fanden die ersten Dialogtreffen unter Vorsitz des
neuen VN-Generalsekretärs Boutros Ghali und USG Dr. Fleischhauer statt.
Dabei gab es einen Durchgang durch alle Sachthemen auf der Basis einer
Informationsnote des VN-Seerechtsbüros, die auf den bisher erreichten Ergeb
nissen aufbaute. Diese Treffen waren offen für alle interessierten VN-Mitglied-
staaten. Es hatten sich 75 angemeldet. Die meisten IL hatten befürchtet, daß die
neu hinzugekommenen EL die bisherigen Ergebnisse in Frage stellen würden.
Dies geschah aber nicht. Sie beteiligten sich kaum an der Diskussion.
Der neue VN-Generalsekretär wies in seiner einleitenden Erklärung darauf hin,
daß keiner der wichtigen Industriestaaten das SRÜ ratifiziert habe, obwohl sie
die größten Nutzer und Verschmutzer der See seien und die wichtigsten
Parteien bei Streitigkeiten. Es sei klar, daß das SRÜ schwer beschädigt werde
wenn es ohne Beteiligung der Industrieländer in Kraft trete. Er hoffe deshalb,
daß die Probleme des Tiefseebergbauteils gelöst werden könnten. Wenn das
nicht gelinge, werde das gesamte SRÜ gefährdet. Er unterstrich allerdings, daß
die informellen Konsultationen keine Verhandlungen darstellten. Für eine