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Jahre-Hori20111;, der zweite liegt etwa bei etwa 17.000 J.v.h., der
dritte bei etwa 37.000 J.v.h., der vierte bei etwa 45.000 J.v.h.,
der fünfte bei etwa 93.000 J.v.h, der sechste ist nicht sicher
einzuordnen.
Die unmittelbare seitliche Nähe der Eisdrift-Ereignisse läßt auf
einen klimatischen Hintergrund bei der Auslösung von Suspen-
sionsströmen im nordostatlantischen Maury-Turbidit-System
schließen. Die Akkumulation von Eis auf den Kontinenten, die auch
zu einer vergrößerten Produktion von Eisbergen führte, bewirkte
eine Absenkung des Meeresspiegels um mehrere Zehnermeter. Der
sinkende Meeresspiegel verlagerte dabei Sehelfsedimente über die
Schelfkante hinweg auf den oberen Kontinentalhang. Durch
Übersteilung der Böschungswinkel wurden diese Hänge vermutlich
instabil und gerieten ins Gleiten, was letztendlich der Auslöser
für einen Suspensionsstrom war. Da am südöstlichen Ineeisockel
von Island, der das llrsprungsgebiet der Turbidite im Maury-System
ist, permanent vom Eis auf der Insel erodiertes Sediment
abgelagert wird (beim Flug von Europa nach Reykjavik überquert
man die riesige Schlammfahne des Vatnajökull-Gletschers, der die
Hauptmenge des Sediments liefern dürfte), sollte ausreichend
Material für die mächtigen Suspensionsströme zur Verfügung
stehen. Während der Kaltzeiten dürfte dieser Prozeß eher noch
stärker als heute gewesen sein, da die eisbedeckten Flächen
größer waren.
Der relativ große zeitliche Abßtand des zweiten Turbidits von den
Eisdriftlagen läßt sich mit dem Zeitpunkt der maximalen Meeres-
spiegeLabsenkung erklären, die um 18.000 J.v.h. lag. Somit steht
dieses Suspensionsstromereignis ebenfalls in einem engen
Zusammenhang mit einer Meeresspiegelabsenkung.
Das Fehlen von Turbiditen zwischen 50.000 und 90.000 J.v.h.
könnte in einer zu geringen Anhäufung von Sedimenten am Insel
sockel begründet sein, so daß eventuell doch abgegangene Suspen-
sionsströme zu klein waren, um das NOAMP-Gebiet zu erreichen. Der
an der Basis des Kerns durchteufte Turbidit war nicht zu
datieren, da die pelagische Abfolge in seinem Hangenden nicht
eindeutig einzuetufen war.
3.5.3.4 Mineralneubildungen (Diagenese)
Die bodenmechanischen Untersuchungen (Wassergehalt, Porosität,
etc.) ergaben in den obersten vier Eisdrifthorizonten anomale
Werte, wie sie normalerweise nur in kompaktierten oder vorbelas
teten Sedimenten Vorkommen. Beides, Kompaktion und Vorbelastung,
ist aber für diese Horizonte auszuschließen.
Die röntgenographische Ermittlung des Mineralbestandes ergab dann
hohe Dolomit-Gehalte (CaMg(CQ3)2). Bei einer Dünnschliffun-
tersuchung zeigte sich, daß der Dolomit in feinkörniger Form den
Porenraum verfüllt hat. Es handelt sich somit um eine diagene-
tische Mineralneubildung, die nach oder während der Ablagerung
der Eisdriftsedimente im Verla' ?. der Hauptphase der Weichseleis-
zeit stattgefunden hat.