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Kontakt zum unterlagernden Sediment kann erosiv sein; jedoch ist
die Erosionsleistung meistens auf Zehnerzentimeter beschränkt.
Die Erosion erfolgt im Gegensatz zum Hauptkanal flächenhaft.
8.4.4.1 Zur Internstruktur und Dynamik der Suspensionsströme
Aus der regionalen Verteilung der Turbiditsedimente und den durch
die Sedimentechographie aufgedeckten Lagerungsverhältnissen
können vorsichtige Schlüsse Uber die Internstruktur und Dynamik
von Suspensionsströmen im bergigen NOAMP-Gebiet gezogen werden.
Die Suspensionsströme des Maury-Channel-Systems erreichen das
West-Ost-Tal bei 21°10' W von Norden her. Sie überqueren das Tal
in seiner Breite und laufen auf einen WNW-ESE-streichenden, etwa
45° steilen Hang auf. Dieser Hang, bei dem es sich vermutlich um
eine Verwerfungsfläche der südlichen Bruchzonenbegrenzung
handelt, verhindert das südwärtige Vordringen der Ströme.
(Bestätigt wird dies durch das um etwa 300 m abfallende Niveau
der sich nach Süden fortsetzenden, rückenparallelen Rinnen. Hier
fehlen vermutlich Turbidite.) An der schrägen Bruchfläche werden
dann die Suspensionsströme nach Osten in die Bruchzone hinein
umgelenkt.
Der Weg nach Osten wird in mäanderartigen Bögen fortgesetzt. Beim
Passieren der N-£-streichenden Täler zweigen Teile eines Suspen-
sionestromes ab. Wird ein derartiges Tal durch einen flachen
Sattel gegen den Hauptkanal abgegrenzt, wie es z.B. zwischen
Dreizack und Mount Molly der Fall ist, fließen vermutlich nur
Massen au6 dem oberen Bereich eines Stromes über den Sattel. In
diesem abgezweigten Teil befindet sich nur sehr feinkörniges
Sediment (Kern P08-28). Fehlt der begrenzende Sattel, wie z.B. im
nach Norden abzweigenden Seitental gegenüber dem Dreizack, dann
können tiefere Teile des Suspensionsstrom, die eine größere
Erosionsleistung haben, weit in die Täler eindringen (Abb. 8a,
8b). Aufgrund fehlender Kerne sind Aussagen über die Korngrößen
verteilung dieser Turbiditkörper unmöglich. Vermutlich ist das
Sediment aber in der Nähe des Hauptkanals recht grob. Mit
zunehmender Entfernung kommt es wohl zu einer Kornverfeinerung.
Die Suspensionsströme, die das NOAMP-Gebiet durchlaufen, trans
portieren an ihrer Basis die gröbsten Partikel und in ihrem
Oberteil die feinsten. Sandkorngrößen sind innerhalb des Stroms
vermutlich nur in den untersten 50-70 m zu finden (Sattelhöhe
zwischen Mount Molly und Dreizack wird von Sand nicht überschrit
ten) .
Die erstaunlich lange Lebensdauer der Maury-Suspensionsströme in
dem bergigen Belief, das sie von 55°N bis 47°N durchqueren,
dürfte zwei Ursachen haben: zum einen verhindert der weitgehend
kanalisierte Verlauf in den Tälern ein flächenhaftes Auseinander
laufen des Stromes und den damit verbundenen Energieverlust, und
zum anderen erhält oder vergrößert vermutlich die Dichteerhöhung
durch ständige Aufnahme von Sediment an der Basis den Impuls,
auch bei sehr geringem Reliefgefälle.