accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Geologisch-geomorphologische Untersuchungen in der Westeuropäischen Tiefsee

-29 - 
Kleinskalige Internstrukturen von Rutschkörpern und Turbiditen 
sind nur mit Hilfe unmittelbarer Beprobung durch ein Kernlot 
festzustellen. Da bei der Probenahme aus den oben beschriebenen 
Gründen speziell im Fall der Hangrutsche eine geophysikalische 
Vorerkundung nicht möglich ist, mußte man sich auf das Glück 
verlassen. In mindestens einem der Kerne war das dann auch der 
Fall. Die Beprobung wurde mit dem Göttinger Kolbenlot, haupt 
sächlich mit 6 m und 12 m Rohrlänge, durchgeführt. Bedingt durch 
seine einfache Konstruktion bestach das Gerät in seiner einfachen 
Handhabung, seiner Zuverlässigkeit und seinem hohen Kerngewinn. 
Für die Kernentnahme aus den Turbiditserien wurde in Göttingen 
ein Gerät für den Einsatz mit einem 24 m - Rohr umgerüstet. Das 4 
t schwere Kolbenlot arbeitete ebenso problemlos wie das 1,5 t 
schwere Standardlot. 
8.4.3 Hangrutsche 
Am nördlichen Hangfuß des Dreizacks wurde mit dem Kern Me69-15 
ein 6 m mächtiges, gerutschtes Sedimentpaket durchteuft. Ver- 
faltungen, schlierige Gefüge und durcheinander lagernde Stücke 
von unterschiedlichen Sedimenttypen weisen diesen Sedimentkörper 
als Hangrutsch aus. 
Eine weitere Rutschung fand sich am Rand des Suspensionsstrom- 
Mäanders in der Ebene östlich des Dreizacks. Vermutlich entstand 
dieser Körper durch den Einsturz oder das Zusammensacken der 
überstellten Böschung einer untermeerischen Erosionsrinne. Das 
Sediment ist hier ebenfalls stark verfaltet und der Schichtver 
band ist in Schlammgerölle zerlegt. 
Ober die flächenhafte Häufigkeit von Hangrutschen kann keine 
Aussage getroffen werden. Sie sind vermutlich an allen Berghängert 
die Regel, obwohl am Dreizack nur einer mit einem Kern erfaßt 
wurde. Es ist aber zu bedenken, daß ein Hangrutsch zwei un 
terschiedliche Erscheinungsformen hat. Zum einen tritt er in 
positiver Form als verlagertes Sedimentpaket auf. Zum anderen 
hinterläßt er an seinem Ursprung als negative Form in der unge 
störten Schichtenabfolge eine Lücke, da Ablagerungen, die einen 
bestimmten Ablagerungszeitraum umfassen, entfernt worden sind. 
Die Schichtlücken sollten eher im oberen Bereich eines Berges zu 
finden sein, die Rutschkörper dagegen bevorzugt im unteren Hang 
bereich. Dies entspricht der Beobachtung von fehlenden Zeitab 
schnitten in einigen Kernen aus den höheren Lagen des Dreizacks 
und dem Vorkommen einer abgeglittenen Sedimentmasse am Fuß des 
Berges. 
Unter der Voraussetzung, daß die Schichtlücken durch Rutschungen 
entstanden sind, lassen sich die Zeitpunkte der Rutschereignisse 
auf die Zeit vor 130 000 Jahre vor heute zurück datieren. Im 
NEA-Versenkungsgebiet fand sich aber ein auf eine Hangrutsch 
zurückzuführender lokaler Turbidit mit einem Alter von ca. 300 
Jahren.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.