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Kleinskalige Internstrukturen von Rutschkörpern und Turbiditen
sind nur mit Hilfe unmittelbarer Beprobung durch ein Kernlot
festzustellen. Da bei der Probenahme aus den oben beschriebenen
Gründen speziell im Fall der Hangrutsche eine geophysikalische
Vorerkundung nicht möglich ist, mußte man sich auf das Glück
verlassen. In mindestens einem der Kerne war das dann auch der
Fall. Die Beprobung wurde mit dem Göttinger Kolbenlot, haupt
sächlich mit 6 m und 12 m Rohrlänge, durchgeführt. Bedingt durch
seine einfache Konstruktion bestach das Gerät in seiner einfachen
Handhabung, seiner Zuverlässigkeit und seinem hohen Kerngewinn.
Für die Kernentnahme aus den Turbiditserien wurde in Göttingen
ein Gerät für den Einsatz mit einem 24 m - Rohr umgerüstet. Das 4
t schwere Kolbenlot arbeitete ebenso problemlos wie das 1,5 t
schwere Standardlot.
8.4.3 Hangrutsche
Am nördlichen Hangfuß des Dreizacks wurde mit dem Kern Me69-15
ein 6 m mächtiges, gerutschtes Sedimentpaket durchteuft. Ver-
faltungen, schlierige Gefüge und durcheinander lagernde Stücke
von unterschiedlichen Sedimenttypen weisen diesen Sedimentkörper
als Hangrutsch aus.
Eine weitere Rutschung fand sich am Rand des Suspensionsstrom-
Mäanders in der Ebene östlich des Dreizacks. Vermutlich entstand
dieser Körper durch den Einsturz oder das Zusammensacken der
überstellten Böschung einer untermeerischen Erosionsrinne. Das
Sediment ist hier ebenfalls stark verfaltet und der Schichtver
band ist in Schlammgerölle zerlegt.
Ober die flächenhafte Häufigkeit von Hangrutschen kann keine
Aussage getroffen werden. Sie sind vermutlich an allen Berghängert
die Regel, obwohl am Dreizack nur einer mit einem Kern erfaßt
wurde. Es ist aber zu bedenken, daß ein Hangrutsch zwei un
terschiedliche Erscheinungsformen hat. Zum einen tritt er in
positiver Form als verlagertes Sedimentpaket auf. Zum anderen
hinterläßt er an seinem Ursprung als negative Form in der unge
störten Schichtenabfolge eine Lücke, da Ablagerungen, die einen
bestimmten Ablagerungszeitraum umfassen, entfernt worden sind.
Die Schichtlücken sollten eher im oberen Bereich eines Berges zu
finden sein, die Rutschkörper dagegen bevorzugt im unteren Hang
bereich. Dies entspricht der Beobachtung von fehlenden Zeitab
schnitten in einigen Kernen aus den höheren Lagen des Dreizacks
und dem Vorkommen einer abgeglittenen Sedimentmasse am Fuß des
Berges.
Unter der Voraussetzung, daß die Schichtlücken durch Rutschungen
entstanden sind, lassen sich die Zeitpunkte der Rutschereignisse
auf die Zeit vor 130 000 Jahre vor heute zurück datieren. Im
NEA-Versenkungsgebiet fand sich aber ein auf eine Hangrutsch
zurückzuführender lokaler Turbidit mit einem Alter von ca. 300
Jahren.