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Full text: Geologisch-geomorphologische Untersuchungen in der Westeuropäischen Tiefsee

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8.4 Gravitative Maesenverlagerungen 
8.4.1 Allgemeine Einführung 
Über dae zeitliche Verhalten von Hangrutschen und Suspensions- 
Strömen ist noch relativ wenig bekannt. Voraussagen über die 
Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens sind bisher nahezu unmöglich, 
da zu wenig über' die au3lösenden Faktoren bekannt ist. Auslöser 
für submarine Hangrutsche können z.B. eine hohe Sedimentauflage 
mit einem labilen Böschungswinkel oder Erdbeben sein. Bei 
Hangrutschen wird allgemein damit gerechnet, daß sie episodisch 
auftreten. Dies würde dann auch für lokale Suspensionsstrom- 
Ereignisse in der Tiefsee gelten, die sich in Folge eines ine 
Gleiten geratenen Hangrutsches bilden können. Megaturbidite haben 
ihren Ursprung ausschließlich an den oberen Kontinentalhängen. 
Nur hier stehen Sedimentmassen von mehreren Zehner km3 Sediment 
als Resourcen zur Verfügung. Als Auslöser derartiger Ereignisse 
vermutet man vor allen Dingen Meeresspiegelschwankungen in 
Größenordnungen von mehreren Zehnermetern; in bestimmten Regionen 
auch Erdbeben. 
8.4.2 Probennahme 
Turbiditische Sedimente und verrutschte Sedimentpakete lassen 
sich mit Hilfe einer sedimentechographischen Kartierung und durch 
Erprobungen mit einem Kernlot. untersuchen. Im Projekt wurden 
beide Techniken mit Erfolg angewendet. 
Die flächenhafte sedimentechographische Kartierung wurde mit dem 
3,5 kHz Subtottom Profiler (SBP) von FS Sonne durchgeführt. Die 
Qualität der Aufzeichnungen aus den Tiefsee-Ebenen war einiger 
maßen gut, solange ein ebener Meeresboden vorlag. Bei welligem 
Boden mit Wellenlängen von etlichen Zehner- bis Hundertermeter 
und Wellenhöhen von mehreren Metern bis Zehnermetern bestanden 
die Aufzeichnungen nur aus Interferenzfiguren. Die gleichen 
Phänomene treten bei der Annäherung an Berge auf. Die Ursache ist 
der wenig gebündelte Schallkegel mit einem Öffnungswinkel von 
50°, der bei einer Frequenz von 3,5 kHz vorliegt. Aus diesem 
Grund war die Interpretation einiger wichtiger akustischer Sedi 
mentstrukturen zweifelhaft. Ein glücklicher Zufall ermöglichte 
die Teilnahme an der wissenschaftlich-technischen Erprobungsfahrt 
des neuen FS Meteor ins MOAMP-Gebiet. Das Schiff ist mit dem 
neuentwickelten parametrischen Sedimentecholot "PARAS0UND" 
ausgestattet. Neben einer dem 3.5 kHz-SBP vergleichbaren Ein 
dringtiefe ermöglicht die höhere Ausgangsfrequens von ca. 20 kHz 
eine deutlich bessere Auflösung von Sedimentstrukturen. Durch die 
damit verbundene engere Schallbündelung sind Interferenzerschei 
nungen reduziert. Problematische Sedimentstrukturen in der 
Tiefsee-Ebene ließen sich mit Hilfe dieses Gerätes einwandfrei 
interpretieren. In bergigen Arealen erschöpfen sich jedoch auch 
die Qualitäten des "PARASOUND”aufgrund der Reflexion des Schall- 
bündels an einer schiefen Ebene. Hangrutschstrukturen waren 
deshalb auch mit dieser modernen Technik nicht zu erfassen.
	        
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