accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Geologisch-geomorphologische Untersuchungen in der Westeuropäischen Tiefsee

-27 - 
biet. Vermutlich tauchten Eisberge während der Kleinen Eiszeit 
(etwa 1400 bis 1850 n. Chr.) hier auf. Unterstützt wird diese 
These durch einen erhöhten Anteil von Quarzsand (von etwa 1 % 
wenige cm unterhalb der Sedimentoberfläche auf ca. 10% im 
obersten cm) und arktischen benthischen Foraminiferen aus dem 
Ostgrönlandstrom (Neoffloboquadrina pachydex'ma (s).)im Oberflä 
chensediment. Bei einer durchschnittlichen Sedimentakkumu 
lationsrate von 2 cro/1000 Jahre ist die der Kleinen Eiszeit 
folgenden Erwärmung im atmosphärischen Klima (ab etwa 1850 n. 
Chr.) nicht nachzuweisen. Das heißt, auf Grund der niedrigen 
Akkumulationsrate und der Bioturbation sind kurze Zeit andauernde 
Omweltzustände kaum nachweisbar, wenn nicht eine deutliche 
Materialänderung damit verbunden war. 
Der vom Gipfel des Dreizacks zur Tiefsee-Ebene hin abnehmende 
Kalkgehalt des Oberflächensedimentes weist auf einen wichtigen 
Prozess in den bodennahen Wasserschichten hin. Mikropaläontolo- 
gische Untersuchungen zeigten, daß die Abnahme des Kalkgehaltes 
weniger auf Kalklösung zurückzuführen ist. Die Kalk lösungsgrenze 
Abb.liegt gegenwärtig vermutlich geringfügig tiefer als 5000 m 
Wassertiefe. Die Unterschiede im Kalkgehalt sind vielmehr auf 
eine Kalkanreicherung durch Entfernung von silikatischem Ton auf 
dem Berg und eine Tonanreicherung in der Tiefsee-Ebene durch 
Tonzufuhr zurückzuführen. Dies wird auch durch die Unterschiede 
in den Korngrössenspektren bestätigt. Auf dem Dreizack beträgt 
der Korngrößenanteil > 63 um etwa 50 %, in der Tiefsee-Ebene im 
Mittel 15 %. 
Diese Differenzierungen in der Sedimentzusammensetzung sind dem 
nach auf Umverteilungsvorgänge am Meeresboden zurückzuführen, da 
die Materialzufuhr von der Meeresoberfläche als statistisch 
gleichmäßig anzusetzen ist. An dieser Umverteilung von feinkörni 
gem Sediment sind vermutlich zwei wichtige Prozesse beteiligt: 
benthonische Organismen bringen Sedimentpartikel in Resuspension 
und hangabwärtsgerichtete Bodenwasserströmungen transportieren 
die Schwebfrächt in die Täler. Durch Strömungsmessungen und 
Modellrechnung wurde im ozeanographischen NOAMP-Projekt nach 
gewiesen, daß der Dreizack von einer im Uhrzeigersinn rotierenden 
Taylor-Säule eingehüllt ist. Die Driftwege von in 4000 m Wasser 
tiefe freigesetzten Bojen zeigten, daß der westliche Nachbarberg 
des Dreizacks (Mount Molly; siehe Karte) ebenfalls eine Taylor- 
Säule besitzt (H. Klein, mündl. Mitteilung). In den bodennahen 
Reibungsschichten (Ekroan-Schicht) dieser Taylor-Säulen findet ein 
hangabwärts gerichteter Wassertransport statt, der in der Lage 
ist, aufgewirbeltes feinkörniges Sediment von Bergen in die 
Tiefsee- Ebenen zu befördern. 
Strömungsmessungen und Sedimentproben aus anderen Teilen des 
NOAMP-Gebietes und der NEA-Versenkungsgebiete deuten darauf hin, 
daß Taylor-Säulen und die damit verbundene Umlagerung von 
feinstkörnigem Sediment spezifische und bedeutende Prozesse in 
der hügeligen Tiefsee sind.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.