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biet. Vermutlich tauchten Eisberge während der Kleinen Eiszeit
(etwa 1400 bis 1850 n. Chr.) hier auf. Unterstützt wird diese
These durch einen erhöhten Anteil von Quarzsand (von etwa 1 %
wenige cm unterhalb der Sedimentoberfläche auf ca. 10% im
obersten cm) und arktischen benthischen Foraminiferen aus dem
Ostgrönlandstrom (Neoffloboquadrina pachydex'ma (s).)im Oberflä
chensediment. Bei einer durchschnittlichen Sedimentakkumu
lationsrate von 2 cro/1000 Jahre ist die der Kleinen Eiszeit
folgenden Erwärmung im atmosphärischen Klima (ab etwa 1850 n.
Chr.) nicht nachzuweisen. Das heißt, auf Grund der niedrigen
Akkumulationsrate und der Bioturbation sind kurze Zeit andauernde
Omweltzustände kaum nachweisbar, wenn nicht eine deutliche
Materialänderung damit verbunden war.
Der vom Gipfel des Dreizacks zur Tiefsee-Ebene hin abnehmende
Kalkgehalt des Oberflächensedimentes weist auf einen wichtigen
Prozess in den bodennahen Wasserschichten hin. Mikropaläontolo-
gische Untersuchungen zeigten, daß die Abnahme des Kalkgehaltes
weniger auf Kalklösung zurückzuführen ist. Die Kalk lösungsgrenze
Abb.liegt gegenwärtig vermutlich geringfügig tiefer als 5000 m
Wassertiefe. Die Unterschiede im Kalkgehalt sind vielmehr auf
eine Kalkanreicherung durch Entfernung von silikatischem Ton auf
dem Berg und eine Tonanreicherung in der Tiefsee-Ebene durch
Tonzufuhr zurückzuführen. Dies wird auch durch die Unterschiede
in den Korngrössenspektren bestätigt. Auf dem Dreizack beträgt
der Korngrößenanteil > 63 um etwa 50 %, in der Tiefsee-Ebene im
Mittel 15 %.
Diese Differenzierungen in der Sedimentzusammensetzung sind dem
nach auf Umverteilungsvorgänge am Meeresboden zurückzuführen, da
die Materialzufuhr von der Meeresoberfläche als statistisch
gleichmäßig anzusetzen ist. An dieser Umverteilung von feinkörni
gem Sediment sind vermutlich zwei wichtige Prozesse beteiligt:
benthonische Organismen bringen Sedimentpartikel in Resuspension
und hangabwärtsgerichtete Bodenwasserströmungen transportieren
die Schwebfrächt in die Täler. Durch Strömungsmessungen und
Modellrechnung wurde im ozeanographischen NOAMP-Projekt nach
gewiesen, daß der Dreizack von einer im Uhrzeigersinn rotierenden
Taylor-Säule eingehüllt ist. Die Driftwege von in 4000 m Wasser
tiefe freigesetzten Bojen zeigten, daß der westliche Nachbarberg
des Dreizacks (Mount Molly; siehe Karte) ebenfalls eine Taylor-
Säule besitzt (H. Klein, mündl. Mitteilung). In den bodennahen
Reibungsschichten (Ekroan-Schicht) dieser Taylor-Säulen findet ein
hangabwärts gerichteter Wassertransport statt, der in der Lage
ist, aufgewirbeltes feinkörniges Sediment von Bergen in die
Tiefsee- Ebenen zu befördern.
Strömungsmessungen und Sedimentproben aus anderen Teilen des
NOAMP-Gebietes und der NEA-Versenkungsgebiete deuten darauf hin,
daß Taylor-Säulen und die damit verbundene Umlagerung von
feinstkörnigem Sediment spezifische und bedeutende Prozesse in
der hügeligen Tiefsee sind.