8.2.2 Kartiertechnik
Informationsquellen zur Genese des Tiefsee-Eeliefs sind die
geophysikalischen Meßmethoden der tiefereindringenden AirGun-
Seismik, die Gravimetrie und die Magnetik. Die Kartierung mit
diesen drei Methoden wurde parallel zur bathymetrischen Aufnahme
des westlichen Zentralgebietes mit FS Polarstern durchgeführt.
Grundlage der flächenhaften Ergebnisdarstellung ist also das
selbe Profilnetz wie das der Bathymetrie. Die AufZeichnungen der
AirGun-Seismik waren aufgrund der extrem schlechten Wetterver
hältnisse im Mai 1983 durchgehend miserabel. Während der
nachfolgenden Forschungsfahrt mit FS Sonne wurde diese Vermessung
auf 5 E-W -Profilen wiederholt. Magnetik und Gravimetrie litten
mittelbar ebenfalls unter der sehr rauhen See während der ersten
Meßfahrt. Die Lotwerte waren durch im Wasser befindliche
Luftbläschen (hoher Seegang) stark verfälscht, sodaß die
Bouguer-Schwereverteilungen in Teilen des Gebietes nicht
vertrauenswürdig sind. (Um den Einfluß der Wassertiefe bei der
Ermittlung des Gesteinseinflusses auf daß Schwerefeld (Bouguer-
Schwere) zu eliminieren, müssen die Daten der Schweremessung mit
Tiefenangaben aus dem NBS-Lot verknüpft werden.)
8.2.3 Reliefgenese
Die erhöhten Werte der einfache Bouguer-Schwere im Bereich der
Tiefseeberge bestätigen die basaltischen Kerne der Rücken. Die
reduzierten Schwere-Werte über den Senken und Tälern weisen
hingegen auf mächtigere Sedimentfüllungen hin. Die magnetische
Kartierung des Zentralgebietes westlich des Dreizacks ergab, daß
der Meeresboden von der Magnetanomalie 21 in Westen und der
Anomalie 24 im Osten begrenzt wird (Abb. 3). Dies entspricht
einem Alter der Basaltkruste von 55 Millionen Jahre (Ma) am
Dreizack und 49 Ma am Westrand (unteres Unter-Eozän bis unteres
Mittel-Eozän). Der Ostrand des NOAMP- Zentralgebietes bei 18°40'N
dürfte demnach ein extrapoliertes Alter von etwa 60 Ma (unteres
Ober-Paläozän) haben.
Das breite, W-E -verlaufende Tiefsee-Tal zwischen 47°20'N und
47°30'N wird in der Literatur einer ozeanischen Bruchzone
zugeordnet. Anhand der S-förmigen Umbiegung der Magnetanomalien
ist zu erkennen, daß der südliche Band der Bruchzone im Vergleich
zum nördlichen um 15 bis 17 km lateral nach Osten verschoben ist.
Möglicherweise handelt es sich bei dieser Struktur um die
östliche Verlängerung der nicht mehr aktiven Maxwell Bruchzone.
In den Aufzeichnungen der tief in den Meeresboden eindringenden
AirGun-Seismik fanden sich auch keine Hinweise auf eine rezente
tektonische Aktivität.
Die Sedimentbedeckung der Basaltkruste ist im NOAMP-Gebiet sehr
unregelmäßig. Während sie auf den Rücken und Tiefsee-Bergen
geringmächtig zu sein scheint (<50 ro), besitzen die Senken und
Täler eine mehr als 100 m mächtige Füllung. Der Unterschied in
der Mächtigkeit wird durch gravitative Hangab-Urolagerungen wie
Resuspension und Hangrutsche und laterale Sedimentanlieferung
durch Suspensionsströme (Turbidite) verursacht (Abb.4). Der
Anteil der Turbidite an der Gesamtsedimentmenge scheint sehr