Ueber das nautische Längenproblem.
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In Ermangelung eines zweiten Chronometers, von dem nichts erwähnt
ist, wird diese Läugeubestimmuug unter den gegebenen Umständen auch jetzt
noch als ein sehr befriedigendes Resultat anzusehen sein, wie es freilich nur
von geübten Beobachtern zu erlangen ist. Bei dem einzelnen, vielleicht zweifel
haften Chronometer konnte diese Kontrolle durch Monddistanzen nur sehr will
kommen sein.
Um noch eine unabhängige Vergleichung zu haben, sind für die wahren
Greenwich-Zeiten nach dem Chronometer (wovon das Mittel 7 h 19 m 53* um 47’
gröfser ist als 7 h 19“ 6 S nach den Monddistanzen), aus dem „Naut. Alm.“ zu
den wahren Distanzen die scheinbaren rückwärts berechnet, nebst den schein
baren Distanzen der Ränder. Der Sonnenhalbmesser war 15' 46" und der
Mondhalbmesser 15' 0" + 2" Vergröfserung.
Chron.
Wahre Distanz
Dist. Korr.
Seheinb. Dist.
Verkürzung des
Summe der
Seheinb. Dist.
W. G. Z.
aus d. N. Alm.
fürRefr. u.Par.
d. Mittelp.
© Halbm. d. Refr.
schb. Halbm.
d. Ränder
I. .
. 7h 11“ 1*
61° 45'40"
— 23'34"
61° 22' 6"
9"
30'39"
60° 51' 25"
II . .
. 7 13 3
61 46 37
24 21
61 22 16
10
30 38
60 51 38
III . .
. 7 14 36
61 47 21
24 48
61 22 33
11
30 37
60 51 56
IV . .
. 7 18 41
61 49 15
26 18
61 22 57
14
30 34
60 52 23
V . .
. 7 22 23
61 50 58
27 49
61 23 9 (Max.) 16
30 32
60 52 37 (Max.)
VI . .
. 7 28 49
61 53 59
31 1
61 22 58
24
30 24
60 52 34
VII . .
. 7 30 41
61 54 51
32 8
61 22 43
28
30 20
60 52 23
Mittel
= 7h 19“ 53*
Mittel
= 61° 22'40"
Beob. 61 22 20
Diff. 20"
Es zeigte sich hier auch, dafs die scheinbaren Distanzen der Mittelpunkte
stationärer waren, als die wandelbaren Distanzen der Ränder es sein konnten
wegen des durch Refraktion schnell veränderlichen Sonnenhalbmessers.
Die vorher erwähnte Längenbestimmung aus Monddistanzen, für den Fall,
dafs die wahren Distanzen nicht in den nautisch-astronomischen Ephemeriden
vorausberechnet stehen, wie es sich schon jetzt bei einigen, günstig zum Monde
liegenden hellen Sternen treffen kann, läuft nur darauf hinaus, dafs man zuerst
die wahre Distanz aus der beobachteten in gewöhnlicher Weise berechnet,
sodann in dem Dreieck zwischen dem Pol und den beiden Gestirnen, mit den
drei bekannten Seiten, also den beiden Polardistanzen und der wahren Distanz,
den Winkel am Pol findet. Dieser Winkel, als Rektascensions-Unterschied
zwischen dem Monde und dem andern Gestirn, zu der Rektascension des letzteren
addirt oder davon subtrahirt, giebt demnach die Rektascension des Mondes
selbst, welche in den nautischen Jahrbüchern vorausberechnet steht, also zur
Vergleichung mit der eben gefundenen dienen kann, um daraus durch eine
einfache Proportion die Zeit in Greenwich und somit die Länge zu erhalten.
Da die Rektascension des Mondes sich gleichförmiger ändert als in der Regel
die Distanzen, so bedarf es bei dem Einschalteu auch keiner zweiten Differenzen,
besonders wenn die Angabe von Stunde zu Stunde vorliegt, wie jetzt überall
in den gröfseren Ephemeriden, die jährlich zu London, Paris, Washington und
Cadix erscheinen.
Um von dieser Art der Längenbestimmung durch die Rektascension
des Mondes eine Anwendung auf ein beliebiges Beispiel zu geben, kann die
folgende gewöhnliche Mouddistanzen-Aufgabe dienen aus Breusing’s Steuer
mannskunst, Bremen 1864, S. 294.
Vormittags den 7. November 1855 wurde auf 42° 19' S-Br und 22° 20'
geschätzter O-Lg beobachtet: