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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 39 (1911)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1911. 
Weiter südlich an der Nordseite der Depression segelt »Viking« bei steifen öst- 
lichen Winden ebenfalls mit St-B.-Halsen, während die übrigen Schiffe im Süden 
bei den günstigen westlichen Winden vor dem Winde segeln. 
Am 4. November erscheint die Wetterlage wenig verändert. Das Hoch- 
druckgebiet ist weiter nach dem Süden vorgedrungen und hat an Ausdehnung 
noch mehr gewonnen. Die Bark »Albert Rickmers« ist inzwischen an die Nord- 
seite der Depression geraten und segelt jetzt bei östlichen Winden ebenfalls mit 
St-B.-Halsen. 
Am 5. November erreichen mit dem Vordringen des Hochdruckgebietes 
und dem Zurückweichen der Depression nach Süden auch die am südlichsten 
stehenden Schiffe die Nordseite des Tiefdruckgebietes, nachdem der Wind unter 
ungewöhnlich starken Gewittererscheinungen bei den östlicher stehenden Schiffen 
über SO nach NO gedreht war. Man kann sich die Heftigkeit der elektrischen 
Entladungen vorstellen, wenn man im meteorologischen Tagebuch des Seglers 
„Peiho« die folgende Bemerkung liest: »Der ganze Himmel erschien wie ein 
Flammenmeer, es fuhren manchmal 6 bis 8 Blitze gleichzeitig hernieder.« Bei 
den östlicher stehenden Schiffen »Peiho-, »Hans« und »Pirna« nimmt der Ost- 
wind an Stärke schnell zu, und vom Nachmittag des 5. bis zum folgenden Morgen 
des 6. wehte es hier mit orkanartiger Gewalt. Es wehte so stark, daß auf dem 
Segler »Hans« die Untermarssegel aus den Lieken flogen. Die weiter westlich 
stehenden Schiffe »Edmund« und »Albert Rickmers« geben die größte an diesem 
Tage erreichte Windstärke etwas geringer an. Die stärkste Gewalt des Sturmes 
scheint sich demnach nur auf ein kleineres Gebiet beschränkt zu haben, etwa 
dort, wo nach der Karte die Isobaren am meisten zusammengedrängt erscheinen, 
Nach dem bei der Deutschen Seewarte vorliegenden meteorologischen Material 
ergeben in dem Gebiet südlich der Azoren zwischen 30° und 35° N-Br. weniger 
als 5%, aller Beobachtungen stürmische Winde von Stärke 8 und darüber aus 
allen Richtungen, wobei westliche vorwiegen dürften. Orkanartige Stürme aus 
Osten sind deshalb als eine große Seltenheit zu bezeichnen, Siehe auch Rück- 
seite der Monatskarten für den Nordatlantischen Ozean für November. 
Am 7. November hat der hohe Druck im Norden bedeutend abgenommen 
und die weiter nördlich stehenden Schiffe »Blankenese«, »Viking« und »Nesaia« 
können im Norden des Hochdruckgebietes bei mäßigen westlichen Winden ihren 
Kurs nach dem Kanal aufnehmen. Die Depression hat sich ebenfalls etwas ver- 
Macht, doch herrschen an der Nordseite noch immer steife östliche Winde, welche 
auch noch am 8, November mit der weiteren Ausdehnung des Tiefdruckgebietes 
anhalten und die mit St-B.-Halsen segelnden Schiffe nach Nordwesten drängen. 
Erst am 12, setzen auch hier günstige Winde ein, welche mit geringen Unter- 
brechungen bis nach dem Kanal anhalten. 
Wir sehen aus Tafel 9, daß die beiden Schiffe »Blankenese« und »Nesaia« 
bis zum 3. November dicht beieinander segelten. Aber während »Blankenese« 
an diesem Tage und auch an den folgenden bei hohem Barometerstande und 
östlichen Winden mit St-B.-Halsen segelte, ging »Nesaia« am 3. über Stag und 
versuchte bis zum 5, mit B-B.-Halsen vorwärts zu kommen, Jedoch gerict »Nesaia« 
am 6. in völlige Windstille und ist hierdurch gegenüber dem Mitsegler »Blankenese« 
um einige Tage zurückgeblieben. Vielleicht hat hier die Absicht vorgelegen, auf 
diese Weise den Südostrand des Hochdruckgebietes zu erreichen und damit nörd- 
liche Winde zu erhalten. 
Es zeigt dieser Fall, daß man auf dem Wege nach dem Englischen Kanal 
bei hohem Barometerstande und östlichen Winden lieber mit St-B.-Halsen segeln 
soll, selbst wenn man schon 45° N-Br, erreicht hat, und auch selbst dann, wenn 
man noch weiter nach Westen abgedrängt werden sollte. Man muß nämlich 
damit rechnen, daß auch Hochdruckgebiete, wenn auch vielleicht nur langsam, 
nach Osten fortzuwandern pflegen. Auf südöstlichen Kursen würde man deshalb 
mit großer Wahrscheinlichkeit in die Mitte des Hochdruckgebietes und damit 
meistens in Windstille geraten, ohne die Ostseite des Maximums erreichen zu 
können. Es dürfte deshalb stets vorteilhafter sein, mit St-B.-Halsen die Westseite
	        
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