28 Annalen der Hrdrographie und Maritimen Meteorologie, August 1930,
angebracht waren, und das Aßmannsche Aspirations-Psychrometer abgelesen.
Die Differenz zwischen den Angaben von Parabolspiegel und Aßmann beirug etwa
4°. Die folgende Beobachtungsreihe (Abb. 2) am 16, Mai 1938 auf dem Dach zeigte
hingegen, allerdings schon bei merklichem Wind, bei dem Glas-Parabolspiegel
eine um 1% bis 2° tiefere Temperatur, offenbar die Folge davon, daß der Metall-
spiegel aus seinem Windschutz einige Zentimeter herausragte, Am 17, V, 1938 er-
gaben die Dachbeobachtungen, die von 2000% bis Mitternacht durchgeführt wurden,
beim Glasspiegel durchweg eine Temperatur, die um 11/, bis 2° niedriger war,
bei zeitweise merklichem Wind von etwa Windstärke 1. Die beiden Parabol-
spiegel zeigten hierbei gegenüber der Lufttemperatur eine um 3° niedrigere
Temperatur. Die Messungsreihe am 27, V. 1938 (Abb, 3) fand im windgeschützten
Garten statt und zeigte keine nennenswerten Unterschiede zwischen den beiden
Spiegeln. Bei allen bisherigen Beobachtungen, die allerdings bei sorgfältig aus-
zgesuchtem wolkenlosem Wetter angestellt wurden, zeigte es sich, daß auch die
effektive Strahlungstemperatur, soweit sie von den Parabolspiegeln angezeigt wird,
während der Beobachtungszeit infolge der Zufuhr kalter Luftmassen (siehe Wetter-
karten vom 27. V, und 28, V, 1938) ') dauernd sank. Die letzte Beobachtungsreihe
arstreckte sich von 1900h bis 2130, Am 30. V, 1938 bei einer erneuten Beobach-
lung im Garten, die von 2000% bis 2330h dauerte, zeigten sich zwischen den
beiden Spiegeln keine größeren Unterschiede als bis maximal etwa !/,°. Eine
weitere Beobachtung (Abb. 4) vom 9. VI und 10. VL 1938, die erstere von 2015h
bis 2220b, die letztere von 2000 bis 2330%, bestätigte, daß keine nennenswerten
Unterschiede zwischen dem Metall- und Glasspiegel vorhanden sind, Es scheint
nur aus den Beobachtungen hervorzugehen, daß die Einstellung beim Metall-
spiegel schneller erfolgt als beim Glasspiegel. Auch bei diesen letzten Beobach-
jungen zeigte sich ein dauerndes Sinken der effektiven Strahlungstemperatur
des Himmels. Ob dies darauf beruht, daß allmählich sich die effektive Strah-
lungstemperatur des Himmels im Laufe der Nacht vermindert, weil die Strah-
lungstemperatur der Erde sinkt, oder ob wir es in allen Fällen sehr klaren
Wetters mit nördlicher, d. h. kälterer Luftzufuhr zu tun haben, muß von Fall
zu Fall untersucht werden, Offen muß zunächst die Frage bleiben, ob über-
haupt im Brennpunkt des Parabolspiegels die effektive Strahlungstemperatur
des Firmamentes zum Ausdruck kommt. Es muß ja von dem Spiegel selbst
eine seiner Temperatur entsprechende Strahlung ausgehen, und im großen und
ganzen wird jedenfalls der Spiegel eher die Temperatur der umgebenden Luft
als die der senkrecht auf ihn auftreffenden Wärmewellen der Himmelsstrahlung
erhalten. Es kann also, wenn der Parabolspiegel sehr unvollkommen ist und statt
eines Thermoelementes ein umfangreicherer Meßkörper verwendet wird, geschehen,
daß neben der Wärmeleitung diese vom Parabolspiegel selbst ausgehende Strahlung
Bedeutung bekommt gegenüber der vom Firmament eintreffenden, im Parabol-
spiegel reflektierten und dort am Brennpunkt zu großer Energie verdichteten.
HA.
Alle Strahlungsmessungen beruhen auf der Messung des Strahlungsunter-
schiedes zweier Flächen gegeneinander, Die Ausstrahlung jeder Fläche wird
nach Stefan Boltzmann geliefert durch 0.T*, wo g die Strahlungskonstante ist,
Wir erhalten also als gemessene Strahlung Q.
Q=o0-Ti— a3,
Die bisherigen Strahlungsmessungen beruhen meistens auf dem Prinzip des
Angströmschen Kompensations-Pyrheliometers*?) und liefern uns die Strahlungs-
differenz Q, also den Strahlungsempfang bezogen auf die Ausstrahlung der Be-
obachtungsflächen, Die graphische Darstellung Abb, 5 zeigt die Beziehung von
T, Ta und Q. Die Temperaturen des Bodens bzw. die effektive Strahlungstempe-
ratur des Firmamentes sind als Koordinaten eingetragen und die Kurvenschar
gibt die Strahlungsdifferenz oder die etwa mit dem Angströmsehen Instrument
meßbare Strahlung wieder,
1) Tägl. Wetterbericht herausgegeb. von der Deutschen Seewarte, Hamburg. — % Hann-Süring:
Lehrbuch der Meteorologie, 5. Aufl. Kapitel Strahlung, & 6, &. 49.