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5 Diskussion und Zusammenfassung
In diesem Bericht wurde untersucht, wie sich relevante Einflussfaktoren für das Auftreten von ange-
spannten Entwässerungssituationen des NOK an den Ausgängen des Kanals, respektive Brunsbüttel
und in Kiel-Holtenau, in Zukunft ändern könnten. Die Einflussfaktoren die dabei betrachtet wurden,
sind die meteorologischen Bedingungen (Wetterlage, Sturmindex, effektiver Wind), sowie der Mee-
resspiegelanstieg.
Sturmfluten in Brunsbüttel sind hier als Ereignisse definiert, bei denen das Mittlere Tidehochwasser
(MThw) am Pegel Cuxhaven um mindestens 1,5 m überschritten wird. Daraus ergibt sich ein Ereignis-
katalog von insgesamt 282 Sturmfluten für den Zeitraum 1951-2022. Mithilfe dieses Ereigniskataloges
wurde untersucht, welche meteorologischen Bedingungen diese Sturmfluten begünstigen. Die Unter-
suchungen ergeben, dass hauptsächlich westliche Wetterlagen (Nordwest, Südwest) vorliegen und zu
84,4% mindestens „Sturm“ klassifiziert wurde. Zudem erweist sich der effektive geostrophische Wind
aus 295° als guter Indikator für Sturmfluten in der Deutschen Bucht, respektive Brunsbüttel (Schade et
al., 2023). Sturmfluten am Pegel Kiel-Holtenau sind aufgrund der geographischen Lage deutlich kom-
plexer, da die Vorfüllung der Ostsee sowie Effekte wie Seiches (Badewanneneffekt), etc. eine wichtige
Rolle spielen. Dies erschwert die Zuordnung relevanter Wetterlagen. Allerdings zeigte sich im Zuge
dieser Untersuchungen auch, dass in Kiel-Holtenau auch nur noch extrem selten (in den letzten 8 Jah-
ren nur 6-mal) entwässert wird, sodass die allgemeinen meteorologischen Bedingungen hier nur nach-
rangig eine Rolle bei der Entwässerung spielen (Quelle: direkter Kontakt WSA NOK).
Abschätzungen zu zukünftigen Entwicklungen im Klimawandel basierend auf einem Multimodell-En-
semble von CMIP6-Simulationen (siehe Tabelle 3-1) deuten darauf hin, dass Stürme („Gales“) in Zu-
sammenhang mit sturmflutträchtigen Wetterlagen (SW, C, NW) zum Ende des Jahrhunderts im Median
etwa so oft auftreten werden wie bisher. Allerdings werden die Wetterlagen NW und SW signifikant
häufiger (Anhang A1), ebenso effektive geostrophische Winde oberhalb des 95. Perzentils aus 295° (in
Richtung Cuxhaven/Deutsche Bucht; siehe Abschnitt 4.2) für die Szenarien SSP3-7.0 und SSP5-8.5. Da-
raus lässt sich schließen, dass sturmflutträchtige Situationen in der Deutschen Bucht für diese Szena-
rien in Zukunft häufiger auftreten. Im Median bedeutet dies einen Anstieg von 17 auf 19 Tage pro Jahr.
Ferner wird ersichtlich, dass nicht allein die Stärke der Anströmung, sondern auch deren Richtung aus-
schlaggebende Faktoren sind (Schade et al., 2025). Zudem hat die klimatologische Analyse der Gegen-
wart (Abschnitt 4) ergeben, dass Wasserstände entsprechend einer Sturmflut teilweise auch bei weni-
ger extremen effektiven Windgeschwindigkeiten auftreten können, z.B. nach anhaltenden westlichen
Wetterlagen. In jedem Fall bedeutet dieses Ergebnis, dass die untersuchten Klimamodellsimulationen
darauf hindeuten, dass die Entwässerung des NOK bei stark fortschreitendem Klimawandel schon al-
lein aufgrund der veränderten atmosphärischen Zirkulation zu einer größeren Herausforderung wer-
den wird.
Zusätzlich wurde ein Sturmflutmodell erarbeitet, um detailliertere Analysen nicht nur der Frequenz,
sondern auch der Magnitude des Sturmflutrisikos im sich ändernden Klima zu ermöglichen (Schaffer
et al., 2025, eingereicht). Das entwickelte statistische Modell basiert allein auf Winddaten aus gröber
aufgelösten Modellen aus denen ein Windstau errechnet wird. Es wurde gezeigt, dass das Modell mit
Reanalysedaten, besonders in Cuxhaven, eine gute Vorhersagegenauigkeit hat. In Kiel ist die Vorher-
sagegüte etwas geringer, da die geographische Lage dazu führt, dass die Küste hier nicht so direkt den
Winden ausgesetzt ist, wie in der Nordsee. Das für die Vergangenheit erarbeitete Modell wird im
nächsten Schritt auf Klimaprojektionen angewendet. Dies soll auch für einzelne Sturmfluten Abschät-