Ergebnisse 19
Abbildung 4-8 | Zeitreihen aller beobachteten und vorhergesagten Windstauereignisse von 1955 bis 2022 in Kiel
für den gesamten Zeitraum (a) und ein Zoom auf das Jahr 1960 zur besseren Sichtbarkeit bestimmter Ereignisse
in einem Bespieljahr (b). Das zu prognostizierende Jahr wurde aus dem Training ausgeschlossen.
Das Modell zeigt für Cuxhaven eine bessere Vorhersagegenauigkeit im Vergleich zu Kiel. Ein wesentli-
cher Grund hierfür könnte die geographische Lage von Cuxhaven in der Deutschen Bucht sein, die di-
rekt an die offene Nordsee grenzt. Diese Lage begünstigt gute Ergebnisse in der Modellierung, da die
Sturmfluten in der Nordsee hauptsächlich durch den Wind beeinflusst werden, was das Modell, das
ausschließlich Windwerte verwendet, besser abbilden kann (Schaffer et al., 2025, eingereicht). Im Ge-
gensatz dazu wird Kiel durch die Dänischen Inseln von der offenen See abgeschirmt, wodurch die Wind-
verhältnisse in der Kieler Bucht einen weniger direkten Einfluss auf die Sturmfluten haben als in
Cuxhaven. Diese abgeschwächte Windwirkung, kombiniert mit dem „Rückschwappeffekt“ (auch Bade-
wanneneffekt genannt), der erhöhte Wasserstände in der Region auslösen kann, erschwert die Mo-
dellierung. Da das Modell ausschließlich auf Winddaten basiert und andere geographische sowie hyd-
rodynamische Faktoren unberücksichtigt bleiben, führt dies zu einer geringeren Vorhersagegenauig-
keit für den Standort Kiel. Die Anwendung dieses statistischen Modells auf die Daten des CMIP6-En-
sembles ist aktuell – zumindest für den Pegel Cuxhaven – in Arbeit. Damit sind quantitative Abschät-
zungen nicht nur zur Frequenz, sondern auch zur Magnitude des Sturmflutrisikos in der Deutschen
Bucht greifbar. Die diesbezügliche Studie wurde zur Begutachtung für eine wissenschaftliche Fachzeit-
schrift eingereicht (Schaffer et al., 2025; eingereicht).