Ergebnisse 14
Brunsbüttel
Untersuchungen für die Deutsche Bucht (Pegel Cuxhaven; Schade et al., 2023) ergaben, dass westliche
Anströmungen als atmosphärische Auslöser von Sturmfluten eindeutig zuzuordnen sind (Abbildung
4-3, links). In der Abfolge Südwest (SW), Zyklonal (C) und Nordwest (NW) beschreiben die LWTs zudem
exakt den Durchgang eines Tiefdruckgebiets im Beobachtungsgebiet. Ferner konnte der effektive Wind
(v_eff) aus 295° als Indikator für Richtung und Stärke der Anströmung identifiziert werden. Die Vertei-
lung bei Sturmfluten ist gegenüber der im klimatologischen Mittel deutlich zu höheren v_eff hin ver-
schoben (Abbildung 4-3, rechts). Es treten nur noch positive Werte auf, also auflandiger Wind aus
West. Dies gilt somit auch für den Standort Brunsbüttel ca. 40 km südwestlich der Pegelstation
Cuxhaven.
Abbildung 4-3 | Links: Mittlere Verteilung der Lamb-Wetterlagen bei Sturmfluten am Pegel Cuxhaven (mindestens
150 cm über dem MThw), berechnet aus Tagesmitteln des NCEP/NCAR R1 Luftdrucks auf Meeresniveau für den
gesamten untersuchten Zeitraum von 1951 bis 2022. Fand die Sturmflut in der Zeit zwischen 0 und 6 Uhr morgens
statt wurde die Wetterlage am Tag zuvor als Auslöser der Sturmflut gewertet (siehe Schade et al., 2023, Abbildung
4.1 rechts). Rechts: Normalisierte Verteilung der effektiven geostrophischen Windgeschwindigkeit, bestimmt aus
dem tagesgemittelten Bodenluftdruckfeld der NCEP/NCAR R1 und projiziert auf 295° für den gesamten Zeitraum
1951-2022 (blau) und bei Sturmfluten (orange). Die durchgezogene rote Linie zeigt zudem das 95. Perzentil der
klimatologischen Verteilung, die gestrichelte magentafarbene Linie das 90. Perzentil.
Kiel Holtenau
Für Kiel-Holtenau zeichnet sich ein komplexeres Bild: Hier ist die Zuordnung der atmosphärischen Aus-
löser einer Sturmflut zwar mehrheitlich (etwa 70%) mit östlichen Wetterlagen (Südost = SE, Antizyk-
lonal = A, Nordost = NE) gegeben, allerdings werden zu knapp 30% auch westliche Wetterlagen (Zyk-
lonal = C mit eingerechnet) registriert (Abbildung 4-4, links). D.h., fast ein Drittel der Sturmfluten ist
nicht direkt mit der vorherrschenden Anströmung verbunden, sondern rührt aus einem Zusammen-
spiel der atmosphärischen und ozeanographischen Randbedingungen. So könnten anhaltende West-
wetterlagen zu einer Vorfüllung der Ostsee geführt haben, die in Kombination mit Seiches („Badewan-
neneffekt“) mit erhöhten Wasserständen an der Ostküste Schleswig-Holsteins verbunden sein können.
Im Rahmen dieser Untersuchung wurde sich aber auf direkte atmosphärische Einflussfaktoren be-
schränkt.
Auch die Häufigkeitsverteilung des effektiven Windes (Abbildung 4-4, rechts) zeigt bei Sturmfluten eine
weniger eindeutige Abgrenzung zur klimatologischen Verteilung. Vereinzelt treten hier auch negative
effektive Windgeschwindigkeiten auf - also ablandiger Wind aus West.