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4.1 Regionaler Meeresspiegelanstieg
Die Entwässerung des NOK über die Schleusen setzt einen signifikanten Wasserstandsgradienten zwi-
schen dem Kanal und den angrenzenden Gewässern voraus. Um einen überdurchschnittlich hohen
Wasserstand im Kanal ausgleichen zu können, muss der Wasserstand außerhalb des NOK folglich deut-
lich niedriger sein. Gegenwärtig ist diese Bedingung in etwa einem Drittel der Zeit erfüllt. Mit dem
fortschreitenden Anstieg des Meeresspiegels wird die Häufigkeit solcher Situationen jedoch signifikant
abnehmen bzw. in Zukunft möglicherweise nicht mehr eintreten (siehe Schade et al., 2020). Bereits
jetzt ist sowohl in Cuxhaven als auch Kiel Holtenau ein Anstieg des mittleren Wasserstandes zu ver-
zeichnen (siehe Abbildung 4-1). Während der mittlere Wasserstand in Cuxhaven seit 1960 relativ zur
Landoberfläche um 15 cm anstieg, fiel dieser Anstieg in Kiel Holtenau mit etwa 7,5 cm nur halb so stark
aus. Der wesentliche Grund für diesen Unterschied liegt in der unterschiedlich stark ausgeprägten
Landhebung an beiden Pegelstandorten.
Abbildung 4-1 | Mittlere jährlicher Wasserstand am Pegel Cuxhaven (links, 1900-2023) und Pegel Kiel-Holtenau
(rechts, 1955-2023). Wasserstand hier bezogen auf Normalhöhennull (NHN).
Der Meeresspiegelanstieg in Kiel-Holtenau führt dazu, dass es bereits heute kaum noch möglich ist in
die Ostsee zu entwässern, da hier der Wasserstand die meiste Zeit über dem minimalen Wasserstand
des Kanals liegt. So kann kein Gefälle zur Entwässerung mehr entstehen. Dies zeigt sich auch in den
Entwässerungszeiten der letzten Jahre. Demnach wurde der Kanal in den letzten 8 Jahren nur 6-mal
auch über die Ostsee entwässert (Quelle: direkter Kontakt WSA NOK).
In Phase 1 wurde bereits untersucht, inwiefern der Meeresspiegelanstieg in Zukunft die Zeitfenster für
die Entwässerung beeinflusst. Diese Analyse basierte jedoch bislang auf groben Abschätzungen des
globalen Meeresspiegelanstiegs. Für eine präzisere Bewertung fehlten regionale Projektionen der
Wasserstände, die einen realistischeren Meeresspiegelanstieg unter Berücksichtigung von Landhe-
bungs- bzw. -senkungsprozessen einbeziehen. Daher wurde für diese Arbeit ein erster Schritt unter-
nommen, um die Meeresspiegelanstiegsprojektionen für die Nord- und Ostseeregion zu optimieren.
Da die IPCC-Projektionen (siehe Abschnitt 3.1.1) nur ein geringes bis mittleres Vertrauensniveau für
GIA und VLM aufweisen, wurde ein regional optimierter Datensatz für die Nord- und Ostseeregion
erstellt (Jensen et al., 2025, eingereicht). Dafür wurden die IPCC-Projektionen mit den höher aufgelös-
ten Landhebungsdaten des NKG (siehe Abschnitt 3.1.1) kombiniert und auf das feinere NKG-Gitter in-
terpoliert, um eine realistischere und kleinräumigere Darstellung zu ermöglichen.