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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

IV. Biologische Bemerkungen, 
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„Persepolis‘‘, Kapt. Sacher) zwar als Meeresleuchten angesprochen wird, deren 
Natur aber damit durchaus nicht festgestellt erscheint. Es heißt: „Wir beobachteten 
starkes, wogendes Meeresleuchten gegen die Windrichtung: Die Lichtwellen 
pflanzten sich mit großer Geschwindigkeit nach mehreren Richtungen hin fort; 
die Strahlenbündel hatten linksdrehende Bewegung.“‘‘ ; 
Möglicherweise, ja wahrscheinlicherweise liegt hier eine Erscheinung vor, 
die mit den vom dänischen Dampfer „Bintang‘ nachts vom 18./19. Juni 1909 in 
der Malekka-Straße sowie vom holländischen Dampfer ‚„Valentijn‘“ nachts vom 
12./13. August 1910 in der südlichsten Chinasee beobachteten Lichterscheinungen 
wesensgleich ist!). Dazu kommt der folgende Bericht von A. Stürken über offenbar 
die gleiche Lichterscheinung, die auf. der Reede von Bender Abbas am 23. Mai 1906 
zu beobachten war®). 
„Heute Nacht habe ich ein Phänomen gesehen, das mir bisher unbekannt war. Unser Kapitän 
hatte mir schon davon erzählt und mir versprochen, mich zu wecken, wenn die Erscheinung, die hier 
im Golf in der heißen Zeit häufiger aufzutreten scheint, sich bemerkbar machen sollte. Da ich auf Deck 
schlief, so war ich gleich zur Hand, als er mich rief. Der südliche Horizont war ein lichtes Band, das 
auf dem Wasser lag, und es sah genau so aus, als wenn dort Brandung wäre. Rapide kam der intensiv 
helle Schein näher und schoß westlich von uns scharfe Strahlen auf den Wasserspiegel in schneller Reihen- 
folge voraus, genau wie die Strahlen des Scheinwerfers eines Kriegsschiffes. Dann strömte die ganze 
Lichtflut — immer im Wasser — auf unser Schiff ein, breite Feuerwogen von 200 bis 300 m Länge schossen 
in unaufhörlicher Folge heran und glitten unter‘ unserem Schiffe weg, vielleicht 3 Minuten lang. Dann 
änderte sich auf einmal das Bild. .Links hinter uns, vielleicht 500 m entfernt, bildete sich ein riesiges, 
feuriges Rad, dessen leuchtende Speichen, die weit hinausreichten — soweit man sehen konnte — im 
Kreise herumwirbelten, 2 bis 3 Minuten lang. Dann schoß das Lichtmeer ebenso schnell wieder weg, 
wie es gekommen. war, schon sah man es nur noch am Horizont, und weg war der Spuk. Was mir, 
abgesehen von der intensiven Leuchtkraft, unerklärlich an dieser Naturerscheinung war, ist die wechselnde, 
ganz regelmäßige Form von der agusgesprochenen Wellenform zum Rade, und die blitzartige Schnellig- 
keit, mit welcher sich dieselbe im Wasser bewegte.“ 
In allen vier Fällen liegt das Charakteristische in den um einen Punkt (am 
Horizont) wie die Speichen eines Rades sich drehenden, zugleich scheinwerferartig 
sich fortpflanzenden Strahlenbündeln ganz regelmäßiger Art. Leider geht die 
Beschreibung in dem deutschen Schiffsbericht nicht weiter auf Einzelheiten ein. 
Die Darstellung des Kapt. Gabes vom dänischen D. „Bintang‘ gibt a. a. O. eine 
Skizze, aus der man ersieht, daß wohl kaum das „phosphoreszierende Meerleuchten‘‘ 
allein zugrunde liegen kann, sondern daß die eigentliche Ursache vielleicht in Strom- 
kabbelungen gesucht werden darf, deren langgestreckte Wellenzüge ihrerseits im 
üblichen Sinne leuchten. Ein kurzer Bericht des deutschen Vollschiffes ‚,Arethusa‘“®) 
vom 21. November 1897 aus den Gewässern vor Rangun über ein als ungewöhnlich 
und unheimlich bezeichnetes Schauspiel — der Ausdruck „unheimlich‘ kehrt auch 
im Bericht des D. ‚Valentijn‘‘ wieder — gehört wohl ebenfalls zur Gruppe dieser 
noch - nicht erklärbaren, anscheinend auf die tropischen Indischen Gewässer 
beschränkten Lichterscheinungen an der Meeresoberfläche. . 
Während im Persischen Golfe Haifische wohl selten sind — wenigstens ent- 
halten die Tagebücher keine entsprechende. Angabe —, treten die Haifische im 
Golfe von Oman schon im Djaschk-Felde und weiter ozeanwärts überall auf. 
Auch in diesen Meeresstrichen scheinen Fischlaich und sonstige organische Massen 
überaus häufig verbreitet zu sein; des öfteren werden große Fischschwärme notiert. 
Im Maskat- Gebiet endlich bis hin nach Ras el Hadd herrscht auch starkes tierisches 
Leben in der See; von 24° N 58° O0 werden „ungeheure Fischzüge‘“ gemeldet, dazu 
viele Schwärme Tümmler usf. Der Bemerkung „intensives Meerleuchten‘“ begegnet 
man in den Aufzeichnungen sehr häufig. . 
Somit dürften der Persische Golf und der Golf von Oman für biologische 
Untersuchungen fachwissensehaftlicher Art mit dem Ziele praktischer Ausnutzung 
der vorhandenen Naturschätze des Meeres ein recht dankbares Gebiet. darstellen; 
auf den Fischreichtum weist übrigens auch das Seehandbuch hin, z. B. für Duhat 
Kabal, eine Bucht an der NW-Seite des Oman-Golfes. 
*) A curious phenomenon of light in the sea in the Indian waters. Nautisk-Meteorolog. Aarbog 
1910, Kjebenhavn 1911, XLI. 
2?) Mitteilungen der Geograph. Gesellschaft in Hamburg, Bd. 22 (1907), S. 76. 
3) Ann. d. Hydr. usw. 1899, 483.
	        
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