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| Berichte des BSH Nr. 57
2 Die halbmonatliche Ungleichheit
Die Berechnung der Gezeitengrundwerte basiert auf der Analyse der halbmon-
atlichen Ungleichheit (HU). Als Ungleichheit bezeichnet man die astronomisch
bedingte Abweichung eines Gezeitenwertes (Höhe oder Zeit) vom entsprech-
anden Mittelwert. Die halbmonatliche Ungleichheit wird dadurch verursacht,
dass sich die Positionen von Mond und Sonne zueinander periodisch verän-
dern. Sie ist also der Teil der gesamten Ungleichheit, der von der Phase des
Mondes abhängig ist.
Im Bereich der Nordsee ist die halbmonatliche Ungleichheit sehr deutlich in den
Höhen der Wasserstände zu erkennen. Abbildung 1 zeigt Wasserstands-
beobachtungen vom Pegel Cuxhaven, Steubenhöft. An den Tagen nach Neu-
Dzw. Vollmond treten tendenziell höhere Hochwasser und niedrigere Niedrig-
wasser ein (größerer Tidenhub; Springzeit). An den Tagen nach Halbmond
treten prinzipiell eher niedrigere Hochwasser und höhere Niedrigwasser ein
(kleinerer Tidenhub; Nippzeit). Weitere Informationen zu Spring- und Nippzeit
anthält z.B. die Publikation „Die Gezeiten — Entstehung und Phänomene*
(Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, 2022).
Neben der Variation in der Höhe treten auch periodische Verschiebungen in
den Eintrittszeiten auf.
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= 30 4
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Abbildung 1: Wasserstandsbeobachtungen vom Pegel Cuxhaven für April/Mai 2022. Der Wasser-
stand wird als Höhe über dem Pegelnullpunkt (PNP) angegeben. Tage mit größerem und kleinerem
Tidenhub wechseln sich ungefähr halbmonatlich ab.
Im Folgenden werden die Periode der halbmonatlichen Ungleichheit, der
Zusammenhang zu den Transitzeiten des Mondes und die zugehörige Winkel-
geschwindigkeit hergeleitet.