12 | Berichte des BSH Nr. 57
Die Koeffizienten ag, a; und b; werden mit der Methode der Kleinsten Quadrate
berechnet (z. B. Press, Teukolsky, Vetterling, & Flannery, 1992). Aus den
berechneten Koeffizienten lassen sich die Gezeitengrundwerte berechnen
(siehe Abschnitt 3.3).
Die Analyse wird in der Regel mit Beobachtungsreihen über 5 Jahre durch-
geführt. Dies ist ein kürzerer Zeitraum als die 19 Jahre, die bei ausführlichen
Gezeitenanalysen verwendet werden um alle relevanten astronomischen Ein-
flüsse (u.a. den Nodalzyklus) berücksichtigen zu können. Durch den kürzeren
Zeitraum werden kurzfristige Entwicklungen (z.B. aufgrund einer veränderten
Morphologie oder Baumaßnahmen in der Nähe des Pegels) bewusst stärker
berücksichtigt.
Die Eingangsdaten werden bei der operationellen Berechnung der Gezeiten-
grundwerte folgendermaßen gefiltert: Hochwasser- und Niedrigwasserdaten,
die bei der Bearbeitung durch die Ämter spezielle Markierungen erhalten haben
(beeinflusste Daten), gehen nicht in die Analyse ein. Vor der Analyse werden
außerdem die Ereignisse herausgefiltert, für die die Höhen oder Intervalle um
mehr als die dreifache Standardabweichung vom jeweiligen Mittelwert
abweichen. Die Analyse der halbmonatlichen Ungleichheit findet in zwei Itera-
tionen statt. Nach dem ersten Durchgang werden wiederum die Daten heraus-
gefiltert, die um mehr als drei Standardabweichungen von der ermittelten
Modellfunktion abweichen. Bei den Berechnungen für die Gezeitentafeln 2003
Dis einschließlich 2019 basierte die Filterung der Beobachtungsdaten auf dem
0,6-fachen des mittleren Tidenhubs (anstelle des Kriteriums der dreifachen
Standardabweichung).
3.2
Anschluss-
rechnung bei
wenigen
Beobachtungs-
daten
Eine Besonderheit tritt auf, wenn für einen Pegel über den gewünschten
Zeitraum nicht genügend Beobachtungsdaten zur Verfügung stehen. In diesem
Fall können die Gezeitengrundwerte über eine Anschlussrechnung mit einem
Referenzpegel berechnet werden. Der Referenzpegel muss ausreichend Daten
liefern, sodass die Koeffizienten ag ef, A;jrer UNd b; .; Wie oben beschrieben
berechnet werden können (für eine bessere Übersicht werden die Indizes
HWH, NWH, HWI, NW hier weggelassen). Es werden für alle Ereignisse, für
die sowohl Daten vom Referenzpegel als auch vom anzuschließenden Pegel
vorliegen, die Differenzen Ay(t) = y(f) - yrer(f) gebildet. Die Methode der Klein-
sten Quadrate wird dann auf die Differenz
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Ay(t) = y(t) — Yref(t) = Aao + (ha; cos(iot) + Ab;sin(iot))
i=1