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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914.
Ein neuer Theodolit mit Schnellablesung, insbesondere für Pilotballon-
beobachtungen.
Von Ingenieur Alfred Schütze, Frankfurt a. M.
Zur Bestimmung von Windgeschwindigkeiten in den oberen Luftschichten
bedient man sich der Pilotballons, deren Höhe und Abweichung von der ursprüng-
lichen Bahn allgemein mittels eines Theodoliten bestimmt wird. In der Ab-
bildung ist ein solches Instrument für den genannten Zweck, aber in modernerer
Form, dargestellt — es wurde von Professor Dr. Eugen Hartmann (i. F, Hart-
mann & Braun), Frankfurt am Main, kon-
struiert —, welches gegenüber den bekannten
Theodoliten verschiedene Vorzüge und Ver-
besserungen aufweist, die es auch für viele
andere Messungen geeignet machen.
Die Ablesung des Vertikal- und des
Horizontalkreises erfolgt hier nicht durch
Nonius, sondern mittels einer Meßdose, wie
sie sich bei dem von Professor Hartmann
konstruierten Libellenquadranten als recht
bequem und praktisch erwiesen hat. Die
Größe des Zifferblattes der Meßdose erlaubt,
daß die Ablesung mit genügender Genauigkeit
einfach durch einen Zeiger ausgeführt werden
kann, Zu diesem Zwecke sind die beiden
Kreise an der Peripherie mit einer feinen, sehr
genauen Verzahnung versehen, in welche die
Triebe der Meßdosenzeiger zur Vermeidung
atwaigen toten Ganges leicht federnd ein-
greifen. Die Kreise selbst haben nur eine
grobe Teilung von 10° zu 10° erhalten, die
durch einen einfachen Index abgelesen werden
kann. Die Unterteilung erfolgt durch die Meß-
dose, wobei ein ganzer Umlauf des Zeigers 10°
entspricht. Die Teilung beträgt von Intervall
zu Intervall 5 Minuten; da sich ein Zehntel
Intervall leicht schätzen läßt, ergibt sich eine
Ablesegenauigkeit von 30 Bogensekunden.
Das Fernrohr kann mit der Hand um beide Achsen gedreht werden; für
zarte Bewegungen sind jedoch zwei Feinstellvorrichtungen vorgesehen, die eben-
falls aus einem Trieb von allerdings erheblich größerem Radius bestehen, der
in die Zahnung der Kreise eingreift und durch einen mit Rändchen versehenen
Knopf leicht zu bewegen ist. Diese Feinstellvorrichtungen sind so angebracht,
daß beide gleichzeitig während der Beobachtung bequem betätigt werden können,
wie auch die Anordnung der Meßdosen so getroffen wurde, daß der Beobachter,
ohne seine Stellung zum Instrument zu ändern, Höhen- und Horizontalkreis
direkt vor sich ablesen kann, eine Hilfskraft zum Ablesen also entbehrlich wird.
Ein zentrisch zur Achse angeordneter Kompaß gestattet während der
Beobachtung direkt vom Fernrohrokular aus die Himmelsrichtungen zu bestimmen.
Das Instrument ist natürlich auch für viele andere Zwecke verwendbar, beispiels-
weise läßt sich mittels des eben genannten Kompasses dieser Theodolit für die
Festlegung der Nord—Süd-Linie benützen, wie er auch in der Meteorologie für
die Höhen- und Azimutbestimmungen der Dämmerungserscheinungen handlich
zu gebrauchen ist. Dadurch, daß das Fernrohr in seinem dem Objektiv entgegen-
gesetzten Teil mit einer Röhrenlibelle ausgerüstet wurde, kann man es genau in
den Horizont orientieren und als Nivellierinstrument benützen, wie es überhaupt
für alle anderen geodätischen Messungen Verwendung finden kann. Die Horizontal-
stellung der Okularachse gewährleistet eine auf der Alhidade angebrachte Dosen-
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