Aus dem Reisebericht der Deutschen Bark „Bessel*.
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Andere Schiffe haben früher freilich auch lange Reisen von Mioko nach
Apia gebabt, z. B. die Deutsche Bark „San Francisco“, Kapt. Blank, 83,
apa, Kapt. Schröder, 90 und „Nia/fue“, Kapt. Heuer, 60 Tage,
In Apia hat man wenigstens die Annehmlichkeit, mit der Aufsenwelt im
regelmäfsigen Postverkehr zu stehen, die man in Mioko so sehr vermifst. Von
letzterem Platze wird die Post nur vermittelst Segelschiffen befördert, die ein-
laufen, um entweder zu laden oder sich mit Trinkwasser zu versorgen,
Für die rasche Beförderung der Reise wäre es sehr wünschenswerth,
wenn die Befrachter die Schiffe immer zuerst nach den Samoa-, Tonga- und Fiji-
Inseln schicken wollten, und wenn dort kein Kopra mehr vorräthig ist, ‚nach
den Marschall-Inseln, Carolinen und Neu-Britannien, und nicht umgekehrt, wie
88 jetzt häufig der Fall ist. Auf diese Weise würde den Schiffen viel Zeit
erspart werden, indem sio mit günstigen Winden und Strömungen ihre Ver-
gegelungen ausführen und zur Zeit des SE-Monsuns {in unserem Sommer) von
den westlichen Inseln die Rückreise nach Europa um das Kap der guten Hoff-
nung machen könnten,
Bezüglich der Ansegelung von Mioko möchte ich noch Folgendes
bemerken:
Nach Mioko bestimmt, halte man sich, nachdem der St. Georgs-Kanal
erreicht ist, ziemlich nahe an der Küste von Neu-Irland und steuere derselben
nordwärts entlang, Man vermeide unter allen Umständen die Mitte des Kanals,
weil es gowöhnlich gegen Abend windstill wird und der Strom mit bedeutender
Geschwindigkeit nach NW in die Blanche-Bai hineinsetzt. Der Strom ist mit-
unter so stark, dafs man 3—4 Strich höher als den direkten Kurs steuern mus.
In der Nacht würde das Schiff nach Neu- Britannien hinübergetrieben werden,
einer Küste, die sorgfältig zu vermeiden ist, weil die Riffe weit vom Lande ab
liegen und die Karte, wie schon bemerkt, ungenau ist,
Die Inseln der Duke of York-Gruppe sind mit Bäumen bewachsen, und
erst beim Näherkommen lassen sich die einzelnen kleinen Inseln von einander
unteracheiden. Die südlichste derselben ist Mioko, leicht von den anderen zu
noterscheiden durch einen hohen, etwa in der Mitte der Insel stehenden Baum,
der weit über die anderen Bäume emporragt. Die östliche Einfahrt zum Hafen
befindet sich zwischen Mioko und der nördlich gelegenen Insel Muarlim, Beim
Kinsegeln achte man besonders auf die Riffe an der Mioko-Seite des Fahr-
wassers, dessen Mitte aber ganz rein ist. Der Kurs im Fahrwasser ist WzS
30 lange, bis der Flaggenmast auf der Faktorei SzO peilt, Jetzt hat man
scharf an den Wind zu legen, noch eine Strecke auf die Faktorei zuzusteuern
und dann ip einer angemessenen Entfernung zu aukern. Man gehe nicht zu
weit hinein, weil dort niemals eine frische Briese auftritt und weiter vom Lande
ab am Tage frische Seebriese weht. Wird der Wind beim Einsegelu schral
oder unbeständig, so ankere man sofort, um nicht durch die Strömung ver-
trieben zu werden. Da es, wie schon bemerkt, in der Nacht gewöhnlich wind-
still ist, ein Zustand, der in der Regel bis 11" a. m. anhält, so kann man leicht
weiter in den Hafen hineinwarpen.
Im Hafen von Mioko wechseln Fluth und Ebbe mit einander ab. Zur
Zeit des Neu- und Vollmondes läuft ein starker Gezeitenstrom, und das Wasser
steigt und fällt dann 0,4 bis 0,6m (1,5 bis 2,0 Fufs) und zuweilen noch mehr.“')
; Siehe diese Annalen 1879, Seite 179,