Schiffahrt
Die mit diesen Versuchen gewonnenen Er
kenntnisse sollen der IMO zur Ergänzung der in
ternationalen Vorschriften über Radartranspon
der an Bord von Seeschiffen vorgelegt werden.
Kreiselkompaßanlagen für
schnelle Schiffe
Der zunehmende Bau von schnellen Schif
fen mit Fahrtgeschwindigkeiten von über 30 kn
stellt neue Anforderungen an die mitgeführten
Navigationsinstrumente. Diese müssen den An
sprüchen der hohen Verkehrsdichte und den dar
aus resultierenden schnellen Manövern gerecht
werden. So treten auch bei Kreiselkompaßanla
gen nicht zu vernachlässigende Fehler auf. Die
Funktion des Kreiselkompasses beruht auf der
Nutzung der Erddrehung zur Anzeige der geo
graphischen Nordrichtung. Wird der Erdrehung
die Schiffsbewegung vektoriell überlagert, ent
steht ein sogenannter Fahrtfehler, der von der
Geschwindigkeit des Schiffes, der geographi
schen Breite und dem Schiffskurs abhängt. Bei
einer Fahrt von 40 kn, einer geographischen
Breite von 55° und auf Nordkurs erreicht z. B. der
Fahrtfehler einen Wert von 4,4°, falls die Kreisel
kompaßanlage unkorrigiert ist. Eine Korrektur
dieses Fehlers ist anhand von Tabellenwerten
leicht möglich.
Außerdem ensteht durch das Zusammen
wirken der auftretenden Beschleunigungskräfte
und des Dämpfungssystems der Kreiselkugel
ein Dämpfungs-Beschleunigungsfehler, der nur
durch ein komplexes mathematisches Rechen
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modell zu beschreiben ist. Die Abweichung der
Kreiselkompaßanzeige vom wahren Kurs ist bei
schnellen Änderungen der Fahrtgeschwindigkeit
oder des Schiffskurses erheblich und kann unter
den beschriebenen Bedingungen zu einem Si
cherheitsrisiko führen. Dieser dynamische Fehler
kann durch ein geeignetes Rechenmodell korri
giert werden. Es bestehen bei der IMO Überle
gungen, besondere Prüfbedingungen für die
Baumusterprüfung von Kreiselkompaßanlagen
zur Verwendung an Bord von schnellen Schif
fen (HSC - High Speed Craft) zu erstellen. Im
„Report of the Technical Working Group on
Navigational Aids and Related Equipment
(NAV 40/WP.3 vom 7. 9. 94)“ sind entsprechende
Vorschläge niedergelegt.
Die dort aufgestellten Anforderungen wur
den bei der Baumusterprüfung einer Zweikreisel
kompaßanlage mit integrierter Fahrtfehlerkorrek
tur, die den speziellen Anforderungen schneller
Schiffe gerecht werden soll, geprüft. Dazu sind
Messungen unter Fahrtbedingungen erforderlich.
Die Kreiselkompaßanlage wurde dazu auf einem
Fahrzeug montiert, das Geschwindigkeiten bis
zu 70 kn und Fahrtrichtungsänderungen bis zu
20° in der Sekunde erlaubt. Diese Meßbedingun
gen konnten mit der Unterstützung der Wehrwis
senschaftlichen Dienststelle (WWD) in Munster
erzeugt werden.
Für die Prüfungen wurde ein Verfahren zur
Meßwerterfassung entwickelt, das es erlaubt, die
Daten in Echtzeit zu ermitteln und mit genauen
Positionsdaten in Korrelation zu bringen. Hierzu
wird in Zukunft eine zeitlich feiner aufgelöste und
schnellere Datenerfassung unumgänglich sein.