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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

364 Annalen der Aydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912. 
Wegen des überaus beweglichen feinen, grauen Sandes, der gestrandeten Schiffen 
so gefährlich ist, indem er sie in sehr kurzer Zeit einwellt, ist er. großen Ver- 
änderungen nach Höhe und Lage unterworfen. Ein mächtiger Ausläufer, der 
Steert, erstreckt sich weit in See hinein; der Übergang von der Tiefe mit ihrem 
dunkelblauen Schlick zu ihm führt über sandigen Schlickgrund.!) Ebenso be- 
stehen die übrigen nördlich der Elbe liegenden Sände 2. der Gelb Sand, 3. der 
Spitz Sand, 4. der Kratz Sand, 5. der Medem Sand aus Treibsand und sind 
dauernd veränderlich. Auch des flüchtigen Mittel Grundes möge hier noch 
gedacht werden, Er verdankt seine Entstehung wahrscheinlich den östlich von 
Neuwerk über das Watt von Süden her in die Elbe geschlemmten, der südlichen 
Sandtrift entstammenden Massen, die von den beiden Gezeitenströmungen auf- 
geschichtet wurden, die sie nicht zu bewältigen vermochten, sondern ihnen ge- 
wissermaßen in der neutralen Zone zwischen den verschiedenen Streichbahnen 
des Flut- und Ebbestromes den Platz anwiesen, 
Es dürfte somit festgestellt sein, daß der Sand auch durch die 
Elbe hindurch verfrachtet wird. — — (Schluß folgt.) 
Die Vorhersage der Niederschläge. 
Von Dr. A. Mey, Hamburg. 
Nachdem vor einiger Zeit Grossmann”) in dieser Zeitschrift alle neueren 
Arbeiten und Versuche, die dazu dienen sollen, die Treffsicherheit der Wetter- 
vorhersage zu erhöhen, einer kritischen Betrachtung unterzogen und selbst auf 
neue Methoden hingewiesen hat, ist es wohl nicht uninteressant, einmal ein 
einzelnes Witterungselement herauszugreifen und zu fragen: Welche Mittel haben 
wir bis jetzt, um die Niederschläge vorherzusagen und mit welcher Sicherheit 
kann das geschehen? Können neuere Untersuchungsergebnisse auch erfolgreich 
für die Niederschlagsprognose verwandt werden? (Gerade die Vorhersage der 
Niederschläge hat von jeher besondere Schwierigkeiten bereitet. Man erkannte 
natürlich schon früh den ursächlichen Zusammenhang zwischen Depressions- 
gebieten und Niederschlägen, sah wie sich dementsprechend auch die Nieder- 
schlagsgebiete vorwiegend in östlicher Richtung verschoben und erkannte auch, 
daß vielfach die größten Niederschlagsmengen durch flache Teildepressionen und 
Druckrinnnen hervorgerufen wurden, 
Eine eingehendere Erforschung dieser Verhältnisse wurde indessen zum 
ersten Male von Less vorgenommen in seiner Abhandlung Ȇber die Wanderung 
der sommerlichen Regengebiete durch Deutschland«.®) Die Untersuchung, der die 
Niederschlagsaufzeichnungen von Preußen aus dem Jahre 1901 zugrunde liegen, 
erstreckt sich hauptsächlich auf die Verschiebung der Regengebiete, die Anderung 
der Regendichte, die Beziehung der Regengebiete zu den Barometerminima und 
-maxima und auf die Fortpflanzungsgeschwindigkeit verschieden starker Regen- 
fälle. Less kam dabei zu sehr interessanten und bei seiner Wetterprognose für 
das mittlere Norddeutschland sehr gut verwendbaren Ergebnissen, die hier zu- 
nächst kurz wiedergegeben werden sollen, soweit sie auch für größere Gebiete 
als die Provinz Brandenburg allgemeine Gültigkeit beanspruchen können, 
Less zeigte, daß die einzelnen Regengebiete selbständige Individuen dar- 
stellen, die auf ihrer oft tagelangen Wanderung durch das Beobachtungsgebiet 
ihre charakteristischen Eigenschaften, besonders die Form und die Ergiebigkeit 
ziemlich unverändert beibehalten. So sagt er, »daß die Regenmengen, die eine 
und dieselbe Barometerdepression im Fortschreiten an verschiedenen Stellen 
‘) Segelhandbuch 1906, I, 3, S. 203. 
ni ? Grossmann, Wie steht es um unsere Wettervorhersage? »Ann. d. Hydr. usw.« 1912, 
&, ı bis 23. 
3) »Met. Ztschr.e« 1905. Bd. 22. S. 1496 bis 505 und 530 bis 547.
	        
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