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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1913.
kann. Haben wir also eine Luftdruckdifferenz zwischen Adria und Mittel-
ländischem Meer, so werden wir durch die Straße von Otranto ein Zu- oder
Abfließen des Wassers haben, Hierin liegt die Hauptursache der Schwankungen
des mittleren Wasserstandes der Adria, Der Wind hat nur selten, vornehmlich
bei Sirocco, eine aufstauende Wirkung.
Die Seiches.
Unter Seiches versteht man stehende Wellen eines Binnensees, wie solche
zuerst von Forel am Genfer See beobachtet worden sind. Sie sind abhängig
von der Form des Sees, und ihre Ursache liegt meistens in lokalen Luft-
schwankungen. Solche freien Eigenschwingungen hat man dann auch in
Meeresbuchten beobachtet und den Begriff »Seiches« auf diese übertragen.
Man kann nun die Adria als eine große Bucht des Mittelländischen Meeres
auffassen, deren Form die Ausbildung von Seiches sehr begünstigt. Dr, Defant
hat theoretisch die Dauer einer solchen Seiche der Adria berechnet, wie sie sich
nach Form und Tiefe ergeben würde und so die Schwingungsdauer der Grund-
periode der Adria zu 22.4 Stunden gefunden, Diese stimmte sehr gut mit dem Mittel-
wert 23.6 der von W. v. Kesslitz im Hafen von Pola beobachteten Seiches überein.
Die Periode dieser Seiche fällt also fast mit derjenigen der eintägigen
Tiden K,, O, und P, zusammen, deren starke Entwicklung wohl auf die Ver-
stärkung durch diese Seiche zurückzuführen ist.
Die Seiches und Vibrationen im Hafen von Ragusa.
Im Hafen von Ragusa habe ich nach den Mareogrammen Seiches von 8,
12, 20, 30, 35, 40, 45, 50, 55 und 60 Minuten Dauer beobachtet. Am regel-
mäßigsten treten die Seiches zwischen 30 und 45 Minuten auf. Fast täglich
habe ich diejenigen von 35 Minuten feststellen können. Sie treten bei weitem
am häufigsten auf. Die Extreme, die Seiches von 8 und 10 Minuten einerseits
und 55 und 60 Minuten anderseits treten äußerst selten auf.
Die Höhe der Seiches ist durchaus unabhängig von ihrer Zeitdauer, Ich
habe bei gleicher Periode sehr weit auseinanderliegende Hubhöhen beobachtet.
Zwei bis drei Millimeter Hub kommt bei weitem am häufigsten vor. Nur selten
zeigen die Seiches einen stärkeren Hub, der dann bis zu 12 mm steigen kann.
Bei starkem Wind (forte) tritt größerer Hub regelmäßig auf, Bei frischem und
leichtem Wind (fresco und leggero) nur selten,
Die Seiches kommen sowohl bei steigendem, als auch bei fallendem
Wasser vor. In der Nähe der Wendepunkte sind sie aber sowohl an Zahl als
auch an Höhe am ausgeprägtesten.
Eine Bucht, welche diesen Seiches entsprochen hätte, habe ich trotz
mannigfacher Berechnungen nicht feststellen können.
Der durch die Insel Laceroma und das Festland bei Ragusa gebildete
Kanal scheint die Bildung von Vibrationen zu begünstigen, deren Periode bei
Ragusa zwischen 3!/, und 6 Minuten schwankt. Am häufigsten treten die
Vibrationen von 4 Minuten auf. Ihr Hub beträgt fast immer 1 mm.
Eis und Schiffahrt der fünf Winter von 1907/08 bis 1911/12
in den Häfen des Schwarzen Meeres.
Nach deutschen und englischen Zeitungsmeldungen zusammengestellt von Kapitän G. Reinicke,
Im allgemeinen hat die Schiffahrt im Schwarzen Meere nur in drei Ge-
bieten mit Schwierigkeiten durch Eis zu kämpfen, Es sind dies das Asowsche
Meer, die russischen Häfen nordwestlich von der Krim und die Donauhäfen.
Im Asowschen Meere wird die Schiffahrt in jedem Winter eine Zeitlang
durch Eis vollständig geschlossen; namentlich ist Taganrog, wo meilenbreite flache
Bänke die Eisbildung besonders begünstigen, oft lange gesperrt und in den fünf