MahneForum 7/8-2017
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Im Dienst für Schifffahrt und Meer
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
Monika Breuch-Mohtz
E rwartungsvolle Unruhe liegt über dem
dritten Stock des Hamburger Dienstsit
zes des BSH (Bundesamt für Seeschifffahrt
und Hydrographie). Kisten mit maritimen
Geräten neben Taschen mit Überlebens
anzügen füllen den Gang, der das Team
des marinen Umweltmessnetzes des BSH
beherbergt. Es geht wieder los. Auf dem
Einsatzpla n des Vermessungs-, Wracksuch-
und Forschungsschiffes (VWFS) „Atair " —ei
nes der fünf Schiffe der BSH-Flotte - steht
die Kontrolle der Messstation FINO
Sie ist eine der 12 Stationen des automa
tisierten Messnetzes MARNET (Messnetz
automatisch registrierender Stationen in
der Deutschen Bucht und der westlichen
Ostsee) in Nord- und Ostsee, eines ein
zigartigen Netzwerkes, das für die rauen
Verhältnisse in der deutschen Ausschließli
chen Wirtschaftszone (AWZ) konzipiert ist.
Neben dem Turm FINO 1 gehören Mess
bojen, die zum Teil bis zu zehn Meter über
dem Meeresspiegel aufragen, ebenso da
zu wie unbemannte Feuerschiffe, die am
Rande der Hauptschifffahrtswege Daten
erheben. Die Daten des Messnetzes gehen
in alle Welt und sind Basis für For.schungs-
projekte ebenso wie für Warnungen oder
Vorhersagedienste.
Daten aus Nord- und Ostsee
Fast bei jedem Wetter fährt das Team hin
aus, um die Solarzellen für die Stromversor
gung und den ordnungsgemäßen Betrieb
der Recheneinheiten auf den Stationen des
Messnetzes zu prüfen. Auch die.Geräte an
den Messketten werden regelmäßig kont
rolliert. Müssen sie neu kalibriert oder repa
riert werden, reisen die Geräte mit zurück
nach Hamburg. In einem Labor im Keller
des neunstöckigen Gebäudes des BSH ober
halb der Landungsbrücken steht ein für die
se Zwecke eingerichtetes Kalibrierlabor zur
Verfügung.
ln der Ostsee betreibt das Leibniz-institut
für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
im Auftrag des BSH die MARNET-Stationen
und wertet die Daten aus. Durch diese Da
ten erfuhr die wissenschaftliche Welt z.B.
im Dezember 2Q15 von dem drittgrößten
Salzwassereinbruch in der Ostsee seit Be
ginn der Messungen in den Fünfzigerjah
ren.
Informationen über Strömungen, Ge
zeiten und Wellenhöhen gehören zu den
Dienstleistungen, die das BSH der Schiff
fahrt und den Küstenbewohnern bereit
stellt. Auf Basis von Vorhersagen und Mo
dellen des Deutschen Wetterdienstes und.
mithilfe der Daten von Schiffen, der Mess
stationen, der Pegel entlang der Küste und
der Daten aus der Fernerkundung erstellen
der Wasserstandsvorhersagedienst für die
Nord- und Ostsee und der Eisdienst des
BSH ihre Vorhersagen und warnen vor
Sturmfluten und Niedrigwasser. Gezeiten-
tafein und Gezeitenkalender sind traditio
nelle Publikationen des BSH und werden
heute zeitgemäß durch Informationen im
Internet oder Apps ergänzt.
Einsatz für die Offshore-Wind-
energie
Die MARNET-Station FINOl am Randedes
Qffshore-Windparks alpha ventus erfasst
bis zu 25 Meter in die Tiefe Meeresdaten
und-fürden BSH-Partner Deutscher Wet
terdienst (DWD)-meteorologische Daten
bis zu 33 Meter in die Höhe. Am 9. No-