V3 | Formalisierung der Anwendungsdomäne
Um die Funktionsweise einer Kl-Komponente abgrenzen zu können und die
Rahmenbedingungen für die Hauptprüfung zu legen, muss der Hersteller eindeutig
spezifizieren, unter welchen Rahmenbedingungen die KI-Komponente funktionieren
soll. Diese als Anwendungsdomäne definierte Abgrenzung gibt Größen vor, durch die
sich das Verhalten der Kl-Komponente eingrenzen lässt. Als Verhaltensgrenze wird der
Wertebereich definiert, innerhalb welchem die Komponente vom Hersteller definierte
Eingaben erhält und korrespondierende Ausgaben erzeugt. Entsprechend kann die
<omponente innerhalb dieses Wertebereiches Anwendung finden. Außerhalb dieses
Wertebereiches hat sie keine Funktion und sollte keine Ausgabe erzeugen, um
unvorhersehbare Entscheidungen oder Handlungen zu vermeiden.
Jede Kl-Komponente muss innerhalb einer definierten Anwendungsdomäne liegen,
‚welche sowohl die Kapazitäten der Kl-Komponente abbildet als auch im Rahmen der
Anwendung der KI-Komponente sinnvolle Grenzwerte bildet. Die Anwendungsdomäne
‚jefert somit die Grundlage für die Datenbeschreibung des Herstellers, die für die
Hauptprüfung notwendigen Größen beinhaltet, um Daten zur Prüfung der
KI-Komponente beschaffen zu können.
Die Anwendungsdomäne kann mithilfe anerkannter Methodiken formalisiert werden
ınd sollte sich an allgemein bekannte Formen ausrichten. Das Werkzeug der
Dperational Design Domain stammt aus der Automobilbranche und dient zur
3eschreibung des möglichen Einsatzbereiches von (teil-)autonomen Fahrzeugen
(Gyllenhammar et al., 2020). Für den maritimen Bereich, perspektivisch auch MASS,
wird das Konzept Operational Envelope vorgeschlagen. Dieses baut auf der Operational
Design Domain auf. Zudem berücksichtigt es die Verantwortlichkeiten und
Schnittstellen sowohl innerhalb als auch zwischen den Bereichen der Autonomisierung
ınd den menschlichen Operateuren (Rodseth et al., 2022). Unabhängig von der
gewählten Methode zur Formalisierung sollte die Anwendungsdomäne die folgenden
Kriterien erfüllen, um die Prüffähigkeit einer Kl-Komponente zu gewährleisten.
Bei einer modularisierten Kl-Komponente muss die Anwendungsdomäne für
jede KIl-Komponente definiert werden. Dies bedeutet das bei einer
arforderlichen Modularisierung jede Kl-Komponente mit einer eigenen
Anwendungsdomäne zur Verfügung gestellt werden muss.
Die Anwendungsdomäne beschreibt und grenzt alle im Rahmen der
KI-Komponente genutzten Eingabewerte eindeutig ein und definiert feste
Wertebereiche.
z-ür jeden Eingabewert muss klar definiert sein, ob und inwiefern dieser von
der Kl-Komponente genutzt wird und welche Eingabewerte bei der
Entwicklung der Komponente angenommen wurden. Im Umkehrschluss
muss fest definiert sein bei welchen Werten keine Verarbeitung erfolgen
darf und wie die Komponente darauf reagiert.
Die Ausgabe der Kl-Komponente sollte analog zu den Eingabewerten
beschrieben werden. Hier ist ein Ansatz nach dem Maritime Perceived
Environment (Burmeister et al., 2020) denkbar.
:-ür den Aufbau eines Frameworks zur Formalisierung und Prüfung von
Anwendungsdomänen ist der Aufbau einer zentralen Datenbank für bereits geprüfte
Anwendungsdomänen empfehlenswert. Ein durch die Association for Standardization
of Automation and Measuring Systems eingeführte offene und an das Operational
Design Domain angelehnte Methode (ASAM, 2021) zur Beschreibung und
Seneralisierung von Anwendungsdomänen ist auch für die Prüfung von KlI-Systemen
m maritimen Sektor adaptierbar. Die zentrale Sammlung von geprüften
Anwendungsdomänen ermöglicht es dem Prüfer Gemeinsamkeiten zu identifizierer:
und als Grundlage für zukünftige Prüfungen zu berücksichtigen. Der offene Zugang zu
Fraunhofer CN
JefA
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie