Hintergrund und Ziele
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leichter positiver Trend in der südöstlichen Nordsee zu erkennen, der aber bei den meisten Ergebnis-
sen der Klimamodelle kleiner war als die jährliche und dekadische Variabilität. Bei den Windrichtungen
zeigte sich ein leichter Anstieg der Häufigkeiten von westlichen Windrichtungen. Auch dieser Anstieg
war insbesondere bei hohen Windgeschwindigkeiten in der gleichen Größenordnung wie die dekadi-
sche Variabilität, und somit nicht belastbar.
Erste Untersuchungen zur Einbeziehung von Wetterlagen wurden in Phase I bereits durchgeführt
[Schade et al. 2020). Ein verändertes Klima ändert die großskalige Zirkulation (siehe auch IPCC 2021)
und damit auch die Wetterlagen über der Nordsee. Dies wiederum kann die Häufigkeit, Intensität und
Dauer von Sturmfluten beeinflussen. Bei der Analyse für die Nordseeregion wurden Stürme identifi-
ziert und nach Stärke klassifiziert: Sturm (G = Gale), Starker Sturm (SG = Severe Gale) und Sehr Starker
Sturm (VSG = Very Severe Gale). Auf Basis von 8 verfügbaren Simulationen des „weiter-wie-bisher“-
Szenarios (RCP8.5) und den drei genannten Sturmklassen wurden für die ferne Zukunft teilweise hö-
here relative Häufigkeiten festgestellt. Besonders die stärkste Sturmklasse (VSG) zeigt eine hohe rela-
tive Änderung zu der Vergangenheit. Des Weiteren kam heraus, dass die Wetterlage „Nordwest“ (NW)
in Zukunft signifikant häufiger auftreten wird, wobei dies vor allem durch eine höhere Anzahl an Epi-
soden und nicht über die Andauer zu erklären ist (Jensen 2019).
Als ein wichtiges Forschungsziel für Phase Il ergab sich daraus die Ausweitung der Untersuchungen zu
geänderter Wetterlagendynamik mit direktem Bezug zu Sturmfluten in Cuxhaven. Dieser Aspekt soll in
diesem Bericht aufgegriffen werden. Ferner wird nun ein größeres Modellensemble für die Analyse
der Klimaprojektionen herangezogen, mit Hilfe dessen statistisch belastbarere Ergebnisse erzielt wer-
den können. Untersuchungen betreffend der dabei verwendeten CMIP6 Modelle haben bereits ge-
zeigt, dass sie dank verbesserter Modellphysik und erhöhter Auflösung gegenüber den älteren Modell-
generationen besser in der Lage sind die nordhemisphärischen Sturmzugbahnen abzubilden und Ab-
weichungen gegenüber Reanalysen zu verringern (Harvey et al. 2020; Priestley et al. 2020). Des Wei-
teren finden die neuen SSP (Shared Socioeconomic Pathways = gemeinsame sozioökonomische Ent
wicklungspfade) Szenarien in CMIP6 Verwendung, die gegenüber den bisherigen RCP (Representative
Concentration Pathways = repräsentative Konzentrationspfade) Szenarien neben den Treibhausgas-
konzentrationen auch sozioökonomische Änderungen mit einfließen lassen (Riahi et al. 2017).
im Folgenden werden zunächst verwendete Daten und Methoden vorgestellt. Daran schließt sich eine
Analyse vergangener Sturmfluten anhand der beschriebenen Methoden an. Schließlich wird unter-
sucht, wie sich begünstigende Bedingungen für Sturmfluten aus meteorologischer und ozeanographi-
scher Sicht in Zukunft ändern könnten.