Probleme des deutschen Seekartenwerkes
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Früher war die Beschriftung ein besonders schwieriges Kapitel bei der
Kartenherstellung. Entweder mußten alle Schriften in Kupfer gestochen oder
später gezeichnet werden, eine Arbeit, die außerordentlich viel Zeit in
Anspruch nahm. Hinzu kam, daß es genügend qualifizierte Schriftzeichner
zur Bewältigung dieser Arbeit nicht mehr gab. Es mußte deshalb eine Mög
lichkeit gefunden werden, diesen Teil der Kartenfertigung zu mechanisieren.
Biese Mechanisierung kann entweder dadurch erfolgen, daß man besonders
entwickelte Lichtsatzmaschinen benutzt, bei denen der Name Buchstabe für
Buchstabe durch Einzelbelichtung aus einer Matrizentafel belichtet wird,
oder daß man den negativen Matrizensatz anwendet und von dem Satz einen
Film anfertigt. Die abgesetzte und auf Stripping-Pilm aufgenommene Schrift
wird sodann auf einem besonderen transparenten Zeichenträger montiert.
Der Verfahrensgang bei der Herstellung eines kartographischen Originals
ist jetzt so, daß alle Strichelemente, die sich in einer Karte befinden,
auf einen maßhaltigen transparenten Zeichenträger gezeichnet oder graviert
werden. Es entsteht gewissermaßen eine stumme Karte.
Das Zeichnungsoriginal und das Schriftoriginal werden zusammenkopiert
und ergeben jetzt das Original für die Schwarzplatte.
Auch für die Herstellung der Parboriginale für die einzelnen Karten wird
ein neues Verfahren, das sogenannte Strip-Mask-Verfahren benutzt. Man ver
wendet hierbei eine Kopierschicht aus Polyvinylalkohol, die die Eigenschaft
hat, daß sich die nicht benötigte Schicht nach der Belichtung und Entwick
lung von glatten Oberflächen als dünne Haut abziehen läßt. Wird als Vorla
ge die Umrandungslinie einer Fläche benutzt, so wird nach der Belichtung
und Entwicklung diese Linie freigelegt. Zieht man nun die nicht benötigte
Schicht ab, so findet das Strippen an dieser Linie automatisch eine
Grenze.
Die auf diese Art hergestellten Originale der einzelnen Farben werden
auf Druckplatten'überkopiert, von denen in .Offsetpressen dann die Auflagen
gedruckt werden.
Der Karteninhalt
Der Entwicklung der reproduktionstechnischen Verfahren mußte zwangs
läufig auch die kartographische Ausgestaltung der modernen Seekarte fol
gen.
Die Seekarte erhält ihr typisches Gepräge durch die zahlreichen Tie
fenzahlen. Sie bedecken das Seegebiet in mehr oder weniger großer Dichte