7 Fazit
Die Analyse und Bewertung von derzeitigen und zukünftig zu erwartenden Klimawirkungen auf die Ver-
kehrsinfrastruktur und den Verkehr nimmt eine Schlüsselrolle bei der sicheren und nachhaltigen Entwick-
lung der Verkehrssysteme in Deutschland ein. Im BMVI-Expertennetzwerk wird dazu eine Klimawirkungs-
analyse umgesetzt, die auf der in diesem Bericht dargelegten, abgestimmten und möglichst einheitlichen
Datenbasis von Beobachtungs- und Projektionsdaten aufsetzt. Durch diese einheitliche Herangehensweise
und die Abstimmung methodischer Vorgehensweisen und Analysebausteine wird eine solide und kohärente
Informationsbasis geschaffen, auf deren Grundlage eine Verkehrsinfrastruktur gestaltet werden kann, die
auch unter zukünftig veränderten, möglicherweise extremeren klimatischen Rahmenbedingungen verlässlich
ist.
Die Anzeichen und Auswirkungen des Klimawandels treten regional, zeitlich und je nach betrachtetem
Kennwert in unterschiedlicher Stärke und Ausprägung in Erscheinung und erfordern eine entsprechend
differenzierte Analyse. Bisher erfolgten bereits verschiedene solcher Analysen für einzelne Verkehrsträger
unter Nutzung unterschiedlicher Datengrundlagen. So liegen für die Verkehrsträger Wasserstraße mit KLI-
WAS (BMVI 2015) und für die Straße mit AdSVIS „Adaptation der Straßenverkehrsinfrastruktur an den
Klimawandel< (Tegethof et al. 2011) bereits klimawandelbezogene Informationen vor, die von den opera-
tiven Einheiten (insb. WSV) für die Bewertung von Klimawirkungen und die Ableitung von Anpassungs-
maßnahmen berücksichtigt wurden. Im Rahmen der Arbeiten des Themenfeldes 1 im BMVI-Expertennetz-
werk erfolgte eine Analyse der zu erwartenden Änderungen des Klimas und von Extremereignissen in
Deutschland. Der Fokus lag dabei auf den für die Bewertung der Klimaresilienz des Verkehrssystems rele-
vanten Klimaparametern und abgeleiteten Kenngrößen. Die dabei verwendeten bzw. generierten Datens-
ätze bilden die Grundlage für eine verkehrsträgerübergreifend möglichst einheitliche und vergleichbare Be-
wertung von Klimawirkungen auf die Verkehrsträger Straße, Schiene und Wasserstraße. Die entsprechend
abgestimmten Datensätze und Methoden wurden im vorliegenden Dokument zusammengestellt.
Hinsichtlich der Bewertung vergangener und zukünftiger Klimaänderungen werden im BMVI-Experten-
netzwerk verschiedene meteorologische Größen (Temperatur, Niederschlag), hydrologische Größen (Ab-
fluss, Wassertemperaturen) sowie ozeanographische Größen (Meeresspiegel, Tidekennwerte) betrachtet.
Lange Messreihen erlauben es bereits heute, stattfindende Veränderungen zu identifizieren und zu bewer-
teten. Aussagen über den zukünftigen Klimawandel in Deutschland werden aus Klimamodelldaten unter
Annahme verschiedener Klimaszenarien (Projektionsdaten; RCP) abgeleitet. Im Fokus stehen im BMVI-
Expertennetzwerk zwei Pfade, die für eine unterschiedlich stark ausgeprägte Treibhausgasentwicklung ste-
hen. In der Berichterstattung des Themenfeldes 1 im BMVI-Expertennetzwerk werden diese Pfade als Kli-
maschutzszenario (RCP2.6; Klimaantrieb von 2,6 W/m? im Jahr 2100) und Weiter-wie-bisher-Szenario (RCP8.5.;
Klimaantrieb von 8,5 W/m? im Jahr 2100) bezeichnet. Für einige Auswertungen wird auch noch ein mode-
rates Szenario (RCP4.5; Klimaantrieb von 4,5 W/m? im Jahr 2100) hinzugezogen. Unsicherheitsbetrachtun-
gen und systematische Vergleiche zwischen den Szenarien werden durch die teilweise unterschiedlichen
Realisierungen (Größe und Zusammensetzung des Ensembles) erschwert.
Mit Blick auf relevante Klimakenngrößen für die Bewertung von Klimawirkungen auf das Verkehrssystem
werden beobachtete Änderungen der jeweils zu erwartenden Entwicklung gegenübergestellt. Die Bewertung
der jüngsten Klimaentwicklung basiert dabei auf im BMVI-Expertennetzwerk neu- bzw. weiterentwickelten
Referenzdatensätzen. Die zukünftige Klimaentwicklung in Deutschland wird mittels im BMVI-Experten-
netzwerk qualitätsoptimierter regionaler Klimaprojektionen10 bewertet, die durch die internationale und na-
tionale Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden (Hübener et al. 2017, Jacob et al. 2014b).
10 Details zur Methodik und den Ergebnissen der Bias-Adjustierung und Regionalisierung der Klimaprojektionsdaten finden sich
im Auswerterahmen (Hänsel et al., 2020a) und im Schlussbericht des Schwerpunktthemas Szenarienbildung (Brienen et al., 2020).