4. Untersuchungen zur Nord- und Ostsee und deren Küsten 35
Aus den Untersuchungen von Müller et al. (2015) wird zudem ersichtlich, dass es keine allgemeingültige
Lösung für alle Untersuchungsgebiete gibt, sondern regional spezifische Kombinationen von Einflussfak-
toren verwendet werden müssen, um Überflutungsereignisse möglichst exakt beschreiben zu können.
Im Bereich des NOK und anderen Einzugsgebieten im Küstenraum werden darum neben dem im Küsten-
bereich wichtigen Außenwasserstand die Niederschlag- und Feuchteindizes von Schröter et al. (2015) un-
tersucht. Neben den Abflussdaten an einzelnen Pegeln werden dabei die täglichen REGNIE Niederschlags-
summen verwendet, um die meteorologische Ausgangssituation der Hochwasserereignisse zu beschreiben.
Grundidee der Untersuchung war die Annahme, dass die Kombination von extremem Vorregen (und damit
Übersättigung des Bodens) sowie eines starken, aber nicht außerordentlichen Niederschlagsereignisses zu
großräumigen Überflutungen führt. Dabei wird an jedem Modellgitterpunkt (x,y) im Einzugsgebiet berechnet:
? R3d(x,y) = Höchste 3-Tages Niederschlagssumme (Ereignisniederschlag) der Zeitreihe der glei-
tenden 3-Tages Niederschlagssumme in einem Intervall, das mehr als 10 Tage vom nächsten Ma-
ximum der Zeitreihe entfernt liegt (siehe Abbildung 4-6).
? API(x,y) = Vorfeuchte, bestimmt aus der Summe des täglichen Niederschlags, gewichtet über die
letzten 30 Tage vor dem Ereignisniederschlag R3d.
Somit ist eine deutliche Trennung von auslösendem Ereignis und Vorregen sichergestellt. Die Abnahme
der Bodenfeuchte durch Verdunstung und Absickern in tiefere Bodenschichten wird über die Wichtung
approximiert (d. h., ein früher gefallener Niederschlag trägt weniger zur aktuellen Bodenfeuchte bei, als der
kürzlich gefallene).
Mögliche zukünftige Änderungen der Indizes werden anhand der gekoppelten Modelläufe ausgewertet, die
gerade im Küsten- und küstennahen Bereich Unterschiede zu ungekoppelten Modellläufen aufweisen und
daher wichtige Erkenntnisse über die Niederschlagsverteilung an der Küste liefern können. Zudem werden
die für die Entwässerung wichtigen Außenwasserstände aus den gekoppelten Modellen mitgeliefert.
Abbildung 4-6: Relative Maxima des R3d (markiert durch Quadrate) im November/Dezember 2014, gemit-
telt über das Einzugsgebiet des NOK, die mehr als 10 Tage auseinanderliegen.
Wasserstand
Für den Wasserstand werden zusätzlich zu den Beobachtungsdaten aus Pegeln auch Modelldaten des oben
beschriebenen MPI-OM-Klimamodells mit verschiedenen RCP-Szenarien ausgewertet. Dieses gekoppelte
Atmosphären-Ozean-Modell hat aufgrund des verschobenen Pols im Bereich der Deutschen Bucht eine
horizontale Auflösung von etwa 5-10 km und liefert stündliche Werte. Die Modelldaten gehen von einem
anderen Pegelnullpunkt als die Beobachtungsdaten aus und werden daher für einen Vergleich mit den Be-