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Erläuterungen und Begriffsbestimmungen
Erläuterungen und Begriffsbestim
mungen aus der Gezeitenkunde
Entstehung der Gezeiten
Richtung und Betrag der Schwerkraft weisen an
jedem Ort der Erdoberfläche kleine gesetzmäßige
Schwankungen auf, die sich durch Beobachtungen
mit feinen Instrumenten unmittelbar nachweisen
lassen. Diese Störungen der Schwerkraft entste
hen dadurch, dass die einzelnen Punkte der Erd
oberfläche sich in etwas anderen Richtungen und
Entfernungen vom Monde befinden als der Erd
mittelpunkt, so dass auch die Massenanziehung
durch den Mond etwas verschieden ausfällt, und
dass die Punkte der Erdoberfläche infolge der
Erdumdrehung fortlaufend in andere Stellungen
zum Mond gebracht werden. Gleichartige, aber
nur etwa halb so große Störungen der Schwerkraft
übt auch die Sonne aus. Da die Wassermassen
der Meere bestrebt sind, sich mit ihrer Oberfläche
stets senkrecht zur augenblicklichen Richtung der
Schwerkraft einzustellen, geraten sie Infolge der
Schwerkraftstörungen in Schwingungen, bei denen
die einzelnen Wassertellchen langgestreckte, fast
völlig waagerechte Bahnen um ihre mittleren Lagen
beschreiben. Diese waagerechten Bewegungen
werden Gezeitenströme genannt. Die Hebungen
und Senkungen der Wasseroberfläche, die durch
das Anhäufen und Abziehen der Wassermassen
entstehen, heißen Gezeiten.
Die Art, in der sich die Gezeitenschwingungen der
Ozeane Infolge der allerorts wirksamen Schwer
kraftstörungen ausbllden, hängt wesentlich auch
von der Gestalt und der Tiefe der Ozeane ab. Die
Gezeiten kleinerer Randmeere auf den Schelfen
der Kontinente, wie z. B. die Gezeiten der Nord
see, sind fast ausschließlich durch das Mitschwin
gen mit den angrenzenden Ozeanen und nur zu
einem sehr geringen Teil durch die unmittelbare
Einwirkung der gezeitenerzeugenden Gestirne ver
ursacht. Die Gezeiten an irgendeiner bestimmten
Stelle brauchen daher keineswegs dem Verlauf der
örtlichen Schwerkraftstörungen zu ähneln. Da aber
diese Störungen überall nur von den scheinbaren
Stellungen der gezeitenerzeugenden Gestirne zur
Erde abhängen, können die Gezeiten und Gezei
tenströme an jedem Ort unmittelbar zu den schein
baren Bewegungen des Mondes und der Sonne In
Beziehung gesetzt werden. Die besondere Form
dieser Beziehungen für einen bestimmten Ort wird
bisher am genauesten und bequemsten aus ört
lichen Beobachtungen der Gezeiten und Gezeiten
ströme, also aus der Erfahrung, ermittelt; doch ist
grundsätzlich auch die theoretische Berechnung
schon mit einiger Genauigkeit möglich.
Abkürzungen und Bezeichnungen
FD Falldauer
Gr. Greenwich
GU Gezeitenunterschied
HAT Highest Astronomical Tide (HGzW)
HDdll Harmonische Darstellung der
Ungleichheiten
HG Höhe der Gezelt
HGzW Höchster Gezeitenwasserstand (HAT)
HW Hochwasser
HWH Hochwasserhöhe
HWI Hochwasser-Intervall
HWZ Hochwasserzelt
LAT Lowest Astronomical Tide (NGzW)
MEZ Mitteleuropäische Zelt
MESZ Mitteleuropäische Sommerzeit
MFD Mittlere Falldauer
MHW Mittleres Hochwasser
MNpD Mittlere Nippsteig- oder Nippfalldauer
MNpHW Mittleres Nipphochwasser
MNpNW Mittleres Nippniedrigwasser
MNW Mittleres Niedrigwasser
MSD Mittlere Steigdauer
MSpD Mittlere Springsteig- oder Springfalldauer
MSpHW Mittleres Springhochwasser
MSpNW Mittleres Springniedrigwasser
Mt Mitt
MTH Mittlerer Tidenhub
MW Mittelwasser
NGzW Niedrigster Gezeitenwasserstand (LAT)
NHN Normalhöhennull
Np Nipp
NpHW Nipphochwasser
NpNW Nippniedrigwasser
NpTH Nipptidenhub
NW Niedrigwasser
NWH Niedrigwasserhöhe
NWI Niedrigwasser-Intervall
NWZ Niedrigwasserzelt
PNP Pegelnullpunkt
SD Steigdauer
SKN Seekartennull
Sp Spring
SpHW Springhochwasser
SpNW Springniedrigwasser
SpTH Springtidenhub
TF Tidenfall
TH Tidenhub
TS Tidenstieg
UTC Koordinierte Weltzeltskala
(Universal Time Coordlnated)