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Aus dem Bericht über die Expedition der Oestr.-Ung. Korr. „Frundsberg“.
12. Die Insel Nossi-B€,') seit 1840 in Französischem Besitze, bildet
den Haupttransitplatz West-Madagascars. Die Bewohner sind hauptsächlich
Sakalaven, welche von der gegenüberliegenden Küste Madagascars ausgewandert
sind, und zählen jetzt im Ganzen 7000 bis 8000 Seelen. Nossi-B& sowohl, wie
die kleinen Inseln Nossi-Mitston, Nossi-Cumba und Nossi-Fali besitzen eine
Menge guter Ankerplätze, welche bis zur Küste von Madagascar reichen. Die
wichtigsten Ortschaften auf Nossi-Be sind Heltville, Ambanuru und Anderekareka,
Hellville ist der Sitz des Kommandanten und sämmtlicher Behörden, .e8
befindet sich dort eine Kaserne, ein Hospital, Steinkohlenmagazine und mehrere
Vorrathshäuser. Der Ankerplatz von Hellwille ist vorzüglich; die gröfsten
Kriegsschiffe können 2 bis 3 Kbllg vom Lande sicher vor Anker liegen. Der
Landungsplatz besteht ans einer schönen steinernen Mole, welche mit einem
Geleise zum schnelleren Einschifen der Kohlen versehen ist. Befestigungen
besitzt Hellville, sowie überhaupt Nossi-Be keine, nur sind vor dem Hause des
Kommandanten sechs leichte Geschütze aufgestellt, um eventuell einen Salut
erwidern zu können. Die Garnison, welche aus einer Kompagnie Marine-In-
fanterie besteht, liegt auch in Hellville,
V. Die Seychellen.
13. Mah€?) ist die gröfste und wichtigste der 29 Inseln der Seychellen-
Gruppe, hat einen Flächeninhalt von 31 190 ha, ist gebirgig mit Erhebungen
von 1070 m, reich bewässert und sehr fruchtbar. Der Hauptort gleichen Namens
liegt auf der Ostseite, nahe der NE-Spitze, in einem rings von Bergen einge-
schlossenen Thale und besitzt einen Hafen, der durch vorgelagerte Inseln und
Korallenriffe gebildet wird. Die Einfahrt in den Hafen ist zwar gut betonnt
and mit einem Leuchtfeuer versehen, jedoch nur etwas über 1 Kblig breit. Im
Bassin können höchstens zwei bis drei grofse Schiffe vertäut liegen. Nach dem
Kolonialreglement dürfen Schiffe von mehr als 3,7 m Tiefgang nur mit Hülfe eines
Regierungslotsen einlaufen. Als Landungsplatz dient eine 450m lange Mole,
welche, auf Korallenriffen gebaut, die Verbindung mit dem Lande ermöglicht.
Die Rhede von Mah€ ist geräumig, doch erzeugt der NE-Monsun sehr hohen
Seegang und erschwert den Verkehr mit dem Lande ungemein, Die Stadt Mah6
selbst ist sehr rein, besitzt durchgehends schöne hölzerne Häuser mit einem Unter-
bau von Stein, zwei Kirchen, eine grofse katholische und eine kleine Englische,
sowie eine Französische Mission, an deren Spitze ein Bischof steht, An KEin-
wohnern zählt die Insel 12000, darunter 4000 Weifse, der Rest meist Öst-
afrikaner. Garnison und Befestigung besitzt Mahe, sowie die Seychellen über-
haupt nicht; es besteht nur ein Polizeidetachement, und vier alte Geschütze
dienen dazu, um event, einen Salut zu erwidern. An der Spitze der Verwaltung
steht ein Chief-Civil-Commissioner, der im Verein mit drei von der Bevölkerung
zewählten und von der Englischen Regierung bestätigien Räthen zu legislativen
Mafsnahmen in der Kolonie befugt ist. Obwohl seit 1814 io Englischem Be-
sitz, ist der Charakter und die Sprache der Einwohner doch ganz Französisch.
Das Klima der Seychellen ist sehr gesund; deshalb werden sie von den an der
Ostafrikanischen Küste kreuzenden Englischen Schiffen auch häufig als Erholungs-
station aufgesucht. Die Fischerei ist sehr ergiebig, dagegen wird auf Mahl,
wie überhaupt auf den Seychellen, gar keine Viebzucht betrieben, weil auf der
Insel, die blofs bis zu einem Viertel bebaut ist, keine Weide vorhanden ist.
Der Verkehr mit Mahe& wird durch Dampfer der Messageries maritimes hergestellt,
Alle vier Wochen kommt ein Dampfer aus Marseille über Port Said, Suez und
Aden an, der weiter nach Australien geht und dieselbe Rücktour wählt.
') Findlay’s „Indian Ocean“ 1882, S. 435.
3 Findlay’s „Indian Ocean“ 1882, S. 535.