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Full text: Jahresbericht 2022 - Für Meer und Mensch, Schifffahrt und Umwelt

'3 Verkehrsbedingte Emissionen 
Neben Schiffsabgasmessungen können 
durch die Drohnen multispektrale Luftbild- 
aufnahmen erhoben werden. Aus diesen 
3Zilddaten können für Flachwasserberei- 
che Tiefenwerte abgeleitet werden. 
Gleichzeitig ist eine dreidimensionale 
Vermessung des Wasser-Land-Übergangs 
Nöglich. Im Rahmen der Drohnenmess- 
<ampagne wurde untersucht, ob Luftbild- 
daten ergänzende Informationen für den 
Aufgabenbereich des BSH-Seevermes- 
sungsdienstes liefern können (siehe dazu 
auch „Die Hydrographie —- der Schlüssel 
zum Meer“ auf Seite 28}. 
Umweltauswirkungen von 
Einleitungen aus Schiffsabgas- 
wäschern 
Jm die weltweiten Grenzwerte für den 
Anteil von Schwefel in den Schiffskraftstof- 
fen auch bei der Nutzung von Schweröl 
ainzuhalten, dürfen Schiffe als Alternative 
zu regelkonformen Kraftstoffen Scrubber 
(/Exhaust Gas Cleaning Systems - EGCS) 
zur Abgasreinigung verwenden. Abgas- 
yäscher reduzieren an Bord des Schiffes 
den Schwefel in den Schiffsabgasen. 
Jie überwiegende Anzahl der Scrubber 
spritzt den Abdampf mit Wasser ein. 
Damit wird der Schwefeldioxidausstoß 
arheblich gesenkt. Das durch die Wäsche 
antstehende Abwasser wird in der Regel 
ns Meer eingeleitet. 
Zund 4500 Schiffe sind zurzeit weltweit 
auf den Meeren mit Scrubbern unterwegs. 
Das entspricht rund 17 Prozent der welt- 
weiten Tragfähigkeit (DWT). Dadurch 
gelangen etwa 10 Milliarden Liter Wasch- 
wasser pro Jahr ins Meer. 2022 wurden 
ıach Einschätzungen fast 1300 Scrubber 
1achgefragt. 
Nach einer Untersuchung des Internatio- 
ı1alen Rats für sauberen Verkehr (Interna- 
tional Couneil on Clean Transportation — 
ICCT) gehört neben der Meerenge von 
Malaga und der Karibik auch die Ostsee 
zu den Meeren, die am stärksten von 
Scrubber-Abwaschwasser belastet sind. 
m Rahmen des internationalen Projektes 
„Environmental Impacts of Exhaust Gas 
Cleaning Systems for the Reduction of 
SO, on Ships - ImpEx“ haben internatio- 
nale Wissenschaftlerinnen und Wissen- 
schaftler das Scrubber-Abwasser vor 
verschiedenen Schiffen beprobt und 
analysiert. Das BSH hat in diesem Rah- 
men erstmalig auch die Auswirkungen 
des Waschwassers auf die Meeresumwelt 
untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass 
die Proben sauer sind und Schadstoffe 
wie Schwermetalle, polyzyklische aromati- 
sche Kohlenwasserstoffe und Ölrück- 
stände enthalten. Ökotoxikologische 
Untersuchungen ergaben, dass die Pro- 
ben als mäßig bis sehr toxisch mit poten- 
jell chronischen Auswirkungen einzustu- 
Fan sind. 
Die Ergebnisse werden unter anderem 
in dem Folgeprojekt „Modellierung der 
Scrubber-Abwassereinleitungen — 
MOSAB“ verwendet werden, um zu simu- 
lieren, wie sich die Schadstoffe aus Scrub- 
ber-Abwässern in der Nordsee und der 
Ostsee verbreiten. Um die Umweltwirkung 
der mit Schadstoffen belasteten Abwässer 
besser qualitativ, quantitativ sowie auf 
regionaler Ebene von OSPAR und HEL- 
COM bewerten zu können, entwickelten 
die Wissenschaftlerinnen und Wissen- 
schaftler das hydrodynamisch-biogeoche- 
mische Modellsystem des BSH (HBM- 
ERGOM) für die Nordsee und die Ostsee 
weiter. Das BSH unterstützt mit dieser 
Forschung die Diskussionen zum Umgang 
mit Waschwasser aus Scrubbern in natio- 
nalen, regionalen und Internationalen 
Gremien 
Das BSH hat das Projekt koordiniert. An 
dem Projekt mitgewirkt haben unter ande- 
ren in Deutschland neben dem BSH die
	        
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