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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1916,
Die außergewöhnlich günstige Lage machte auch den Versuch lohnend, die
Windgeschwindigkeit an der Bodenoberfläche selbst zu bestimmen, Die Auf-
zeichnungen des Schalenkreuzes in 0 m Höhe werde ich hier nur deshalb noch
nicht benutzen, weil in ihnen die Windgeschwindigkeit häufig unter die Reibungs-
konstante des Anemometers sank und das Schalenkreuz stehen blieb, so daß einem
Vergleich seiner Angaben mit jenen der übrigen methodologische Schwierigkeiten
entgegenstehen.
Am 9. April begannen die Aufzeichnungen, und da im April d.J, die
Wetterlage sehr ausgeprägte Verschiedenheiten aufwies, haben bereits diejenigen
der ersten drei Wochen das interessante Ergebnis geliefert, das den Gegenstand
dieser Mitteilung bilden soll. Um es sicher zu stellen, habe ich indessen auf
Bestätigungen gewartet, und da im Mai eine Unterbrechung eintrat, entnehme
ich diese dem Juni d. J. und führe analoge Zeiträume aus diesen beiden Monaten
auf Tafel 19 anschaulich vor.
Als die Pentadensummen für den April gebildet und graphisch dargestellt
waren, fiel sogleich der Gegensatz zwischen der Pentade vom 16. bis 20. und der-
jenigen vom 26. bis 30, April in die Augen. In ersterer reicht die mittägliche
Verstärkung des Windes vom Boden aufwärts, wenn auch fortschreitend abge-
schwächt, bis über 124 m hinauf. In letzterer dagegen ist sie schon in 82 m
Höhe durch ein starkes nächtliches Maximum der Windstärke ersetzt, das in
124 m so zunimmt, daß die Windgeschwindigkeit um 11 Uhr abends mehr als
doppelt so groß ist, wie um 8 Uhr morgens,
Die Wetterkarten zeigen sofort, daß während der Tage vom 16. bis
20. April d. J. NW-Deutschland anhaltend im Bereiche von Cyklonen lag, mit
Luftdruck zwischen 742 und 762 mm und Winden zwischen S und W, vom 26.
bis 30. April dagegen einem Hochdruckgebiet angehörte und Barometerstände
zwischen 764 und 771 sowie Winde aus östlicher Richtung hatte.
Ein ähnlicher Gegensatz zeigte sich im Juni zwischen den Tagen vom
11. bis 15. und vom 22, bis 25. Vom 10. bis zum 15, Juni vollzog eine kleine
Depression einen merkwürdigen Rundlauf von Ungarn über die Ostsee — wo sie
am Pfingstsonntag, dem 11., lag —, über das Skagerrak nach Belgien und zurück
zur Ostsee). Der Luftdruck in der Gegend von Eilvese war vom 11. bis 15.
zwischen 753 und 762 mm, das Minimum am 13. und 14. ganz in der Nähe; der
Wind zwischen S und W. Dagegen gehörte die Gegend am 22., 23. und 25. ‘Juni,
weniger am 24., einem Hochdruckgebiet an, mit Drucken von 761 bis 767 mm
und schwachen Winden aus verschiedenen Richtungen.
Tafel 19 zeigt nun in zweierlei Darstellung das ganz verschiedene Ver-
halten der täglichen Windschwankung oberhalb einer Höhe von etwa 20 bis 50 m
über dem Boden in beiderlei Wetterlagen. In der Cyklone reicht das mittäg-
liche Maximum der Windstärke im Juni bis gegen 80 m, im April sogar bis über
124 m hinauf; in der Anticyklone dagegen wird es schon bei 40 bis 80 m Höhe
durch ein entschiedenes, nach oben immer stärker werdendes, nächtliches Maxi-
mum ersetzt, neben dem aber ein viel kleineres um Mittag sich bis zur obersten
Höhe von 124 m erhält. Es kommt so in der Höhe eine Doppelwelle mit Minima
von 8h bis 94 morgens und 3% bis 5% nachmittags zustande, die am 22, bis 25, Juni
sogar in 16l/, m Höhe noch angedeutet ist und in 124 m Höhe auch in den
cyklonalen Tagen im Juni wiederkehrt, während im April diese bis oben hinauf
ein einfaches Mittagsmaximum aufweisen,
Diese Perioden zeigen sich am deutlichsten in den vier Diagrammen der
rechten Hälfte unserer Tafel, deren Abseissen die Tageszeit, deren Ordinaten
die Windgeschwindigkeit bedeuten und deren gebrochene Linien für die daneben
angegebenen Höhen über dem Boden gelten. Die vier Diagramme der linken
Hälfte zeigen dagegen für dieselben Zeiträume die Linien gleicher Windstärke;
die Abseissen bedeuten auch hier die Tageszeit, die Ordinaten aber in diesen
Diagrammen die Höhe über dem Boden. Durch Strichelung ist Zeit und Raum
1) .Vgl. Köppen: »Der kühle Juni« in »Das Wetter«, Juliheft 1916 und das Kärtchen dazu
im Augustheft.