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6. Zwischen den Parallelen von 30° und 40° Süd-Br. war die grösste
Tiefe der Isotherme von 15.6° C. 293 Met. (160 Faden); die Isotherme von
4.4° C., welche zwischen 30° und 40° Nord-Br. quer über den ganzen Ocean
eine durchschnittliche Tiefe von 1463 Met. (800 Faden) erreicht, liegt nur wenig
mehr als halb so tief in irgend einem Theil des Südatlantischen Oceans.
Diese Eigenthümlichkeiten können folgendermassen erklärt werden: Die
Kraft der Sonne, das Wasser unter der Oberfläche direct zu erwärmen, scheint,
zelbst in tropischen Gegenden, ausserordentlich beschränkt zu sein, denn wir
fanden in 3.8s° Nord-Br. und 14° 49‘ West-Lg. in einer Tiefe von 183 Met.
(100 Fad.) dieselbe Temperatur im April 1876, welche wir im August 1873
ebenda angetroffen hatten, obgleich die Temperaturen an der Oberfläche um
33° C. von einander abwichen: sie betrugen nämlich im August 25.6° und im
April 28.9° C.
Achnliche Ergebnisse hat Dr. Carpenter im Mittelmeer im Jahr 1870
erlangt. Er fand, dass in diesem Meer die Temperatur von 100 Faden abwärts
bis zum Meeresboden dieselbe blieb, gleichviel, welche Temperatur das Wasser
an der Oberfläche hatte, Ist also die direcete Wärme der Sonne schon in den
äquatorialen Gegenden unzureichend, um auf die Temperatur des Wassers unter-
halb von 183 Met. (100 Faden) einzuwirken, so dürfte dies in den gemässigten
Zonen in noch höherem Grade der Fall sein; und in der ‘That nimmt die dem
Oberflächen -Wasser von der Sonne direct mitgetheilte Wärme ab, sobald die
höheren Breiten erreicht sind, bis man zu solchen Stellen gelangt ist, wo die
Temperatur an der Oberfläche die des Gefrierpunktes des Salzwassers ist. Das
Salzwasser ist aber bei seinem Gefrierpunkt dichter, als bei irgend einer anderen
höheren Temperatur; da nun die Temperatur des Salzwassers bei dem Maximum
der Dichtigkeit um 1.1° C. niedriger ist, als die Temperatur des Gefrierpunktes,
and das Wasser gerade bevor es gefriert, schwerer ist, als Wasser zu irgend
ainer höheren Temperatur, so muss dieses Wasser von der Temperatur des Ge-
"rierpunktes des Salzwassers natürlich niedersinken und würde mit der Zeit —
falls keine anderen Umstände es verhindern sollten — den ganzen, von der
Sonne nicht beeinflussten Raum des Oceans unterhalb der Tiefe von 183 Met.
(100 Faden) einnehmen, d. h. das ganze Volumen des Oceans mit Ausnahme
ziner Schicht von höchstens 183 Met. (100 Faden) Tiefe würde die Temperatur
des Gefrierpunktes des Salzwassers besitzen.
Ausser der, der Oberfläche mitgetheilten Wärme sind aber hierbei noch
die Wirkungen der Verdunstung und des Niederschlages in Erwägung zu ziehen.
Wo die Wärme am grössten ist, da findet die schnellste Verdunstung Statt;
obgleich also das Oberflächenwasser wärmer sein kann, so wird es doch ver-
möge seines zunehmenden Salzgehalts dichter sein, als das unter ihm befindliche
Wasser, so dass es niedersinken und seine Wärme den unteren Schichten mit-
iheilen wird. Alles von der Oberfläche verdunstete Wasser wird wieder nieder-
geschlagen, aber nicht nothwendigerweise in den Theilen, wo die grösste Ver-
dunstung stattfindet.
Salzgehalt und Dichtigkeit des Oberflächenwassers hängen also von drei
Factoren ab: von der Temperatur, der Grösse der Verdunstung und der Menge
des Niederschlages. Wo die Menge des verdunsteten Wassers die Regenmenge
bedeutend übersteigt, da wird die beständig niedersinkende Oberflächenschicht
ihre Wärme dem unter ihr befindlichen Wasser mittheilen; wo aber der
Niederschlag der Verdunstung nahezu gleich kommt, oder dieselbe übertrifft,
da können wir erwarten, dass das wärmere Wasser an der Oberfläche bleibt
and dass die Isothermen höherer Temperaturgrade nur bis zu geringer Tiefe
reichen.
In den Aequatorialgegenden scheint, obgleich die Verdunstung daselbst
sehr gross ist, doch auch.in der Regel eine grössere Menge von Niederschlag,
als in irgend einem andern Theil des Oceans, zu fallen. Sollte diese Regen-
menge auch nicht ganz gleich der Verdunstungsmenge sein, so ist sie doch hin-
reichend, um, in Verbindung mit der Temperatur der Oberflächenschichten, zu
verhindern, dass das Wasser derselben dichter wird, als das Wasser unter
ihnen; somit hält sich das erwärmte Wasser an der Oberfläche. Bliebe nun
dies Wasser auch an derselben Stelle, so würde ein Ueberschuss von Verdun-
stung über Niederschlag ohne Zweifel mit der Zeit das Wasser hinreichend