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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 47 (1919)

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; Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1919. 
dürfte nur wenig Staub die Atmosphäre verunreinigen und hier wohl nur von 
den vertikalen Luftmassenverschiebungen bei den großen atmosphärischen 
Störungen herrühren. 
Die für uns in Betracht kommende staubbeladene Luftschicht reicht also 
höchstens bis 1000 m; die mittlere Verteilung des Staubes in ihr richtet sich wohl 
in erster Linie nach der Größe der Staubteilchen bzw. nach ihrem Gewicht, derart 
daß in den bodennahen Schichten der Staubgehalt wesentlich größer ist als in 
den oberen. Die Abnahme der Staubdichte wird ziemlich groß sein besonders in 
den untersten Schichten, in denen die Änderungen rasch und unvermittelt sein 
können. Aitkens Kern- (Stäubchen-) Zähler hat in der Nähe des Erdbodens bei 
trockenem Wetter Zahlen bis etwa 100000 pro cm? geliefert, wobei es sehr frag- 
lich ist, ob mit demselben die gröberen Teilchen, die hier besonders wichtig sind, 
überhaupt zur Wirkung gelangen. Die erwähnte Anzahl der Staubteilchen pro 
cm®3 ist natürlich nur eine die Größenordnung angebende Zahl; sie schwankt in 
der einen sowie in der anderen Richtung in weiten Grenzen, Auf Berggipfeln 
ist der Staubgehalt (besonders früh, wo die Luft durch die tagsüber aufsteigenden 
Luftströme noch nicht verunreinigt ist) wesentlich geringer [Rigikulm!) (1880 m) 
etwa 400 bis 800, Patscher Kofel?) (1970 m) etwa 200 bis 300 pro cm8®]. Die 
Abnahme von 100 000 pro em* in etwa 10 bis 20 m über dem Erdboden auf etwa 
1000 in 1000 m Höhe ist sehr groß und dürfte in der freien Atmosphäre wohl 
noch größer sein. 
Was die Größe der Staubteilchen betrifft, so kommen wohl die verschie- 
densten Größen vor, von den sichtbaren Teilchen (namentlich bei auffallendem 
Licht) bis zu jenen Größen, welche auch mit dem Mikroskop nicht mehr gesehen 
werden können, 
Es wird wohl kaum möglich sein auf Grund unserer jetzigen Kenntnisse 
über den Staubgehalt der unteren Luftschichten uns rechnerisch über die Größe 
des Absorptionskoeffizienten einer staubbeladenen Luftschicht zu orientieren. 
F. E. Fowle®) hat hingegen anläßlich seiner Untersuchungen über die Ver- 
gleichung der Durchlässigkeit der irdischen Atmosphäre, wie sie von mehreren 
Beobachtern in verschiedenen Seehöhen bestimmt worden sind, mit den auf dem 
Mount Wilson gewonnenen Werten und in seinen Untersuchungen über die 
Schwächung der Sonnenstrahlung durch den Wasserdampf der Atmosphäre, gute 
Anhaltspunkte über die Größe der durch den Staubgehalt der Luft (trockenen 
Dunst) bedingten Schwächung der Strahlung erhalten. Es ist ihm gelungen, die 
dem trockenen Dunst (Staub) entsprechenden vertikalen Absorptionskoeffizienten 
für verschiedene Höhen zu ermitteln, die gerade für unsere Untersuchung von 
besonderer Wichtigkeit und deshalb hier mitgeteilt sind: 
Vertikale Absorptionskoeffizienten für trockenen Dunst. 
Ort . . . . Mont Whitney Alta Vista Pedrogil Bassour Orotava Potsdam Upsala Washington 
Höhem. . . 4420 3260 1950 1160 100 90 50 10 
Absorptions- 
koeffizient in 9% 0.5 1.1 0.95 1.5 7.1 4.3 4,] 9.4 
Wie Fowle zeigte, weisen diese vertikalen Absorptionskoeffizienten vor 
allem keine Abhängigkeit von der Wellenlänge; die durch den Staub bedingte 
Schwächung der Strahlung scheint demnach eine tatsächliche, über das ganze 
Spektrum sich ausdehnende völlige Absorption der Strahlung zu sein; die Strah- 
lung wird von den Staubteilchen aufgefangen und dient zur Erhöhung ihrer 
Temperatur. Die durch trockenen Dunst (Staub) bedingte Störung der normalen 
Schwächung der Sonnenstrahlung scheint bei einer Höhe von etwa 1000 m zu 
verschwinden; darüber ist die durch Staub bedingte Vergrößerung des Absorp- 
ı) J. Hann, Lehrbuch der Meteorologie, III. Aufl., S, 15. 
2) H. v. Ficker und A, Defant, Über den täglichen Gang der elekt, Zerstreuung und des 
Staubgehaltes auf dem Patscher Kofel. Sitzb. der Wiener Akad, 1905, Bd. 104. 
3) F. E. Fowle, Die Durchlässigkeit der Atmosphäre für Strahlung. Meteorol. Zeitschr. 1914, 
S. 270 und mein Referat über Fowles Untersuchungen über den Anteil des Wasserdampfes bei der 
Schwächung der Sonnenstrahlung in der Atmosphäre der Erde. Ebenda, 1916, S. 211,
	        
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