Maas: Quantitative Bildsequenzanalyse im Umweltmonitoring
Die Verwendung außerhalb des Gefährdungsbereichs aufgestellten terrestri-
schen Kameras erlaubt hier die Bestimmung von Wasserspiegel- und Volu-
menänderungen in Gletscherrandseen mit hoher zeitlicher Auflösung und
hoher Genauigkeit. Durch die automatische Detektion der Wasserspiegellinie
und die Projektion eines digitalen Geländemodells ins Bild der Kamera ergibt
sich ein virtueller Pegel mit einer Genauigkeit im Bereich von wenigen Zenti-
metern (Mulsow et al. 2015). Das Konzept eignet sich auch zur Verdichtung
aufwendiger und teurer konventioneller Pegelnetze an Flüssen.
Monoskopische terrestrische Bildsequenzen stellen ein flexibles Werkzeug
zur räumlich-zeitlich aufgelösten Analyse des Bewegungsverhaltens von
Gletschern dar (Maas et al. 2013, Schwalbe und Maas 2017). In den Bild-
sequenzen werden durch Verfahren der automatischen Merkmalsverfolgung
Punkte an der Gletscheroberfläche über längere Zeit verfolgt. Die so bestimm-
ten 2D-Trajektorien stellen eine Grundlage für Untersuchungen zum Bewe-
gungsverhalten eines Gletschers dar. Am Jacobshavn Isbree in West-Grönland
(siehe Abb. 2) wurde dadurch eine Zunahme der Geschwindigkeit des Glet-
schers von 20 Meter pro Tag im 20. Jahrhundert auf nunmehr 40 Meter pro
Tag bestimmt. Außerdem konnte eine Gezeitenabhängigkeit der Gletscher-
bewegung im vorderen Teil der Gletscherzunge nachgewiesen werden. Aus
dieser Gezeitenabhängigkeit können Rückschlüsse über die Lokalisierung der
Aufsetzlinie (grounding line) des Gletschers gezogen werden (Dietrich et al.
2007), wodurch bisher messtechnisch nicht erfassbare Informationen über
das Bewegungsverhalten des Gletschers gewonnen werden.
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Abb. 2: Kamera am Jacobshavn Isbrae, Grönland
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DVW-SCHRIFTENREIHE = Band 102/2022
5 Wißner-Verla.