Schiller: Hydrographie von A bis Z
Textkorpus wird später erweitert. Das initiale Textkorpus besteht aus 40 Quel-
len, im Wesentlichen aus den Ausgaben der Hydrographischen Nachrich-
ten (Ausgabe 80 bis 118), in denen 368 deutsche Fachartikel veröffentlicht
wurden.
Aus dem Textkorpus habe ich softwaregestützt nach und nach die verschiede-
nen Fachwörter extrahiert.
Dann habe ich untersucht, welche Fachwörter im Textkorpus synonym ver-
wendet werden (z. B. Tiefenlinie, bathymetrische Konturlinie, Isolinie).
Als nächstes habe ich nach Homonymen gesucht, also nach Fachwörtern, die
mehrere Bedeutungen haben (z. B. Untiefe, was zum einen eine seichte Stelle
im Gewässer meint, zum anderen eine besonders tiefe Stelle).
Damit es in der Kommunikation nicht zu Missverständnissen kommt, weil
ein und derselbe Begriff mit unterschiedlichen Fachwörtern bezeichnet wird,
ist es sinnvoll, sich über die Verwendung der Fachwörter Gedanken zu ma-
chen. Auf Basis von linguistischen Kriterien habe ich abgewogen, welche
Fachwörter bevorzugt verwendet werden sollten und welche Synonyme bes-
ser nicht (lieber Tiefenlinie als bathymetrische Konturlinie).
Sodann habe ich ermittelt, wie häufig jedes Fachwort im Textkorpus vor-
kommt (Tiefenlinie kommt 40-mal vor, bathymetrische Konturlinie nur ein-
mal). Die Häufigkeit sagt etwas über die Relevanz und Gebräuchlichkeit der
Fachwörter aus. Ich unterscheide fünf Häufigkeitsklassen (bis zu zehn Fund-
stellen, bis 25, bis 50, bis 100, über 100).
Ein weiterer Schritt besteht darin, festzustellen, welche Fachwörter exklusiv
zur Hydrographie gehören und welche eher aus anderen Bereichen kommen.
Ich unterscheide zwischen intrafachlichen, interfachlichen und extrafachli-
chen Fachwörtern. Intrafachliche Fachwörter entstammen der Fachsprache
der Hydrographie und werden überwiegend in fachinterner Kommunikation
verwendet. Interfachliche Fachwörter stammen aus anderen Fachsprachen,
z.B. der Ozeanographie oder der Kartographie, und werden in interdiszipli-
närer Kommunikation verwendet. Extrafachliche Fachwörter haben ihren
Ursprung in den Fachsprachen der grundlegenden Wissenschaftsbereiche,
z.B. Geographie, Physik, Mathematik.
Hilfreich ist der Blick in vorhandene Nachschlagewerke - Wörterbücher, Le-
xika, Normen, Glossare —-, z. B. in die DIN 18709-3 oder in das Hydrographic
Dictionary (S-32), um erste Definitionen und fremdsprachige Äquivalente
zusammenzutragen.
Der entscheidende Schritt besteht darin, Begriffssysteme zu erstellen, um op-
tisch aufzuzeigen, wie die einzelnen Begriffe zusammenhängen (z.B. lassen
sich sowohl Tiefenlinien in Gewässern als auch Höhenlinien an Land dem
allgemeineren Oberbegriff der Isolinien zuordnen).
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DVW-SCHRIFTENREIHE # Band 102/202?
5 Wißner-Verla