XIV
Wio auf Coramando sehen wir, an der Spalte der Breiten summen, wie auch
an den einzelnen Schnittpunkten, die Schiffe von ihrem nördlichem
Winterwege wegschwenken nach den südlichem Wegen der Monate
März, April, Mai, Juni für Ausreisen, und Februar bis Juli auf
den Rückreisen, weil dann das über die Neufundland Bänke südlich herunter-
ziehendo grönländisch-spitzbergische Eis den Schiffen den Weg verlegt, bis nach
Mitte des Sommers die Schmelzung soweit vorgeschritten ist, thcils durch directe
Insolation, theils durch das Hinaufrücken dos Golfstroms, dass die Schiffe
wieder nördlicher ziehen können. Interessant ist zu sehen, dass auf den Aus
reisen durchweg trotz des Eises ein nördlicherer Kurs genommen wird, als auf den
Rückwegen, bei denen man die eben gemachte Erfahrung noch im Gedächtniss
hatte. Dass alle Auswege überhaupt in allen Jahreszeiten nördlicher liegen als
die Rückwege, erklärt sich durch die Rücksicht auf den Golfstrom, welche
freillich auch in den letzten Herbstmonaten genommen zu werden scheint, nach
unserer Ansicht trotz gewichtiger Gegengründe. Alle Rückreisen dauern zwischen
11 und 12 Tagen im Mittel aller Reisen aller Schiffe; die Dauer der Ausreisen
liegt zwischen 13.39 Tagen im Februar und 11.36 Tagen im Juli; wie die
modernen Schiffe diese Zeiten schon herabgedrückt haben, ist oben schon vor
geführt. Wegen der Details glauben wir uns auf „Mittheilungen III. und IV.“
beziehen zu sollen.
Es war nun die Frage, wie diese verschiedenen Erfahrungen könnten nutzbar
gemacht werden für die einzelnen Monatsfahrten. Eine gewisse Constanz der
Erscheinungen liegt vor trotz allem Wechsel der Einzelheiten; ein flaues Ignoriren
führt zum go-a-hcad-System, und Ubergrosse Zuversicht zum Pessimismus. Wir
haben uns dafür entschieden, die Gewalt von mehr denn tausend Thatsachen
anzuerkennen, indem wir uns zugleich möglichst nicht gerade auf den allgemein
historischen Boden stellten, sondern uns mit der Gegenwart in thunlichster
Fühlung hielten. Wir haben deshalb den bestimmenden Unterschied zwischen
den schnellen und langsamen, sodann zwischen den schnellsten und langsamsten
Fahrten ausfindig zu machen gesucht, und als fast durchgängigen Characterzug
der schnellen und schnellsten Reisen erkannt die nördlichere Lage des Weges,
d. h. die Annäherung an den relativ kürzesten Weg, in der zweiten Jahreshälfte,
und die südlichere Lage des Weges, d. h. die Annäherung an den relativ
sichersten ungestörtesten Weg in der ersteren Hälfte des Jahres. In dem
Streben diesen zu finden, sind freilich Manche über das Ziel hinausgegangen,
und so erklären sich viele Schwankungen. Es ist diese Methode der Unter
suchung aus den „Mittheilungen III. und IV.“ bis ins Einzelne, und schliesslich
bis zu einer Zusammenstellung der Monats-Mittel der schnellsten Reisen und
der allerschnellsten Monatsreise durchgeführt. Vergleicht man deren Zahlwertho
mit einander, so wird man sich ein Urtheil darüber zu bilden haben, ob dem
Mittel oder der einzelnen allorschnc-llsten Fahrt das grössere Gewicht beizulegen
ist. War bisher die Untersuchung eine rein empirische, so treten daun auch
meteorologische Momente hinzu. Aus allen diesen Erwägungen folgen nun die
sogenannten Normalwege für die Aus- und Rückreisen. Da dieselben schon in
den „Mittheilungen III. und IV.“ dargelegt sind, so bleibt jetzt nur noch übrig,
alle Mittel der schnellsten Reisen mit den allerschnellsten Reisen aller Dampfer
zusammenzustellen, um so zu einer Anschauung der im allgemeinen Mittel aller
Fahrten als die besten erachteten, oder wenigstens befolgten Wege zu gelangen.
Ein Blick über die Breitensummen genügt, um zu erkennen, wie im Frühjahr