Klindt: Digitalisierung und autonome Verkehre ..
insbesondere solche Szenarien, welche sich in zeitlich wie räumlich begrenzten
Fahrtgebieten mit „überschaubaren Konkurrenzverkehren“ und Fahrtaufgaben
darstellen. Hierzu gehören u.a. einfache Zubringerverkehre, Fähren, Überwa-
chungs- und Vermessungsfahrzeuge.
Die Verfügbarkeit neuer Technologien wurde von der maritimen Branche
zu allen Zeiten begierig aufgenommen und auf ihre jeweilige Eignung für den
Einsatz im harten Schiffseinsatz geprüft. Die fortschreitende Entwicklung aus-
gefeilter Rettungsmittel für Kreuzfahrtschiffe, schiffbauliche Verbesserungen im
Bereich des Transportes gefährlicher oder umweltgefährdender Ladungen oder
die Entwicklung der elektronischen Seekarte sind nur einige der zahlreichen
Neuerungen der vergangenen Jahrzehnte.
Dabei stammen nicht alle Entwicklungen notwendigerweise immer originär
aus dem Bereich der Schifffahrt. Andere Branchen wie die Logistik, die IKT
Branche oder auch die Materialwissenschaften befruchten häufig mit zunächst
branchen-fremden Impulsen auch die maritime Branche. Es ist daher nur legitim
zu fragen, welche branchenübergreifenden Forschungs- und Technologietrends
aus heutiger Sicht wesentlichen Einfluss auf die technologische Entwicklung der
maritimen Branche nehmen oder absehbar nehmen werden.
Aber auch umgekehrt ist natürlich die Frage zu betrachten, wie sich mit einem
zunehmenden Einsatz digitalisierter, autonomer Systeme in Häfen und an Bord
neue Bedarfe und Anwendungen etablieren werden. Nicht alle diese Entwick-
lungen sind bereits heute in ihren Folgen umfänglich abschätzbar.
Deutlich wird aber bereits heute, dass mit der zunehmenden Einführung
autonomer Technologien als logische Fortentwicklung und Konsequenz aus der
maritimen Digitalisierungswelle völlig neue Bedarfe an digitalen Informationen
für Hafenentwicklung und -management, Schiffsbetrieb und Nautik, maritime
Sicherheit, Logistik und Personentransporte entstehen werden. Bereits heute ist
beispielsweise absehbar, dass die für den sicheren Betrieb eines autonomen See-
schiffes bereitzustellenden nautisch-hydrographischen Informationen nicht ein-
fach aus dem aktuellen Bestand nautischer Informationen aufzubereiten wären.
Aber auch im Bereich der Verkehrsplanung und -koordinierung in den Häfen
und Revieren sind bereits heute weitreichende Konsequenzen für zukünftige
Datendienste erkennbar.
Zahlreiche internationale Organisationen und Arbeitsgruppen wie die IMO,
die IALA und die IHO beschäftigen sich bereits intensiv mit diesen Fragen. Al-
lein, hierbei geht es primär zunächst einmal in hoch-innovativen Zeiten wie
heute darum technischen Fortschritt zuzulassen, gleichzeitig aber „proprietären
Wildwuchs“ im Bereich der neuen Technologien zu vermeiden. Die großen mit
dieser wegweisenden Entwicklung aber wirklich verbundenen Chancen zu be-
greifen und hieraus innovative Produkte für die Schifffahrt von Morgen zu ent-
wickeln, das bleibt visionären Akteuren in Wirtschaft und Industrie vorbehalten.
DVW-SCHRIFTENREIHE # Band 102/202,
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