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Full text: Jahresbericht 2021 - Für Schutz und Nutzung der Meere - für eine lebenswerte Zukunft

412 Neuer maritimer Raumordnungsplan für Nordsee und Ostsee 
Neuer martümer Raumoraänur.>5.an für Nord- 
see und Ostsee 
Rund 70 Prozent der Meeresfläche des gesamten deutschen Nordseegebietes und 
rund 29 Prozent der Meeresfläche des gesamten deutschen Ostseegebiets bilden 
die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) jenseits des Küstenmeers. 
Hinsichtlich dieser Fläche von 32982 km? kann Deutschland gem. Art. 55 des UN- 
Seerechtsübereinkommens die alleinige wirtschaftliche Nutzung vornehmen und 
in begrenztem Umfang souveräne Rechte und Hoheitsbefugnisse wahrnehmen. 
Schifffahrt und Fischerei, Sand- und Kiesabbau, Gasgewinnung, Verlegung von 
Rohrleitungen und Seekabeln, Wissenschaft und Forschung, militärische Übungen 
sowie die Gewinnung regenerativer Energien sind Nutzungen in diesem Raum. 
Gleichzeitig ist Deutschland als Küstenstaat laut Seerechtsübereinkommen dem 
Schutz und der Bewahrung der Meeresumwelt und damit dem Naturschutz ver- 
pflichtet. Nordsee und Ostsee sind wichtige Lebensräume für bedeutende Säuge- 
tier-, Fisch- und Vogelarten sowie für eine Vielzahl an Bodenlebewesen. Meeres- 
raumplanung ordnet und sichert diese konkurrierenden Nutzungsinteressen und 
Schutzansprüche. 
Durch stetig wachsende Inanspruch- 
ıahme des Meeres, die vor allem auf 
1eue Interessen wie etwa den Ausbau der 
Iffshore-Windenergie zurückzuführen ist, 
<ann es zu Konflikten zwischen Nutzun- 
gen untereinander und mit dem Meeres- 
n1aturschutz in diesem besonderen Natur- 
-aum kommen. In diesem Spannungsfeld 
aus Wirtschaft, Wissenschaft und Umwelt 
spielt die Meeresraumplanung eine ent- 
scheidende Rolle. Sie ist ein vorausschau- 
andes Planungsinstrument für die nach- 
ıaltige Entwicklung auf dem Meer, das die 
\utzungsinteressen und Schutzansprüche 
<oordiniert. 
Im Gegensatz zur Raumplanung an Land 
gezieht die maritime Raumordnung 
Meeresoberfläche, Wassersäule, Meeres- 
Joden und Meeresuntergrund in die 
?lanungen ein. Sie erfasst auf einer 
ibergeordneten Ebene geplante und 
gereits stattfindende Aktivitäten auf dem 
Meer, soll vorhandene Nutzungskonflikte 
Ninimieren und damit zukünftigen Prob- 
emen weitgehend vorbeugen. Sie ord- 
1et zum Schutz der Meeresumwelt und 
der Natur die Nutzung der Meere. Auch 
für politische Ziele wie den gesetzlich 
festgelegte Ausbau regenerativer Ener- 
Jien für die nationale Energiewende 
schafft die maritime Raumordnung die 
-äumliche Grundlage. 
2009 traten die ersten Raumordnungs- 
pläne für die deutsche AWZ der Nordsee 
und der Ostsee in Kraft. Seitdem haben 
sich die Vorhaben zur Meeresnutzung und 
die tatsächlichen Nutzungen der Meere 
weiterentwickelt. Die Wissenschaft hat für 
die Raumordnungspläne für die deutsche 
AWZ Empfehlungen für eine Weiterent- 
wicklung erarbeitet. Auf europäischer 
Ebene ist 2014 die Richtlinie zur Schaf- 
‘ung eines Rahmens für die maritime 
Raumplanung (MRO-Richtlinie) in Kraft 
getreten. Infolge des Fortschritts der 
tatsächlichen Aktivitäten und der geänder- 
(en rechtlichen Rahmenbedingungen 
wurde die Überarbeitung und Aktualisie- 
rung der Raumordnungspläne aus 2009 
erforderlich. 
.M Juni 2019 wurde durch das für die 
Meeresraumplanung zuständigen Bun- 
desministerium des Innern, für Bau und 
Heimat (BMI, mittlerweile ist die Zustän- 
digkeit für die Raumordnung zum neuen 
Bundesministerium für Wohnen, Stadtent- 
wicklung und Bauwesen - BMWSB - 
gewechselt) die Fortschreibung und 
Aktualisierung der bestehenden Raum- 
ordnungspläne eingeleitet. Bei der Fort 
schreibung des Raumordnungsplans 
wurde eine Strategische Umweltprüfung 
(SUP) durchgeführt, in deren Rahmen ein 
Umweltbericht für die deutsche AWZ der
	        
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