3iofouling: Managementstrategien zur Minimierung nicht-einheimischer Arten 39
Als sogenannte gebietsfremde Arten
werden sie mit dem internationalen See-
verkehr weltweit verbreitet. Manche dieser
\leobiota finden außerhalb ihrer heimi-
schen Biotope neue Lebensräume, sie-
deln sich dort an und können Im ungüns-
tigsten Fall zu invasiven Arten werden.
Das kann zur negativen Beeinträchtigung
der Umwelt und der jeweiligen Ökosys-
'eme führen, aber auch eine Gefahr für
die die menschliche Gesundheit und
Wirtschaft darstellen. Neben Ballastwas-
ser ist Biofouling einer der zentralen Ein-
oringungs- und Ausbreitungsvektoren für
aicht-einheimische und potentiell invasive
Arten.
An Schiffen können sich innerhalb von
sechs Monaten bis zu 150 kg Organismen
9aro Quadratmeter ansiedeln. Sie erhöhen
das Gewicht jedes Schiffes und dessen
Strömungswiderstand, verbunden mit
ainer Beeinträchtigung der Manövrierfä-
aigkeit der Schiffe. Erhöhtes Gewicht und
größerer Strömungswiderstand können
ainen Anstieg des Kraftstoffverbrauchs
um bis zu 40 Prozent und damit einen
entsprechend höheren CO»-Ausstoß
auslösen. Beschädigungen im Beschich-
:ungsaufbau und erhöhte Korrosion sind
weitere Folgen. Irgendwann sind kosten-
ntensive und aufwendige Reinigungs-
arbeiten unvermeiglich.
Die Schifffahrt schützt die Schiffsrümpfe
und Nischenregionen an Schiffen häufig
nit sogenannten Antifoulingsystemen
‘AFS), die zu 95 Prozent biozichaltig sind
nd das Biofouling minimieren sollen.
Die dennoch notwendige Reinigung von
sSchiffsrümpfen kann Biozide, Farb- und
Kunststoffpartikel und gebietsfremde
aquatische Organismen freisetzen. Des-
1alb ist die Unterwasserreinigung In vielen
_ändern verboten. In Deutschland arbei-
:en die norddeutschen Bundesländer an
national einheitlichen Regelungen für die
Zulassung von Unterwasserreinigung. Auf
ınternationaler Ebene strebt die IMO eine
abgestimmte Lösung an.
Datenbank zum Biofouling-
Management
Um die Berufs- und Sportschifffahrt im
Umgang mit Biofouling zu unterstützen,
veröffentlichte das BSH 2021 eine Daten-
bank (QR-Code) zum Biofouling-Manage-
ment, die über Beschränkungen und
Bestimmungen der Unterwasserreinigung
von Schiffen und Sportbooten im Ostsee-
raum informiert. Sie beinhaltet Daten zu
Anforderungen und Möglichkeiten der
Unterwasserreinigung In Häfen und Mari-
nas und Informiert über die Biozide und
antsprechende Antifoulingprodukte, die ir
den EU-Mitgliedstaaten für den Schutz
von Schiffsrümpfen zugelassenen sind.
Tabellarisch zeigt sie für alle ausgewähl-
en Häfen die jeweiligen Bestimmungen
Jnd Beschränkungen für Unterwasserrei-
nigung an. Die Datenbank ist ein Ergebnis
des europäischen grenzüberschreitenden
nterreg Baltic Sea Region Projekts „Ver-
vollständigung der Managementoptionen
im Ostseeraum zur Verringerung des
Risikos der Einschleppung iInvasiver Arten
durch die Schifffahrt“ (Completing
management options in the Baltic Sea
Region to reduce risk of invasive species
introduction bv shipping -— COMPLETE).
Die Projektpartnerinnen und -partner
entwickeln sowohl Maßnahmen, die die
Einschleppung und Verbreitung von
gefährlichen aquatischen Organismen
und Krankheitserregern durch die Schiff-
“ahrt insgesamt reduzieren sollen, als
auch eine gemeinsame Strategie für den
Ostseeraum für den Umgang mit Biofou-
ling. Im Nachfolgeprojekt COMPLETE
PLUS arbeitet das BSH aktuell an einem
Entwurf für eine regional abgestimmte
Risikobewertung, die als Grundlage für
die Genehmigung von Unterwasserreini-
gungen von Schiffen und Sportbooten im
Ostseeraum und die dafür erforderlichen
Produkte dienen soll.
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Datenbank zum Biofoulinga-Management