23 Digitalisierung in der Schifffahrt
Dazu gehören sichere Netzwerkkommuni-
xation und robuste Schiffssteuerung mit
Systemüberwachungs- und Sicherheits-
systemen. Das Forschungsprojekt GALI-
_EOnautic lieferte den Machbarkeitsnach-
weis für automatisiertes Navigieren und
aptimiertes Manövrieren von vernetzten.
<ooperierenden Schiffen in Häfen am
Zeispiel von Demonstratoren im kleineren
Maßstab.
im Folgeprojekt GALILEOnautic 2 wurden
die entsprechenden Methoden ergänzt und
für relevante Automatisierungsfunktionen
weiterentwickelt. Projektziel war die Darstel-
ung eines autonom agierenden Netzwerks
/on Maritimen Aktivitäten innerhalb einer
geschränkten Hafenumgebung. Dafür ist
aine hochgenaue und robuste Lokalisie-
ung jedes einzelnen Knotenpunktes
1otwendig. Verwendet wurden GPS- und
SALILEO-Daten, Die Algorithmen und
Automatisierungsfunktionen wurden auf
dem BSH-Schiff DENEB erprobt, welches
dazu vollumfänglich mit Technologien und
Sensoren ausgestattet wurde, um autonom
'm Hafen fahren zu können. Dafür wurden
Schnittstellen auf dem Schiff umgesetzt, die
aine Automatisierung der Antriebs- und
Steuereinheiten ermöglichen.
Mit der Umrüstung kann die DENEB auto-
natisiert über einen Kontrollrechner
gesteuert werden und autonom man6övrie-
‚en. Ein Assistenzsystem auf dem Schiff
zeigt an, welche Stellgrößen das Rege-
ungssystem setzt und welchen Einfluss
das auf die Schiffsbewegungen hat.
Die Schiffsbesatzung kann jederzeit bei
Bedarf manuell die Schiffsführung über-
1ehmen. Die automatischen Funktionali-
äten wurden zunächst auf der offenen
Istsee getestet. Im September 2021 legte
die DENEB dann vollautomatisiert im
Äafen von Rostock an. Das VWFS DENEB
st weiterhin für Forschung und Entwick-
ung im Bereich der autonomen Schifffahrt
m Einsatz und ergänzt die Forschungs-
und Entwicklungsaktivitäten des BSH zum
Beispiel zum Schutz vor Cyvberrisiken.
Wachfreie Brücke
Gemeinsam mit Partnerinnen und Part-
nern aus Wissenschaft und Wirtschaft
arbeitet das BSH im Rahmen des Projek-
tes B Zero an der Entwicklung einer zeit-
weise wachfreien Brücke. Die Schiffs-
brücke soll mehrere Stunden unbesetzt
bleiben können, um Freiräume für andere
Arbeiten zu schaffen und um flexible
Wachrhythmen zu ermöglichen. Sensoren
Jnd Computer sollen die Steuerung des
Schiffs übernehmen.
m Rahmen von B Zero entwickeln Wis-
senschaftlerinnen und Wissenschaftler eir
integriertes Sensor- und Navigationssys-
tem. Der nautische Entscheidungsprozess
wird dabei von KI unterstützt, welche die
erfassten Informationen auswertet und
entsprechende Reaktionen einleitet, sowie
einem Dokumentationssystem, das die
wichtigsten Daten verarbeitet und spei-
chert.
Für die wachfreie Brücke wird mit einem
automatischen Ausguck (Auto Lookout) eir
Sensorsystem entwickelt, das Objekte im
Umfeld des Schiffes erfassen, identifizieren
und beobachten soll. Das automatische
Wachsystem trifft selbstständig unter
Berücksichtigung der Vorgaben durch die
Schiffsführung Navigationsentscheidungen
Eine Mensch-Maschinen-Schnittstelle
(Human Machine Interface — HMI), ermög-
licht im Bedarfsfall die Zusammenarbeit
des automatischen Systems mit dem wach-
freien Schiffspersonal.
Das Projekt B Zero ist Teil der „Maritimen
Forschungsstrategie 2025“ des BMWK.
Als Konsortialpartner verifiziert und vali-
diert das BSH die Systeme und erarbeitet
«onkrete Empfehlungen für die erforder-
liche Anpassung internationaler Regula-
rien.