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Full text: Jahresbericht 2021 - Für Schutz und Nutzung der Meere - für eine lebenswerte Zukunft

Die maritime Branche 15 
Am 12. Juni 2021 hat die EU-Kommission 
die Regelung zur Förderung der Lohnne- 
genkosten in der Seeschifffahrt für weitere 
72 Monate genehmigt, allerdings musste 
dazu der Anwendungsbereich erweitert 
werden. An die Stelle der Eintragung in 
ainem inländischen Seeschiffsregister tritt 
ab 2022 die Eintragung in einem See- 
schiffsregister eines Mitgliedstaates der 
zuropäischen Union oder eines Staates, 
auf den das Abkommen über den Europäi- 
schen Wirtschaftsraum anwendbar ist. 
Förderung des Schiffspersonals 
Ein großes Problem der maritimen Bran- 
zhe ist der Rückgang der Seeleute. Als 
derz der Seefahrt halten diese die Schiff- 
fahrt in Bewegung und sorgen nach der 
aktiven Fahrenszeit auch in vielen land- 
seitigen maritimen Berufen für den Erhalt 
der maritimen Wirtschaft. Sowohl in 
Deutschland als auch weltweit nimmt es 
<ontinulerlich ab. Der ostseeische und 
nternationale Schifffahrtsrat (Baltic and 
International Maritime Council - BIMCO) 
Jnd die Internationale Schifffahrtskammer 
International Chamber of Shipping - ICS) 
gehen zurzeit weltweit von einem Fehlbe- 
stand von 16500 Offizierinnen und Offizie- 
ren aus. 
Die Ursachen sind vielfältig. Gerade in 
westlichen Ländern ist für Junge Men- 
schen ein mit langen Abwesenheiten 
verbundener Beruf in der Seefahrt nicht 
nehr besonders reizvoll. Durch den Rück- 
Jang von Schiffen unter deutscher Flagge 
wird es heute für die jungen Menschen, 
die dennoch interessiert sind, immer 
schwieriger, einen Ausbildungsplatz auf 
Schiffen zu finden. Für Absolventinnen 
nd Absolventen nautischer und techni- 
scher Studiengänge ist es sehr schwierig, 
durch eine Anstellung auf einem Schiff 
oraktische Erfahrung in diesem sehr ver- 
antwortungsvollen Beruf zu sammeln und 
ıhr Befähigungszeugnis auszufahren. 
Wenn sie als Berufsanfängerinnen und 
-anfänger überhaupt Anstellungen auf 
einem Schiff finden, sind sie eher schlecht 
bezahlt. 
Die Gewinnung von qualifiziertem Nach- 
wuchs ist auch ein finanzielles Problem. 
Für Reedereien ist es teurer, Junge Men- 
schen an Bord auszubilden und einzuset: 
zen, als Arbeitskräfte aus Niedriglohn- 
ländern anzustellen. Die Förderung von 
Ausbildungsplatzkosten durch die Bun- 
desregierung und die Stiftung Schifffahrts- 
standort Deutschland soll in diesem 
Bereich Abhilfe schaffen. EU-Vorschriften 
sehen vor, dass die Ausbildungsplatzför- 
derung allen EU-Staatsangehörigen zur 
Verfügung steht und nicht an die deutsche 
Staatsangehörigkeit anknüpft. 
Neben den harten Fakten spielen auch 
weiche Faktoren für die Gewinnung von 
Schiffspersonal eine Rolle. Die gerade der 
ungen Generation immer wichtiger wer- 
dende Vereinbarkeit zwischen Berufs- und 
Privatleben ist bei wochenlanger Abwe- 
senheit von zu Hause und von der Familie 
schwierig. Auch das früher oft angeführte 
Argument „Fahr zur See und sieh die 
Welt“ zieht nicht mehr, da jeder heute mit 
dem Flugzeug billiger und schneller an 
nahezu jeden Ort der Welt gelangen kann 
Die Faszination für diesen außerordent- 
lichen Beruf der Seefahrt und die Chan- 
cen, die dieser Beruf bietet, muss wieder 
sichtbar werden. Dazu beitragen könnte 
die Arbeit auf hochmodernen, digitalen 
Brücken oder in ebenso hochmodernen 
Maschinenräumen, die frühe Übernahme 
von Verantwortung für die Besatzung, das 
Schiff und die Ladung, verbunden mit der 
Perspektive, die Leitung der Maschinen- 
anlage oder später sogar die Gesamtver: 
antwortung für das Schiff übernehmen zu 
können. Und nur einige Jahre seefahren- 
der Erfahrung sind auch eine wichtige 
Voraussetzung für viele landseitige 
Arbeitsplätze In der maritimen Branche.
	        
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