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Zur Küstenbeschreibung und Hydrographie Ostafrikas,
jedoch auch mehr am Südende zwei kleine Felsen, welche in der Karte nicht
angegeben sind, sich jedoch bei halber Fluth noch zeigen. S. M. Kr. „Möwe“
passirte diese Felsen südlich in ungefähr 1'!/a Sm Entfernung, die Lothungen
stimmten mit den Angaben der Karten, nur näher an Land wurden geringere
Wassertiefen gefunden, als nach der Karte zu erwarten waren. S, M. Kr. „Möwe“
ankerte eine Stunde vor Niedrigwasser auf 5,5 m Wasser auf einer Stelle, wo nach
der Karte 6,5m Tiefe sein sollten, und hatte bei Niedrigwasser daselbst 4,5 m
Wasser. Die Wassertiefen nehmen jedoch bei der Annäherung an Land sehr
langsam und absolut gleichmäßig ab, so dafs man hier bis dicht unter Laud
gehen kann. Die Riffe bieten guten Schutz gegen östlichen Wind. S. MS.
„Olga“ ankerte zwischen den Riffen und Kap Ozy in den Peilungen: Kap Ozy
N0z0'/20, südlichster Felsen des Riffes SSO* 40, auf 13m Wasser und Sand-
grund, Nach den Angaben der Lotsen soll westlich dieses Ankerplatzes überall
flaches Wasser sein. Eine Lothungslinie, vom Ankerplatz bei halber Fluth
Sm weit auf Kipini zu gelegt, ergab regelmäfsig abnehmende Tiefen von
12—9'/2 m. Es müssen aber auch in diesem Theile der Bucht Riffe liegen,
denn die Lotsen führten die Boote mit einem weiten Umwege über NO nach
Kipini, Jedenfalls ist Schiffen, die die Formosa-Bucht besuchen wollen, grofse
Vorsicht anzuempfehlen. Beim Verlassen des Ankerplatzes kam die „Olga“
zwei Stunden nach Hochwasser auf entfärbtes Wasser mit 12 m Tiefe an einer
Stelle, wo die Britische Karte 12 Faden angab.!)
Der bei Kipini zur Bezoichnung des Deutschen Schutzgebietes errichtete
Grenzpfahl wurde von S. M. Kr. „Möwe“ schon beim Ansteuern des genannten
Ortes gesehen.
Von dem Ankerplatze aus wurde nach dem benachbarten Dorfe Shagga,
von welchem ein über die niedrige Düne hervorragendes Strohdach von der
Rhede aus sichtbar ist, eine Bootsexkursion gemacht. Etwa 1 Sm wosilich von
dem Dorfe fand sich cin wenigstens zur Zeit der Ebbe zum Landen gut geeig-
neter Strand, von dem vorliegende Riffe die See abhalten, und der steil genug
ist, um wenigstens aus der Gig mit der gewöhnlichen Laufplanke trockenen
Fufses an Land steigen zu können; der Kutter gebrauchte zwei Laufplanken,
um dies zu erreichen, Der Sandstrand ist zur Ebbzeit ca 50m breit und geht
in niedrige Dünen über, welche einen schmalen, mit niedrigem aber dichtem
Gebüsch bestandenen Wall bilden. Demselben ziemlich parallel läuft eine
innere höhere Dünenreihe. Beide Wälle sind etwa 200m von einander entfernt;
las zwischenliegende Thal, durch niedrige Erhebungen in gröfsere oder kleinere
Abschnitte getheilt, ohne indefs seinen Charakter als Senkung einzubüßen, trägt
das Dorf oder vielmehr die Ruinen desselben,
Bei Shagga befindet sich in der Düne ein schmaler, mit einem Thür-
rahmen versehener Durchgang, aus der Entfernung durch einen niedrigen, wahr-
scheinlich zum Anfertigen von Tauwerk benutzten Galgen auf dem Sandstrande
kenntlich. Bewohnbar resp. in letzter Zeit bewohnt war im Dorfe nur eine
aus Holzgerippe und Palmblattgeflecht errichtete Negerhütte, welche augen-
scheinlich erst seit Kurzem, vielleicht 10 Tagen, verlassen war. Darauf deuteten
die Aschhaufen in der Mitte derselben hin. Sie enthielt noch einige Arbeits-
und Kochgeräthe,
Um die Hütte herum liegen bis auf die innere Düne hinauf Ruinen von
Steinhäusern, theils älteren Datums von schwärzlicher Farbe, theils neuere,
welche, aus den gelben Korallensteinen wie in Zanzibar aufgeführt, den Ein-
druck machten, als wären die Gebäude nie fertig gebaut worden. Die Ueber-
bleibsel der alten Häuser zeigen durch die genaue, in einem gothischen Thür-
bogen sogar künstliche Ausführung, dafs man diese Gebäude seiner Zeit mit
einer gewissen Liebe hergestellt hat. Hinter der Strohhütte befindet sich ein
verschütteter und ein ca 30m tiefer, Wasser enthaltender Brunnen, letzterer
gemauert, Zwischen allen diesen Bauten hindurch ziehen sich Anpflanzungen
von Maniok, Tabak (in Blüthe), Ricinus, und sind Stellen der Dschungel
verhältnif(smäfsig frisch zur Anlegung von Feldern niedergebrannt.
Die Asche und Kohle dieser Stellen macht einen ungefähr ebenso frischen
Eindruck als die in der Hütte befindliche. Schliefslich fanden sich am Wege
1) Vgl. „Nachr. f, Seef.“ 1886 No. 1162.