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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

690 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1912. 
wicht. Das Stauen muß man selbst leiten und beaufsichtigen, da die Kulis mit 
den Balken schlecht umgehen können. 
Am 12. September gingen wir nach Port Said ab. 
2. Die Christmas-Insel (Indischer Ozean)!). Bericht von Kapt. F. Timm, 
D. »Sonneberg«. 
Die Insel ist Freihafen und Eigentum einer Phosphat-Gesellschaft in 
London, Sie gehört zu den britischen Straits Settlements, die einen Vertreter 
auf der Insel als obersten Beamten und Leiter der Regierungsgeschäfte haben, 
Dieser nimmt ankommenden Schiffen die Papiere (Musterrolle, Meßbrief und Ge- 
sundheitspaß) ab, schlichtet etwaige Streitigkeiten, stellt bei der Abfahrt einen 
Gesundheitspaß aus und steht dem Postwesen vor. 
Alle anderen dort ansässigen Europäer, im ganzen 24 und darunter ein 
Arzt, sind Angestellte der Phosphat-Gesellschaft. Der Arzt leitet das Hospital 
und geht auf Wunsch auch an Bord, muß dafür dann aber besonders bezahlt 
werden. Außer den Europäern sind etwa 1200 Chinesen, 40 Indier und 30 Malaien 
auf der Insel. Die Chinesen arbeiten im Phosphat, die Indier versehen den 
Polizeidienst und die Malaien arbeiten am Wasser, Den Lotsendienst tun 
2 Europäer. Sie kommen den Dampfern !/, Sm weit entgegen, bringen sie zu 
Anker und leiten das Verholen und das Trimmen der Ladung. 
Der Hafen liegt an der Nordseite der Insel am Ostufer der Flying Fish- 
Bucht in 10° 24’ S-Br. und 105° 42’ O-Lg. Es ist nur ein einziger Liege- und 
Ladeplatz darin, und wenn ein Schiff dort liegt, muß ein inzwischen ankom- 
mendes zweites draußen treiben, bis das erste weggegangen ist. Wenn man dann 
auf den Liegeplatz lossteuert, muß man den B-B. Anker mit 60 Faden (110 m) 
Kette zu Wasser fieren und langsam auf das Land zu dampfen. Sobald der 
Anker — ungefähr 40 m vom Lande — Grund faßt, wird von St-B. vorn eine 
Leine an Land gebracht und steif geholt, damit der Anker nicht in tiefes Wasser 
rutschen kann. Dann werden vom Heck aus Leinen an Tonnen festgemacht 
und daran wird das Schiff herumgeholt. Man erhält dann vom Lande aus zwei 
22zöllige Grastrossen mit 3zölligen Drahttrossen als Klappläufer und hievt sich 
daran jeden Morgen um 5% unter die Schütte. Um 5% abends fiert man wieder 
ab. An der Schütte liegt man mit dem Kopfe nach Norden und hat 30 Fuß 
{9.1 m) Wasser längsseit. Der Tidenhub beträgt etwa 2!/, Fuß (3/, m). Da in der 
Nordwestmonsunzeit (Oktober oder November bis April) zuweilen starke nord- 
westliche Dünung läuft, muß man stets unter Dampf liegen, um den Ankerplatz 
sofort verlassen zu können, In der Südostmonsunzeit (Mai bis September) ist 
ruhiges Wasser, es ist aber erstaunlich, welche große Kraft auch dann durch 
den immer vorhandenen leichten Grundsog gelegentlich auf die Trossen kommt. 
Von den beiden Phosphatschütten war nur eine in Gebrauch, man konnte 
an dieser aber täglich von 6h V bis 5% N bei einstündiger Mittagspause bequem 
1500 tons einnehmen. Das Phosphat enthält 12 bis 16%, Feuchtigkeit, wenn 
es aus den Gruben kommt, es wird dann aber durch glühende Walzen getrocknet 
und hat beim Verladen weniger als 3%, Feuchtigkeit; das ton (2210 Pfd. engl. 
= 1016 kg) mißt dann etwa 30 Kubikfuß (0.85 cbm). 
An Unkosten hat man 1s. 6 d. für jedes eingenommene ton (1016 kg) an 
die Phosphat-Gesellschaft zu entrichten. Dafür wird die Ladung ins Schiff ge- 
liefert und getrimmt, auch Lotsengeld ist darin einbegriffen. Außerdem hat man 
zu zahlen: 5 $ (Singapore-Währung) für einen Gesundheitspaß und 50 bis 70 $ 
für Drahttrossen, wenn man welche von Land benutzen muß, weil die eigenen 
nicht stark und nicht gut genug sind, 
Dampferverbindung besteht alle drei Wochen mit Singapore durch 
einen Dampfer der Phosphat-Gesellschaft, Dieser versieht die Insel mit Proviant, 
denn dort gedeihen nur Kokosnüsse, alle anderen Lebensmittel müssen eingeführt 
werden; nicht einmal Schafe oder Kühe können auf der Insel gehalten werden, 
weil kein Gras wächst. 
Prinkwasser ist genügend vorhanden und kann auch für 1 $% das ton 
an Schiffe abgegeben werden; Proviant für Schiffe gibt es aber nicht. 
1) Letzte Veröffentlichung über die Christmas-Insel: »Pilote«. Band IV, Jahrgang 1905. 8. 151.
	        
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