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Einleitung
Die Reise führte in das Seegebiet zwischen Ost-Grönland, Jan
Mayen und Spitsbergen. Sie ist Teil eines vom Internationalen Rat
für Meeresforschung in Kopenhagen (ICES) koordinierten Progranmes,
das sich mit den Voraussetzungen, der Bildung und Ausbreitung von
Arktischem Tiefenwasser im Nordpolarmeer befaßt; es wird Tiefenwas-
ser-Projekt (Deep Water Project) genannt.
Die an der Bildung von Tiefenwasser beteiligten Prozesse sind nur
wenig bekannt; es existieren verschiedene Theorien für den eigent-
lichen Bildungsprozeß. Allgemein ist die Bedeutung der Arktischen
Tiefenwasser für den Gesamthaushalt des Nordpolarmeeres und des
Nordatlantischen Ozeanes bekannt. Das Arktische Tieferwasser kamt
bei seiner Entstehung mit der Atmosphäre an der Meeresoberfläche in
Berührung und trägt beim Absinken natürliche und künstliche atmos-
phärische Beimengungen in die Tiefen der Meere. Diese können als
Meßgrößen für die Zeit dienen, die vergangen ist, seitdem eine
Wassermasse mit der Atmosphäre in Berührung war; außerdem geben sie
Aufschluß darüber, welche Menge im Iaufe der Zeit in die Tiefsee
transportiert wird. Dieser Eintrag in die Tiefenzirkulation des
Weltozeans ist unter Umweltschutzgesichtspunkten im Bereich der
Zeitskalen klimatischer Änderungen von sehr großer Bedeutung.
Eine Reihe von Schiffen beteiligte sich an den Untersuchungen
der großräumigen hydrographischen Situation innerhalb eines Jahres,
wobei einzelne Untersuchungen auf ausgewählte Prozesse oder Teile
von ihnen abgestellt wurden und das Schwergewicht der jeweiligen
Reisen bildeten. Seit August 1981 haben das isländische Forschungs-
schiff "Bjarni Saemundsson" und das norwegische Forschungsschiff
"Hakon Mosby” in einer Folge von Reisen in dieses Gebiet in dem
Programm gearbeitet, gefolgt im Februar/März 1982 von dem kanadi-
schen Forschungsschiff "Hudson", Die ’Meteor’-Reise 61 beendete die
Reihe spezieller Forschungsfahrten; ihr folgten einige andere mit
einem hydrographischen Programm, aber mit anderen Schwerpunkten. So
arbeitete 1984 ’Polarstern‘ in den Programmen MIZEX und ARCHY in der
Fram-Strasse und 1985 ’Meteor’” auf der Reise Nr.71 in der Norwegi-
schen See und in ausgewählten Gebieten der Grönland-See.
Allgemeine Hydrographie
Die Tiefenwasser der Norwegischen und der Grönland-See werden von
denen des Nordatlantik durch untermeerische Gebirgsrücken getrennt,
die von Grönland nach Schottland verlaufen. In dieses Gebiet
vordringende Wassermassen aus dem Nordatlantik sind dadurch auf den
oberen Tiefenbereich. mit geringerer Dichte beschränkt; sie sind
relativ warm (6 bis 10 °C) und salzreich (35,1 bis 35,3). Das Wasser
des Atlantiks wird vor allem durch den Norwegischen Stram nach
Norden transportiert. Die andere Hauptquelle für die Wassermassen
der oberen Schichten ist der Arktische Ozean; sein Wasser ist kälter
(<O °C) und weniger salzreich (ca. 30,0 bis 34,5). Es ist damit
generell leichter als die Wasser des Atlantiks. Der Ost-Grönland-
strom transportiert dieses Polare Wasser nach Süden und weiter durch
die Dänemark-Straße in den Nordatlantik.