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Full text: Seevermessung mal anders

-ahrtbericht 
mechanischen Uhr vorstellen. Solange eine Uhr 
gleichmäßig vor- oder nachgeht und man den täg- 
lichen Uhrengang kennt, kann man leicht auf die 
korrekte Uhrzeit schließen. Um den Gang des Gra- 
vimeters zu bestimmen, machen wir mindestens 
jeden zweiten Tag für einige Stunden im Hafen 
von Helgoland fest und führen Vergleichsmessun 
gen neben einem Punkt durch, dessen Schwere 
wert bereits bekannt ist. Diese Vergleichspunkte 
wurden im Vorfeld extra für diese Fahrt vom BKG 
unmittelbar an den Liegeplätzen des VWFS Deneb 
in Bremerhaven und Helgoland angelegt. 
n Helgoland warten auch zwei Kollegen von 
uns, die die Messdaten übernehmen und erste 
Analysen und Vergleiche mit den Altdaten durch 
führen. Pandemiebedingt können sie dieses Mal 
leider nicht auf dem VWFS Deneb mitfahren. Auch 
an Bord werden jede Menge Programme und 
Skripte geschrieben, um die Vollständigkeit und 
Yausibilität der Daten zu prüfen und erste Verglei 
zhe der Sensoren untereinander durchzuführen. 
Dieses Mal weist das Gravimeter ein hinreichend 
stabiles Gangverhalten auf. Bei früheren Fahrten 
war dies nicht immer der Fall und wir mussten 
den Fahrtverlauf daraufhin anpassen. Die primä- 
‚e Datenanalyse vor Ort ist deshalb eine wichtige 
Voraussetzung für die Qualitätssicherung der ge- 
vonnenen Messdaten. 
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Abb. 8: Schweremessungen in der Ostsee für das BSCD2000 
(grau: Stand der Datenbasis September 2018, rot: neue Messungen seit 2018 
Alau: Messunaen des BSH/GF7Z/BKG 2013 bis 2018) 
Wie geht es nun weiter? 
Im deutschen Anteil der Ostsee sind die gravi 
metrischen Messungen abgeschlossen und zum 
Teil bereits in das German Combined Quasigeoid 
7016 (GCG2016), das bisher auch als Seekartennul 
in der Ostsee fungiert, eingeflossen. In unseren 
Nachbarländern werden zum Teil noch weitere 
Messungen durchgeführt, sodass insgesamt in 
weiten Teilen der Ostsee aktualisierte Schwere- 
werte zur Verfügung stehen werden (Abb. 8). Sie 
sind die Grundlage, um ein neues einheitliches 
Geoidmodell für die gesamte Ostsee zu berech 
nen. Die Standards, auf deren Grundlage diese Be 
'echnung erfolgt, wurden bereits 2016 festgelegt 
"Agren et al. 2016, aktualisiert 2021). Dieses Model 
wird den Namen Baltic Sea Chart Datum 2000 
(BSCD2000; Schwabe et al. 2020) haben. An seiner 
Berechnung beteiligen sich mehrere Rechenzen 
tren, neben dem BKG auch Lantmäteriet (Schwe- 
den), Tallinn University of Technology (TalTech, 
Estland), Finnish Geodetic Institute (FGI, Finnland) 
und DTU Space (Dänemark). Nach dem Auslau- 
‘en des FAMOS-Projektes werden die Arbeiten im 
Rahmen der Chart Datum Working Group (CDWG; 
Aww.bshc.pro/working-groups/cdwg) der Bal- 
ic Sea Hydrographic Commission (BSHC) der 
International Hydrographic Organization (IHO) 
koordiniert. Die finale Berechnung des Modells 
soll 2022 erfolgen. Es wird von allen Ostseeanrai 
nern (Status in Russland ist nicht bekannt) offiziel: 
akzeptiert und eingeführt. Die administrativen 
Anforderungen in Deutschland wurden hierfür 
bereits gelegt, mit Wirkung vom 04.08.2021 ist 
BSCD2000DHHN2016 das offizielle Seekartennull für 
die Ostsee in Deutschland. Auf die Navigation hat 
dies keine Auswirkungen, die Tiefen in den See 
karten des BSH ändern sich nicht. 
In der Nordsee werden sich die Arbeiten noch 
etwas länger hinziehen. Derzeitig werden die an 
Bord erhobenen Messungen ausgewertet und an- 
schließend die älteren Schweredaten kontrolliert. 
Für 2022 ist bereits die nächste Fahrt zur Durch 
führung von Schweremessungen in der Nordsee 
geplant. Sobald die notwendige substanzielle Ver 
besserung der Datenbasis erreicht wird, kann auch 
für die Nordsee das German Combined Quasigeo 
id aktualisiert werden. Gemeinsam mit den abseh 
baren Entwicklungen im GNSS-Bereich, z.B. Posi- 
tionierungsdiensten auf der Grundlage des Precise 
Point Positioning, wird die Höhenbestimmung im 
Meeresbereich der Nord- und Ostsee dann wieder 
ein Stück genauer, zuverlässiger und operationel 
er. Von den verbesserten geodätischen Grundla- 
gen und Positionierungsmöglichkeiten wird nicht 
nur die Seevermessung selbst profitieren. Die 
verbesserte geodätische Infrastruktur wird auch 
positive Auswirkungen in anderen Anwendungs 
bereichen, wie Verkehr, Umwelt oder bei den 
Jntersuchungen der Meeresspiegeländerungen. 
haben 
Hydroaraphische Nachrichten
	        
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