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Full text: Seevermessung mal anders

-ahrtbericht 
Die Störbeschleunigungen aufgrund von See- 
Jang, Wendemanövern und Ähnlichem, die von 
dem Messgerät aufgezeichnet werden, sind aber 
dennoch um ein Vielfaches größer als das zu 
nNessende Schweresignal. Ein Teil davon lässt sich 
modellieren (Coriolis- und Eötvös-Effekt aufgrund 
der Erdrotation) bzw. kann aus der zentimeterge 
nauen GNSS-Trajektorie des Schiffes berechnet 
werden. Für die Eliminierung der seegangbe- 
dingten Störeinflüsse macht man sich den Sach 
verhalt zunutze, dass die schwerefeldbedingten 
Signalanteile eine ganz andere Wellenlänge ha- 
ben als der Seegang. Mittelt man alle Messwerte 
in einem Zeitfenster von z. B. zehn Minuten, kann 
der Einfluss des Seegangs auf die Messung prak 
tisch eliminiert werden, da in diesem Zeitraum 
schon recht viele Wellenberge und -täler erfasst 
wurden. Da das VWFS Deneb die Messprofile mit 
ainer Geschwindigkeit von ca. 10 Knoten (rund 
8 km/h) abfährt, hat es in dieser Zeit eine Stre 
:ke von etwa 3 km zurückgelegt. Über diese Ent 
fernung hat sich die zu bestimmende Schwere- 
veschleunigung aber nur relativ wenig geändert 
Jnd kann im Verhältnis zur Messgenauigkeit des 
Garavimeters mit hinreichender Genauigkeit be- 
stimmt werden. 
Wurden noch andere Messungen 
durchgeführt? 
Wir haben die Gelegenheit genutzt und das VWFS 
Deneb für diese Fahrt mit weiterer Sensorik aus- 
gerüstet. Wir wollten testen, wie genau man die 
Meeresspiegelhöhe während der Fahrt messen 
ann. Diese Arbeiten ordnen sich in einen neuen 
Arbeitsschwerpunkt im Referat G 3 des BKG ein. 
mit dem im letzten Jahr begonnen wurde: die Be 
stimmung des Meeresspiegels und des Meeres- 
spiegelanstieges in Nord- und Ostsee. 
Profile 
— . Di,‚2021-06-29 
— 2 - Mi,‚2021-06-30 
— 3. Do,2021-07-01 
—4 . Fr,2021-07-02 | 
—5 50,2021-07-04 
= +  Mi,2021-07-07 
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Orbits 
Abb. 6: Seekarte der deutschen Nordseeküste mit Einschränkungen für den Schiffsverkehr 
(Violett Verkehrstrennungsgebiete. schraffierte Polygane: Windparks) und Altimeterorbits 
Das grundlegende Messverfahren, das wir dazu 
am BKG nutzen, ist die Satellitenaltimetrie (Abdalla 
et al. 2021). Altimetersatelliten fliegen auf »festen« 
Spuren über der Erde und überfliegen dasselbe 
Gebiet in regelmäßigen Zeitabständen. Je nach 
Satellitenmission können das zehn und mehr Tage 
sein. Satellitenmissionen, die die Meereshöhe in 
regelmäßigen Abständen mit Zentimetergenauig 
<eit vermessen können, gibt es nunmehr seit ca. 
30 Jahren, das heißt, man kann auf ihrer Grundlage 
den Meeresspiegelanstieg der letzten 30 Jahre be 
rechnen. 
Darüber hinaus gibt es natürlich noch punki 
weise Pegelmessungen. Aufzeichnungen einige! 
Pegel reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhun 
derts zurück. Pegel messen per se an der Küste 
die Höhe des Meeresspiegels gegenüber dem 
Festland. Altimetersatelliten liefern genaue Mes 
sungen von Höhen über dem oben erwähnten 
idealen Erdellipsoid über dem offenen Meer. In 
Küstennähe sind sie jedoch durch Festlandein 
Aüsse verfälscht und liefern gerade hier keine ge- 
nauen Messwerte. 
Meeresspiegelhöhen von Pegeln und Altime 
cersatelliten können deshalb nicht ohne weiteres 
miteinander verglichen werden. Es werden zu 
sätzliche Informationen benötigt, beispielsweise 
aus Ozeanmodellen abgeleitete Meereshöhen 
Hier können wir die Ergebnisse von Modellsimu 
'ationen nutzen, die uns vom Institut für Ostsee- 
‘“orschung Warnemünde (IOW) zur Verfügung 
gestellt werden (Burchard und Bolding Kristensen 
2002; Gräwe et al. 2019). Unser Ziel ist es, diese In 
‘“ormationen optimal miteinander zu verknüpfen 
Denn alle Messverfahren und Modelle haben spe- 
zifische Eigenschaften, Vor- und Nachteile. Sei es 
bezüglich der räumlichen Verteilung der Daten, 
der zeitlichen Auflösung (Messintervall), der physi- 
kalischen Interpretierbarkeit oder des Messfehlers. 
Alles in allem ist dies eine komplexe Aufgabe. 
Zusätzliche Informationen, wie die Meereshöhen 
entlang des Schiffstracks, könnten dabei eine wert 
volle Hilfe sein. Wenn der Meeresspiegelanstieg 
von wenigen Millimetern pro Jahr bestimmt wer 
den soll, stellt dies höchste Ansprüche an die Mes 
sungen und Modelle sowie an die Qualität und 
omogenität des zugrunde liegenden geodäti 
schen Raumbezuges. 
Worauf kommt es bei der Planung der 
Messprofile an? 
Ein Kriterium bei der Planung der Messprofile war 
deshalb der Verlauf der Subsatellitenspuren, das 
heißt der Linien auf der Erdoberfläche, die die Al 
‚imetersatelliten regelmäßig überfliegen (Abb. 6). 
Zweimal im Verlauf der Fahrt waren wir auch gera- 
de zeitgleich mit dem Satelliten auf diesen Spuren 
Unterwegs, sodass wir unsere Messungen unmit- 
telbar mit den Satellitenmessungen vergleichen 
können 
Hydroaraphische Nachrichten
	        
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