-ahrtbericht
A“
betrachtet geben sie uns eine Richtung an, die
vom Schwerefeld der Erde vorgegeben ist. Im Ver-
gnügungspark fahren wir mit der Achterbahn und
naben Spaß daran, in den Kurven mit mehreren g-
'n die Sitze gepresst zu werden. Die Fallbeschleuni
Jung g, mit der wir von der Erde festgehalten wer-
den, verwenden wir hier als Vergleichsmaßstab
Wie groß ist nun die Schwerebeschleunigung und
‚wie stark variiert sie% (Fahrtbericht Deneb 2015).
‚m Mittel beträgt die Schwerebeschleunigung
der Erde g 9,81 m/s? Dieser Wert varliert in Mee
reshöhe aufgrund der Abplattung der Erde von
za. 22 km systematisch zwischen 9,78 m/s? am
Äquator und 9,83 m/s? an den Polen und nimmt
außerdem mit zunehmender Höhe ab. Das heißt
‚wir werden am Äquator und auf hohen Bergen
weniger stark von Mutter Erde angezogen. Diese
beiden Sachverhalte sind durch das Newtonsche
Gravitationsgesetz erklärbar. Mit zunehmendem
Abstand von der anziehenden Masse (der Erde)
nimmt die Anziehungskraft quadratisch ab. Die
unterschiedliche Schwerebeschleunigung führt
dazu, dass eine Waage, die nicht für ihren jewei
igen Einsatzort kalibriert wird, am Äquator etwas
weniger anzeigt als an den Polen. Bei einer Person
mit einer Masse von 80 kg sind das immerhin rund
100 g.
Die Gezeiten der Meere sind ein interessantes
Phänomen und bleiben sicherlich nicht nur einem
Nattwanderer lebhaft in Erinnerung. Sie werden
durch den Einfluss der Massen von Sonne und
Mond verursacht. Insofern ist es nicht verwun-
derlich, dass auch die Massenverteilung der Erde
selbst einen großen, wenn auch nahezu unverän
derlichen Einfluss auf die Form des Meeresspiegels
1aben muss.
Die durch die Abplattung der Erde bedingten
Schwereunterschiede sind natürlich längst hin-
reichend genau bekannt. Bis zu einer räumlichen
Auflösung von 100 km wurde das Erdschwerefeld
'n den letzten 20 Jahren zudem mit Hilfe verschie
dener Satellitenmissionen sehr genau vermessen
(Pail et al. 2011). Für die Feinstrukturen des Erd-
schwerefeldes sind die Satellitenmessungen aber
nicht sensitiv genug. Und für die Bestimmung der
YHöhenbezugsfläche möchten wir es schon ziem
'ich genau wissen. Um unser Quasigeoidmode:
’n einem Gitterabstand von 1 km bereitstellen zu
können, benutzen wir gegenwärtig Schwerewer
:e im Abstand von ca. 4 km in Verbindung mit In
“ormationen aus digitalen Gelände- (DGM25; BKG
2018) bzw. Bathymetriemodellen (GEBCO; GEBCO
Zompilation Group 2021). In Gegenden mit beson-
ders großen Schwereänderungen, wie im Gebirge,
sollte die Dichte der Schweremessdaten zukünftig
sogar noch höher liegen. Diese Feinstrukturen des
Erdschwerefeldes können derzeit nur mit terres-
trischen Messmethoden bestimmt werden, auch
wenn diese Messungen durchaus langwierig und
aufwendig sind. Im Festlandbereich haben die
Bundesländer in den letzten zehn Jahren bereits in
vielen Bereichen neue Schweremessungen durch
geführt. Das BKG engagiert sich seit ca. 15 Jahren
insbesondere in den logistisch schwerer zugäng-
'ichen Bereichen. Der Fokus unserer Arbeiten lag
auf den Meeresbereichen, den Wattgebieten und
den Alpen. Dabei haben wir mit Flugzeugen, He
likoptern, Schiffen, Amphibienfahrzeugen, Pfer
defuhrwerken und natürlich Autos wohl fast alle
denkbaren Fortbewegungsmittel bzw. Messplatt
‘ormen für die Schweremessungen genutzt.
Für die Bestimmung unserer Höhenbezugs
läche benötigen wir nicht nur eine relativ hohe
:aumliche Dichte von Messpunkten, die Messun-
gen selbst müssen auch sehr präzise sein. Auf die
“ünfte und möglichst sechste Nachkommastelle
genau muss die Schwerebeschleunigung bekannt
sein, um unsere Höhenbezugsfläche mit Subzenti
metergenauigkeit berechnen zu können. Variatio-
nen des Schwerefeldes der Erde in dieser Größen
ordnung ergeben sich aufgrund unregelmäßiger
Massenverteilungen und werden als Schwereano-
malien bezeichnet. Unregelmäßige Massenvertei
‚ungen, das sind sowohl die Topographie (Berge
und Täler) als auch die unterschiedliche Dichte
der Gesteinsmaterialien im Erdinneren. Gebiete, in
denen die Materialien der Erdkruste eine höhere
Dichte aufweisen, bewirken eine höhere Erdan
ziehungskraft in dieser Gegend und umgekehrt.
Geologen und Geophysiker nutzen die Kenntnis
dieser Unregelmäßigkeiten des Erdschwerefeldes
für die Erkundung und Untersuchung von Lager
stätten. Unsere Messungen allein würden für die
‚agerstättenerkundung aber nicht ausreichen
Dazu müsste noch einmal viel dichter und unter
Nutzung weiterer Verfahren gemessen werden
Verfügbare Schweredaten aus der Geologie weı
den hingegen für die Bestimmung der Höhenbe-
zugsfläche durchaus von uns genutzt.
Infolge der unregelmäßigen Dichte- bzw. Mas-
senverteilung der Erde weist die mittlere Meeres
oberfläche keine ideale, rein geometrisch defi
nierte Form auf. Als mathematische Bezugsfläche
sowie für Koordinatenberechnungen wird die
Form der Erde als mittleres Erdellipsoid definiert.
Dieses Ellipsoid ist ein im Vergleich zur Kugel an
den Polen um ca. 22 km abgeplatteter rotations-
symmetrischer Körper, was die tatsächliche Form
der Erde schon recht gut annähert. Als Höhen
bezugsfläche ist es für praktische Anwendungen
‚jedoch ungeeignet. Global betrachtet weichen die
öhe des mittleren Meeresspiegels und unsere
darauf bezogene Höhenbezugsfläche um immer-
hin bis zu +100 m vom mittleren Erdellipsoid ab.
Das mag in Anbetracht des Erdradius von rund
6370 km zunächst einmal nicht besonders spek-
takulär klingen. Allein in Deutschland variiert der
Abstand zwischen Höhenbezugsfläche und Ellip
soid aber immerhin zwischen 34 m in der Ostsee
ıÜınd 50 m in den Alpen. Selbst in lokal begrenzten
Hydroaraphische Nachrichten