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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 22 (1894)

Börgen: Die Gezeiten-Erscheinuugen im Irischen Kanal. 
fernung gebraucht, einen Schlufßs auf die Fortpflanzungsrichtung der Welle zu 
machen, auf. 
Können wir hiernach die allgemeine Richtung der Fortpflanzung der Fluth- 
welle nach ONO als hinreichend begründet ansehen, so ergiebt sich der weitere 
Verlauf derselben innerhalb des hier betrachteten Gebietes von selbst und kann 
etwa. in folgender Weise dargestellt werden. Die nach ONO fortschreitende 
Welle trifft sowohl im Norden wie im Süden von Irland auf die schottische und 
die englische Küste, welche ihrem Fortgang ein Hindernifs entgegensetzen und 
sie zwingen, ihre Fortpflanzungsrichtung zu ändern, wobei sie jedoch ihre Ten- 
denz nach Osten immer beibehält. Der im Süden eindringende Zweig der Welle 
wird nach Norden und Nordosten, der im Norden eintreffende nach Süden und 
Südosten abgelenkt. Beide Zweige der Welle durchkreuzen sich und treffen in 
verschiedenen Theilen des hier betrachteten Gebietes mit verschiedenen Phasen 
zusammen. : Dies drückt sich in den wechselnden Fluthgröfsen aus, welche zwei 
Maxima und zwei Minima erkennen lassen, ; 
. Wir wollen nun, unter nochmaligem Hinweis auf das „Segelhandbuch des 
Englischen Kanals“, I. Theil, Seite 24 bis 29, die oben erwähnten Thatsachen 
einzeln durchgehen und zu erklären versuchen. 
Was zunächst die Richtung des Wachsens der Hafenzeiten betrifft, so 
ergiebt sich theoretisch, dafs dieselbe in dem Falle, wo zwei Wellen von 
ungleicher Höhe sich durchkreuzen, stets mit der Fortpflanzungsrichtung der 
höheren Welle übereinstimmt und dafs in dem Falle, wo die Wellen dieselbe 
Höhe. haben, überall in demselben Augenblicke Hoch- und Niedrigwasser eintritt, 
Ergebnisse, welche man a priori erwarten konnte. Wenn num die sich kreuzenden 
Wellen auf ihrem Wege nicht dieselbe Höhe beibehalten, sondern bei weiterem 
Fortschreiten in Höbe abnehmen, so wird ein Punkt existiren müssen, wo beide 
mit gleichen Höhen zusammentreffen, während diesseits die eine. (z. B. die aus 
Süd‘ kommende), jenseits die andere (z. B. die aus Nord kommende) Welle die 
höhere ist. In einem solchen Falle werden wir daher erwarten müssen, dafs die 
Hochwasser-(Hafen-)zeiten sowohl von Norden wie von Süden her bis zu einem 
Maximum zunehmen werden, wie wir es eben im Irischen sowohl wie im Eng- 
lischen Kanal und dem südlichen Theile der Nordsee beobachten. Es ist dabei 
nicht nothwendig, dafs dieser Punkt, wie es im Irischen Kanal zufällig der Fall 
ist, mit dem Punkte identisch sei, wo die Wellen mit gleichen Phasen zusammen- 
treffen, und-in der That sind im Englischen Kanal diese Punkte auch verschieden, 
Der entscheidende Punkt bei dieser Erklärung ist der, dafs die Wellen bei ihrem 
Fortschreiten an Höhe einbüfßsen; dies ist aber ohne Zweifel der Fall, da die 
Reibung im Stande ist, gewöhnliche Wellen sehr rasch zum Verschwinden zu 
bringen -und auch bei der Fluthwelle, zumal auf relativ flachem Wasser von 
mannigfaltig gegliederter Begrenzung, sich stark geltend machen muß. Hiermit 
ist die erste der oben dargelegten Auffälligkeiten erklärt. 
” "Der zweite Punkt, den wir zu erklären haben, betrifft den Umstand, daß 
durchweg an der englischen Küste der Fluthwechsel sehr :erheblich größer ist 
als an der gegenüberliegenden irischen. Um hierfür eine Erklärung geben zu 
können, müssen wir uns das, was oben über die Fortpflanzungsrichtung der aus 
dem Ocean kommenden Welle gesagt wurde, vor Augen halten. Es wurde 
konstatirt, dafß sich die. Welle von WSW nach ONO auf die Britischen Inseln 
zu bewege. ‘Diese setzen aber ihrer Fortpflanzung ein absolutes Hindernifs ent- 
gegen; und die Folge ist, daß sie sich hier, wegen der von der Küste reflektirten 
Welle, zu erheblich gröfserer Höhe (wegen der Reibung nicht ganz zu dem 
Doppelten der ursprünglichen Höhe) aufstaut. Dabei ist zu berücksichtigen, dafs 
schon die ursprüngliche Welle durch den ziemlich plötzlichen Uebergang aus 
dem tiefen Ocean auf die flachen Bänke, eine sehr wesentliche Erhöhung erfahren 
hat.‘ Die Höhe- einer, Welle, welche aus tiefem auf flaches Wasser übertritt, ver- 
hält sich zu ihrer ursprünglichen Höhe umgekehrt wie die vierten Wurzeln aus 
den resp. Tiefen: Geht also, wie dies vor den europäischen Küsten der Fall ist, 
die Welle. ziemlich plötzlich von 2500 m Tiefe auf 200 m über, 20 wird ihre 
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Höhe auf der letzteren Tiefe das. V/12,5 — 1;8fache derjenigen. auf 2500. m 
betragen. War also die letztere etwa 1,5 m, so wird dieselbe auf 200 m Tiefe 
ungefähr 2,7 m sein, und wir werden an der Küste, wo infolge der ReflexionNo full text available for this image
	        
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